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Seit 100 Tagen theologischer Mitarbeiter: Koreanischer Pastor will Pastor in Hennef werden

Seit 100 Tagen theologischer Mitarbeiter : Koreanischer Pastor will Pastor in Hennef werden

Whan-Su Lee ist seit 100 Tagen theologischer Mitarbeiter der evangelischen Kirchengemeinde Hennef. Er sieht sich als Vermittler zwischen unterschiedlichen Kirchen-Traditionen.

Er beherrscht die deutsche Sprache noch nicht perfekt, aber bereits relativ gut, ist ordinierter Pastor, Vater von drei Kindern, die alle in Deutschland geboren wurden, und lebt mit seiner Frau und dem Nachwuchs bereits seit acht Jahren in Troisdorf. Whan-Su Lee sagt, dass es göttliche Fügung gewesen sei, dass er als ein aus Korea stammender Pastor eine Zukunft in der evangelischen Kirchengemeinde ins Auge gefasst habe.

Seit 100 Tagen ist er nun als theologischer Mitarbeiter für die evangelische Kirchengemeinde Hennef tätig. „Als ich die Zusage für Hennef bekam, hoffte ich darauf, in einer angenehmen Atmosphäre mit freundlichen Menschen viel über das Gemeindeleben zu lernen und dass ich meine Talente einbringen kann. Diese Erwartungen wurden bisher nicht enttäuscht“, sagte Lee.

Allerdings hat die Corona-Krise nicht nur dafür gesorgt, dass sein Einstieg in das Hennefer Gemeindeleben zunächst gar nicht so richtig wahrgenommen wurde. Auch sein Deutschkursus, den er zur Verfeinerung seiner Sprachkenntnisse belegt hatte, findet aufgrund der Beschränkungen derzeit nicht statt.

Gemeindemitglied Lydia Jüschke erklärte sich kurzerhand bereit, einzuspringen und Lee zu helfen. „Ich erhalte von ihr Einzelunterricht per Videokonferenz“, berichtete Lee, der bereits half, einige Open-Air-Gottesdienste der Gemeinde zu gestalten und auch die Hennefer Tafel bei der Lebensmittelausgabe unterstützt. „Die Tafel geht bei uns in der Kirche ihrer wichtigen Aufgabe nach, weil in ihren eigenen Räumlichkeiten die Corona-Regeln nicht umzusetzen waren“, sagte Pfarrer Stefan Heinemann, der von Lees Engagement begeistert ist.

Langer Weg bis zur Pfarrstelle

„Eigentlich ist Whan-Su Lee ja bereits Pastor. Da er aber seine Ausbildung in seiner koreanischen Heimat erhalten hat, muss er hier vieles erneut absolvieren, um später für die Landeskirche tätig sein zu können“, sagt Heinemann. So muss Lee nach seiner einjährigen Tätigkeit in Hennef, die er als „Hereinschnuppern“ bezeichnet, erneut ein Vikariat über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren absolvieren und zusätzlich noch zwei Jahre in einer Gemeinde der Landeskirche probeweise tätig sein, bevor er sich auf eine Pfarrstelle bewerben kann.

Lee, der 1973 in Seoul geboren wurde und 30 Kilometer nördlich der südkoreanischen Hauptstadt aufwuchs, ist aber ein geduldiger Mensch. „Ich habe ein Jahr auf die Zusage für die Hennefer Stelle gewartet. Ich werde diesen Weg jetzt weitergehen“, sagte Lee, der nach Abitur und Militärdienst evangelische Theologie an der Chongshin-Universität in Seoul studierte. Sein anschließendes Vikariat absolvierte er in der Evangelisch-presbyterianischen Kirchengemeinde Eun-Pyung in Seoul und wurde dort schließlich ordiniert.

2005 war er dann gemeinsam mit seiner Frau, die er während seines Studiums kennengelernt hatte, nach Deutschland gekommen, um seine Theologiestudien in Berlin und Wuppertal fortzusetzen. „Zudem arbeitete ich in verschiedenen Migrationskirchen, davon fünf Jahre lang mit Jugendlichen der sogenannten zweiten Generation in der koreanischen Missionskirchengemeinde in Berlin und später fünf Jahre in der koreanischen Kirchengemeinde in Bonn“, sagte Lee. Seit Oktober 2019 predigt er fast jeden Sonntag in der „Koreanischen Kirchengemeinde des Herrn“ in Bonn.

All diese Tätigkeiten und die vielfältigen Erfahrungen, die er in den verschiedenen Kirchengemeinden gesammelt hat, bestärkten in ihm den Wunsch, Pastor in der Evangelischen Kirche Deutschlands zu werden. „Während meiner Zeit in Hennef möchte ich die Unterschiede zwischen der deutschen und der koreanischen evangelischen Kirche besser verstehen lernen“, sagte Whan-Su Lee.

Einen Wunsch hat er zudem: „Ich fände es gut, wenn die koreanische Kirchengemeinde Bonn, die sich in vier Gemeinden aufgeteilt hat, wieder eine einzige Gemeinde wäre“, sagte Lee.