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Personalmangel bei Hennefer Tafel: Lebensmittelausgabe nur einmal wöchentlich

Personalmangel bei Hennefer Tafel : Lebensmittelausgabe nur einmal wöchentlich

Es ist eine anspruchsvolle und bisweilen auch anstrengende Tätigkeit, die von den Mitarbeitern der Hennefer Tafel an der Beethovenstraße geleistet wird. Aus Altersgründen haben jetzt mehrere Ehrenamtler angekündigt, diesen Dienst künftig nicht mehr erfüllen zu können.

Die Arbeiterwohlfahrt (Awo), die neben der Hennefer Tafel auch für die Koordination der Tafeln in Much, Bad Honnef und Königswinter zuständig ist, sucht nun händeringend nach neuen ehrenamtlichen Kräften.

"Wir kommen momentan gerade zurecht, haben aber keine Reserven mehr. Es darf also keiner krank werden oder längerfristig ausfallen", sagt Bernd Reetz, Leiter der Hennefer Tafel. Früh morgens sind an den Ausgabetagen dienstags und freitags bereits Ehrenamtler unterwegs, um per Lieferwagen bei den Bäckereien und Supermärkten die Lebensmittel, die für die Tafel bestimmt sind, abzuholen. Zu diesem Team gehört auch immer wieder Tafel-Leiter Bernd Reetz selbst. "Einer der Fahrer hat leider auch aufgehört, so dass ich wieder verstärkt die Morgentouren übernehme", sagt Reetz.

Ein weiteres Team kümmert sich vormittags um die angelieferten Lebensmittel. Sie sortieren angefaultes Obst oder Gemüse aus. Gegen 14.30 Uhr öffnet die Tafel dann ihre Tore, damit die Bedürftigen die Lebensmittel abholen können. Zwar ist die Lebensmittelausgabe offiziell um 16 Uhr beendet, die Türen werden aber erst zugemacht, wenn alle Lebensmittel verteilt sind.

"Wir arbeiten in mehreren Schichten. Damit alles funktioniert, benötigen wir etwa 30 Ehrenamtler", sagt Peter Sieler von der Awo. Jetzt habe sie 26. Er hat Stadt und Politik bereits über die angespannte Personalsituation informiert und darauf hingewiesen, dass neue Ehrenamtler benötigt würden. Die sollten gerne auch etwas jünger sind, da die Arbeit auch anstrengend sei. "Es wäre schön, wenn sich Menschen ab 50 Jahre melden würden", sagt Sieler.

Nicht alle Kunden können sicher versorgt werden

Mit Catharina Rose-Horn konnte bereits vor vier Wochen eine 25-jährige Helferin für die Lebensmittelausgabe gewonnen werden. "Ich stamme aus Hamburg und habe bereits dort für Tafeln gearbeitet", sagt die junge Frau. Derart junge Ehrenamtler sind laut Reetz leider die Ausnahme, weil die meisten Bewerber aus beruflichen Gründen kaum Zeit haben, um zwei Mal pro Woche für die Tafel tätig zu sein.

116 Haushalte unterstützt die Tafel derzeit mit Lebensmitteln. Pro Haushalt rechnet die Tafel im Schnitt mit zweieinhalb Personen. Künftig können die Bedürftigen allerdings nicht an beiden Tagen, sondern nur noch ein Mal pro Woche Lebensmittel abholen. "Die Warenmengen stagnieren, die Kundenzahl ist allerdings um 25-30 Haushalte angestiegen", sagt Sieler. Somit sei nicht mehr gewährleistet, dass alle Kunden an beiden Tagen komplett versorgt werden können. Die Hennefer Tafel sei zudem die einzige in der Region, bei der an beiden Tagen alle Kunden zur Ausgabe kommen können.

Laut Sieler wird die neue Regelung für die Kunden wohl nicht zu nennenswerten Verschlechterungen führen, und die Arbeitsabläufe für die Ehrenamtler werden stressfreier. Der Anstieg der bedürftigen Haushalte sei zum Teil auch auf die in Hennef lebenden Flüchtlinge zurückzuführen. Einem Flüchtling vielleicht eine ehrenamtliche Aufgabe im Tafel-Team zu übertragen, hält Sieler grundsätzlich für eine gute Idee, die allerdings schwierig umzusetzen sei.

"Die Menschen sollten nur auf einer Seite der Theke stehen, um möglichen Diskussionen vorzubeugen", sagte Sieler. "Manche unserer Kunden könnten vermuten, dass ein Ehrenamtler, der selbst auf die Tafel angewiesen ist, sich vielleicht Vorteile verschaffen könnte, auch wenn das gar nicht der Fall ist", sagte Sieler.

Wer für die Hennefer Tafel ehrenamtlich tätig werden möchte, kann sich an Peter Sieler unter Tel. 0 22 41/1 45 39 52 sowie per E-Mail an peter.sieler@awo-bnsu.de und an die Hennefer Tafel unter Tel. 0 22 42 9 33 36 13 sowie unter info@hennefer-tafel.de wenden.