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Hennef: Bürgermeister Mario Dahm schon gegen Corona geimpft - 31 Jahre alt

Bürgermeister aus Wachtberg und Hennef : Geimpfte Bürgermeister sorgen im Netz für Diskussionen

Im Rhein-Sieg-Kreis sind die ersten Bürgermeister gegen das Coronavirus geimpft worden. Neben Wachtbergs Bürgermeister Jörg Schmidt wurde auch der Hennefer Bürgermeister Mario Dahm geimpft. Mit 31 Jahren ist er der jüngste Bürgermeister in der Region.

„Alles ist besser, als übrig gebliebenen Impfstoff wegzuschütten“ – nach dieser Maßgabe des Gesundheitsministeriums werden bei Impfaktionen in den Pflegeheimen der Region überzählige Impfdosen anderweitig verimpft. Getreu der bekannten Prioritätenliste an diejenigen, die schnell erreichbar sind. Dass in den vergangenen Wochen auf diese Weise unter anderen auch zwei Bürgermeister des Rhein-Sieg-Kreises – Mario Dahm aus Hennef und Jörg Schmidt aus Wachtberg – geimpft wurden, hat in den sozialen Medien für aufgeregte Diskussionen gesorgt.

„Der Krisenstab der Gemeinde hat das Angebot erhalten, übriggebliebene Impfdosen aus dem Limbachstift zu nutzen“, sagt Wachtbergs Bürgermeister Jörg Schmidt (CDU) auf Anfrage. Es hätten kurzfristig Leute gefunden werden müssen, darunter seien auch Mitarbeiter des Rathauses gewesen. „Die Alternative wäre gewesen, es wegzuschütten“, so Schmidt. Beim GA hatten sich zwei Leser gemeldet und diesen Vorgang als „seltsam“ eingestuft.

Das NRW-Gesundheitsministerium sieht darin nichts Verwerfliches. Sofern kleinere Mengen an Impfstoff am Ende einer Impfaktion übrig bleiben, sind die mobilen Teams angehalten, diese niedrigschwellig für Personen mit höchster Impfpriorität zu verwenden, entsprechend der in der Coronavirus-Impfverordnung festgelegten Reihe der Anspruchsberechtigten. In Einzelfällen mag der Impfstoff auch bei anderen Personen zur Anwendung gekommen sein, wenn keine weiteren Personen der höchsten Prioritätsstufe verfügbar waren. Dies ist dem Verwurf von Impfdosen grundsätzlich vorzuziehen“, teilte Sprecher Carsten Duif mit.

Über „nicht befugte“ Impflinge lägen dem Ministerium keine belastbaren Informationen vor. Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) ist zwar für die Impfungen zuständig, nicht jedoch für die Entscheidung, was „vor Ort gegebenenfalls mit übriggebliebenem Impfstoff gemacht werden darf“, sagte Sprecher Christopher Schneider. Das entscheide das Gesundheitsministerium. Die Kassenärztliche Vereinigung sprach sich ebenfalls dafür aus, dass alles besser sei, als Impfstoff verfallen zu lassen. Wobei Schneider betonte, dass es eher selten zu einem Überangebot kommen sollte, „durch sehr präzise Bestellungen der Heime in Absprache mit den Impfteams“.

Auf ähnliche Weise wie Schmidt in Wachtberg kam auch Mario Dahm (SPD) in Hennef zu seiner Corona-Impfung. Als es das Angebot gab, übrige Impfdosen aus einem Hennefer Altenheim zu verwenden, „kamen zuerst die Mitarbeiter zum Beispiel des Ordnungsdienstes, danach auch Personen in Leitungsfunktionen“, erläutert Dahm.

Wachtbergs Bürgermeister Jörg Schmidt. Foto: Axel Vogel/AXEL VOGEL

„Wir sind planvoll und bedacht vorgegangen. Ich wäre gerne zurückgestanden, wenn es in der Kürze der Zeit eine Alternative gegeben hätte“, betont der Bürgermeister. Die gab es aber nicht: „Der Impfstoff wäre unbrauchbar geworden und hätte niemandem mehr genützt.“

Die Besonderheit in Hennef: Bei diesem Impfeinsatz blieben insgesamt rund 60 Impfdosen übrig und mussten kurzfristig an andere Personen als die rund 600 Bewohner und Mitarbeiter der Einrichtung verimpft werden. Und dies geschah „streng nach den Vorgaben der Priorisierung“, sagt Dr. Jacqueline Hiepler, Hausärztin in Hennef und Vorsitzende des Vorstands der Kassenärztlichen Vereinigung im Rhein-Sieg-Kreis. Grund für den großen Rest war die kurzfristige Zulassungsänderung der Corona-Vakzine Comirnaty (BNT162b2) von fünf auf sechs Impfdosen pro Ampulle. Nach GA-Informationen soll es sich in Wachtberg genauso verhalten haben.

„Daher hatten wir mehr als zunächst benötigt und werden in Zukunft entsprechend weniger Ampullen zugewiesen bekommen“, sagt sie. Die für die Corona-Schutzimpfungen im Kreis zuständige Medizinerin geht davon aus, dass es nun keine Überkapazitäten mehr geben wird.