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Hennef: Autobahnpolizist schreibt Science-Fiction-Romane

„Die letzte Melderin“ und „Zwei Welten“ : Der Autobahnpolizist, der nachts Science-Fiction-Romane schreibt

Michael Spitzer aus Hennef arbeitet bei der Autobahnpolizei. Nach der Arbeit schreibt der 50-Jährige Science-Fiction-Dystopien. Vier Romane hat er schon veröffentlicht.

Es ist bereits nach 22 Uhr, wenn Polizeihauptkommissar Michael Spitzer von einem Spätdienst nach Hause kommt. Seine Ehefrau und seine drei Kinder schlafen bereits, wenn Spitzer sich an seinen Schreibtisch setzt. Die Stille der Nacht genießend fährt er den Computer hoch, setzt sich seine Kopfhörer auf, hört „Enjoy the silence“ von seiner Lieblingsband „Depeche Mode“ und beginnt, an einem seiner Bücher zu schreiben. Seine Schreibstube befindet sich im Haus der Spitzers, unter der Treppe zur ersten Etage. „Meine Schreibstube ist tatsächlich etwas ungewöhnlich“, sagt Spitzer. „Der einzige freie Raum, der mir im Haus für meinen PC übrigblieb, ist die Fläche unter der Treppe zum ersten Stock. Das hat was von Harry Potter bei den Dursleys, nur, dass ich nicht eingesperrt bin und jederzeit auch wieder aufstehen und gehen kann“, sagt Spitzer und schmunzelt.

In dieser kleinen Ecke unter der Treppe entstanden seit 2015 mit der so genannten „Die letzte Melderin“-Reihe und dem Buch „Zwei Welten“ bisher insgesamt vier Bücher, die sich stilistisch zwar dem Bereich der „Urban Fantasy“ und dem dystopischen Sci-Fi-Genre zuordnen lassen. Spitzer fühlt sich aber nicht streng an diese literarischen Bereiche gebunden und baut geschickt auch Thriller-Elemente ein.

Begeisterung fürs Schreiben war immer da

Spitzer, der 1971 in Köln geboren wurde und nach seinem Abitur 1990 eine Ausbildung bei der Polizei begann, die er 1993 erfolgreich abschloss, genießt die nächtliche Ruhe zum Schreiben. „Ich bin eh ein Nachtmensch“. Seit 2010 lebt der Polizeihauptkommissar mit seiner Familie in Hennef, seit zwei Jahren ist er für die Autobahnpolizei in Sankt Augustin tätig. „Das Schreiben hat mich immer begeistert, doch irgendwie kam ich nie dazu, es auch wirklich umzusetzen“, sagt Spitzer, der bereits im zarten Alter von 19 Jahren die ersten Zeilen mit einer Schreibmaschine zu Papier brachte. „Bis 2015 war ich nur Leser verschiedener Genres, wobei es mir Stephen King, Dan Brown und Frank Schätzing sehr angetan haben. Allerdings sind mir auch die Harry Potter-Reihe, die Panem-Trilogie und die Divergent-Reihe nicht fremd“.

Vor sechs Jahren entdeckte er während einer stressigen beruflichen Phase das Schreiben erneut, und zwar als ausgleichendes Hobby. Nach fünf Monaten hatte er bereits 1200 Seiten geschrieben, die er auf drei Bände verteilte. Der Kontakt zu einem Verlag ermöglichte es ihm, mit „Die Nachfolge“ und „Die Melderin“ bereits zwei Bände dieser Reihe zu veröffentlichen. Der dritte Band „Die Botin“ soll im Herbst erscheinen.

Vom Europa des 23. Jahrhunderts und einer magischen Gesellschaft

Zum Inhalt der bereits erschienen Bücher von Spitzer: „Die Nachfolge“ spielt in einer von der Außenwelt abgesonderten Siedlung mit rund 40.000 Einwohnern im Europa des späten 23. / frühen 24. Jahrhunderts. Dort scheint alles gut: Demokratische Wahlen und sieben einfache Regeln, an die sich jeder hält. Die Protagonistin Danielle Berg, genannt Dan, kommt mit 17 Jahren in die Ausbildung. In einer Stadt, in der die Bevölkerung zu großen Teilen blond und blauäugig ist und dieses Erscheinungsbild als ideal gilt, ist sie mit ihren dunklen Haaren eine Außenseiterin. Die geschützte Siedlung, die nach mehreren verheerenden Kriegen vielleicht das letzte Refugium der Menschheit ist, birgt jedoch Gefahren und Geheimnisse.

Im zweiten Teil „Die Melderin“ beschreibt Spitzer Danielles Aufenthalt außerhalb der Siedlung, aus der sie am Ende des ersten Teil fliehen konnte. Danielle findet heraus, dass die Drahtzieher der Ereignisse in der Siedlung hier draußen zu suchen sind. In Spitzers Buch „Zwei Welten“, das im Gegensatz zu der Melderin-Reihe in der Gegenwart spielt, dreht sich alles um die mit magischen Fähigkeiten ausgestattete junge Charlotte Shearer, die in eine magische Gesellschaft eingeführt wird, plötzlich ein von Luxus geprägtes Leben führt, das ihr allerdings ein Opfer abverlangt, das sie nicht zu bringen breit ist. Um der Forderung entgegen zu treten, muss sie ihre Fähigkeiten einsetzen. „Der zweite Band dieser Dilogie wird den Titel „Der Ursprung“ tragen.

„Das Buch ist bereits geschrieben, ich muss es allerdings noch ein wenig überarbeiten“, sagt Spitzer. Der mit reichlich Fantasie und Kreativität ausgestattete Autor möchte sich in Zukunft vielleicht auch an anderen Genres probieren. Eines will der Polizist allerdings nicht: „Ich schreibe keine Krimis. Da reicht mir mein Beruf vollends aus“.