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Obstkäppchen: Hennefer Verein engagiert sich für bedürftige Senioren

Obstkäppchen : Hennefer Verein engagiert sich für bedürftige Senioren

Die Vereinsmitglieder verteilen jeden letzten Samstag im Monat kostenlos Tüten gefüllt mit frischem Obst und Gemüse. Mittlerweile gehören 75 Senioren, die von Altersarmut betroffen sind, zu den Kunden der jungen Helfer.

Ein Bund Radieschen, zwei Bananen, zwei Karotten, eine Kiwi, Nüsse, je eine Flasche Saft und Wasser sowie ein Schokoladen-Maikäfer: Mehr als ein Dutzend „Obstkäppchen“ befüllen ihre Tüten mit frischen Lebensmitteln. Jeden letzten Samstag im Monat herrscht geschäftiges Treiben im Pfarrheim der Kirchengemeinde Liebfrauen Hennef-Warth. Dort trifft sich ab 11 Uhr der Verein „Obstkäppchen“, um Tüten mit Obst und Gemüse zu bestücken, die im Anschluss an bedürftige Senioren aus Hennef geliefert werden.

Seit Dezember vergangenen Jahres sind die ehrenamtlichen Helfer in Hennef unterwegs. Mittlerweile versorgen sie rund 75 Senioren, die von Altersarmut betroffen sind, mit ihren „Obstkäppchen“-Tüten. „Wir achten darauf, dass die Austräger möglichst immer zu denselben Menschen fahren. So entstehen freundschaftliche Beziehungen“, sagt Carina Raddatz. Sie hat den Verein im Juni letzen Jahres mit ihren Freunden Chris Kossack und Johannes Radschinski gegründet. Die Idee zur Vereinsgründung kam Raddatz in der Kölner Innenstadt. Dort beobachtete sie eine ältere Dame beim Sammeln von Pfandflaschen. „Eine solche Situation sieht man bedauerlicherweise oft. In dem Moment hat es mich jedoch sehr bestürzt.“ Schnell war klar, dass sie etwas gegen Altersarmut unternehmen möchte.

Mittlerweile ist das Grundteam um vier weitere ehrenamtliche Mitarbeiter gewachsen. Unter anderem ist der Ernährungsberater Matthias Grosse mit an Bord, der den Inhalt der Tüten bestimmt. „Die Lebensmittel in unseren Tüten sind auf eine ausgewogene Ernährung für Senioren abgestimmt“, so Raddatz. Zudem sind rund 39 Austräger, die sogenannten „Obstkäppchen“, für die Auslieferung der Tüten zuständig.

Spender und Mitglieder finanzieren das Konzept

Das Konzept finanziert sich durch monatliche Beiträge von Mitgliedern und durch Spenden von Unternehmen und Organisationen aus der Region. Davon kauft der Verein die frische Ware auf dem Kölner Großmarkt ein. Die Tüten sind jeweils mit Lebensmitteln im Wert von rund fünf Euro gefüllt.

Neben dem Inhalt haben die „Obstkäppchen“-Tüten jedoch auch einen emotionalen Wert. Dem Verein ist ein generationenübergreifender Dialog zwischen den jungen Austrägern und den Senioren wichtig. „Die Senioren freuen sich, dass es Menschen gibt, die an sie denken. Eine ältere Dame war ganz verwundert, dass sie das Obst und Gemüse kostenlos bekommt und hat vor Rührung geweint. Das war meine schönste, aber auch traurigste Begegnung“, erzählt Carina Raddatz. Gegen Ende des Jahres plant der Verein eine Kooperation mit dem Verein „Hennef hilft“, der sich ehrenamtlich für die Integration von Geflüchteten einsetzt, ein Adventscafé mit „Obstkäppchen“-Senioren und Geflüchteten.

In Zukunft möchte der Verein noch mehr ältere Menschen erreichen und auch Bedürftige über die Grenzen Hennefs hinaus mit den Tüten versorgen. Um das Vorhaben zu stemmen, muss auch die Anzahl der Obstkäppchen und der Spender wachsen. „Nur mit Unterstützung durch die Austräger und die spendenden Mitglieder ist ein Wachstum möglich“; sagt Chris Kossack. Zudem planen die drei Gründer, künftig Kooperationen mit regionalen Landwirten einzugehen und von dort einen Großteil der Lebensmittel zu beziehen. „So wird unser Konzept nachhaltiger“, begründet Raddatz.

Das Gründungsteam von Obstkäppchen wird am Wochenende in Kooperation mit dem Weingut Broel aus Bad Honnef mit einem Stand auf dem Hennefer Weinfest vertreten sein. Der Erlös kommt dem Verein zugute. Bedürftige Senioren, die an einer Obstkäppchen-Tüte interessiert sind, können sich an das Hennefer Amt für soziale Angelegenheiten wenden.

Weitere Informationen gibt es auf www.obstkaeppchen.de.