Fluglärm im Rhein-Sieg-Kreis Belastung deutlich höher als angenommen

Rhein-Sieg-Kreis · Die Lärmschutzgemeinschaft Flughafen Köln/Bonn hat die aktuelle Lärmuntersuchung des Landesamtes ausgewertet. Das Ergebnis: Die Anzahl der Menschen im Kreis, die einer hohen Lärmbelastung ausgesetzt sind, hat sich seit 2017 verdoppelt.

Die Belastung durch Fluglärm im Kreis ist höher als bisher angenommen.

Die Belastung durch Fluglärm im Kreis ist höher als bisher angenommen.

Foto: Ingo Eisner

Die Fluglärmbelastung im Kreisgebiet ist höher, als bisher angenommen wurde. Das offenbart eine neue Lärmkartierung des das Landesamtes für Natur-, Umwelt-und Verbraucherschutz (Lanuv), die von der Lärmschutzgemeinschaft Flughafen Köln/Bonn ausgewertet wurde. Helmut Schumacher, Sprecher des Hennefer Ortsverbandes der Lärmschutzgemeinschaft zieht ein Fazit: „Die Gesamtzahl der Bürger im Rhein-Sieg-Kreis, die durch nächtlichen Fluglärm mit einem Dauerschallpegel von 50 dB (A) und mehr hoch belastet sind, ist laut der Neuberechnung von ehemals 22.205 aus dem Jahr 2017 auf nunmehr 44.335 Menschen im Jahr 2022 angewachsen und hat sich somit verdoppelt“, so Schumacher. Die Einheit dB (A) beschreibt dabei den bewerteten Schalldruckpegel.

Waren es 2017 alleine in Hennef noch 2260 Anwohner, die unter einem nächtlichen Dauerschallpegel von 50-54,9 dB (A) zu leiden hatten, stieg die Zahl der von nächtlichem Fluglärm geplagten Hennefer für diesen Dauerschallpegelwert auf 18.401 im Jahr 2022. Auch die von Fluglärm stark betroffene Gesamtfläche des Kreisgebietes stieg nach den neuen Berechnungen zwischen 2017 und 2022 von ehemals 56 auf 93 Quadratkilometer. „Das ist ein Plus von 65 Prozent“, so Schumacher. Waren in Hennef 2017 noch zehn Quadratkilometer Fläche von Fluglärm betroffen, so waren es 2022 bereits 24,6 Quadratkilometer. Für die neue Lärmkartierung, in der laut Schumacher nun endlich für den Rhein-Sieg-Kreis eine realitätsgerechte Berechnung für alle vom Fluglärm stark belasteten Gebiete vorliegt, hatte das Lanuv die für Fluglärm europaweit verwendete Berechnungsmethode CNOSSOS (Common Noise Assessment Methods) angewendet. Diese soll laut dem Fluglärmexperten bewirken, dass sich die Flugbahn der Flugzeuge realitätsnäher als früher bestimmen lässt. „Zum ersten Mal liegen nun realistische und offizielle Zahlen vor“.

WHO-Empfehlung deutlich überschritten

Dennoch ist Schumacher unzufrieden. „Bedauerlicherweise wurden auch für diese Neuberechnung nur die hochbelasteten Gebiete in die Berechnung einbezogen, also Flächen, wo ein nächtlicher Dauerschallpegel von 50 Dezibel oder mehr vorherrscht, beziehungsweise der Ganztages-Dauerschallpegel von 55 Dezibel überschritten wird“. Die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO und des Umweltbundesamtes, nach denen bereits Erkrankungsrisiken ab einem nächtlichen Dauerschallpegel von 40 und einem Ganztages-Dauerschallpegel von 45 dB (A) nachgewiesen sind, blieben hier laut Schumacher völlig außen vor.

Auf Nachfrage der Lärmschutzgemeinschaft, warum die Lärmemissionen zwischen 40 und 49,9 Dezibel nicht in die Berechnung eingeflossen sind, ließ das Lanuv Schumacher wissen, dass es sich als Vollzugsbehörde an die EU-Vorgaben halte. Die WHO-Empfehlungen würden aber gerne zu Aus-und Fortbildungszwecken herangezogen. „Diese Alibi-Erklärung lässt die Fluglärm-Dauerbelastung von mindestens 50.000 im Rhein-Sieg-Kreis ansässigen Menschen unberücksichtigt“, so Schumacher. Die müssen ihm zufolge, sofern sie betroffen sind, mit einem nächtlichen Dauerschallpegel zwischen 40 und 49,9 Dezibel leben. Ein Dauerschallpegel von 50 dB(A) habe, im Vergleich zu 40 dB(A), bereits die zehnfache Schallintensität. „Bei einem nächtlichen Dauerschallpegel von 55 dB(A) müssen rund achttausend Anwohner in Siegburg und Lohmar sogar unter einer durchschnittlichen Nachtflug-Lärmbelastung leben, die den WHO-Grenzwert von 40 dB(A) um mehr als das 30-Fache übersteigt“, fügte der Fluglärmexperte hinzu.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort
„Da wird mit Menschen gespielt“
Eitorfer Gemeinderat Toni Strausfeld zu ZF „Da wird mit Menschen gespielt“