Urteil am Landgericht Bonn Mann aus Hennef muss nach Attacke auf Nachbarin in psychiatrische Klinik

Hennef/Bonn · Ein 41-jähriger Mann hat in Hennef seine Nachbarin gewürgt. Nun stand er vor dem Landgericht Bonn. Das Gericht ordnete die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik an.

 Das Bonner Landgericht hat für einen Mann aus Hennef die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik angeordnet. Der Angeklagte sei nicht berechenbar, hieß es vor Gericht.

Das Bonner Landgericht hat für einen Mann aus Hennef die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik angeordnet. Der Angeklagte sei nicht berechenbar, hieß es vor Gericht.

Foto: dpa/Arne Dedert

Der Mann, der zwei Jahre die Bewohner eines Mehrfamilienhauses in Hennef tyrannisiert hatte, kommt nicht mehr nach Hause. Die 3. Große Strafkammer des Bonner Landgerichts hat für den 41-Jährigen jetzt die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik angeordnet. Der Angeklagte, der an einer paranoiden Psychose leidet, sei nicht berechenbar, hieß es in der Begründung des Kammervorsitzenden Jörg Reismann. Der Angeklagte hatte eine 38-jährige Mutter, die mit ihrem elfjährigen Sohn seit Jahren Wand an Wand lebt, am Abend des 20. September 2020 fast zu Tode gewürgt. Und das nur, weil die Nachbarin bei ihm geklingelt hatte und ihn bitten wollte, die Musik leiser zu stellen – ihr Sohn könne nicht schlafen.

Bis zum Schluss des Bonner Prozesses hatte die 38-jährige Nebenklägerin, die den Prozess mit bangem Herzen verfolgt hatte, „Panik gehabt, dass er nicht weggesperrt“ wird. Es gab nicht nur den Vorfall mit der Musik, sondern auch täglich Hasstiraden mit Naziparolen oder bedrohlichen Schlägen gegen Zimmerwände und Möbel, hieß es vor Gericht. Den „akustischen Sound des Hauses“ hatte die 38-Jährige mit ihrem Handy aus dem Schlafzimmer ihres Sohnes mitgeschnitten und im Prozess vorgespielt.

Nebenklagevertreterin nennt Angeklagten „tickende Zeitbombe“

Angegriffen hatte der 41-Jährige auch im Treppenhaus. In einem Fall hatte er einen Nachbarn geschubst. Dem Hausmeister hatte er mit dem Schlüsselbund auf den Kopf geschlagen. Keiner im Haus traute sich mehr, in den Waschkeller zu gehen. Fahrräder nahm jeder mit in seine Wohnung, um Begegnungen mit dem „furchteinflößenden Typen“ zu vermeiden.

Der Staatsanwalt, der wegen Schuldunfähigkeit auf Freispruch plädiert hat, hat für den 41-Jährigen keine Unterbringung gefordert. „Das sei unverhältnismäßig“, sagte er. In dem letzten Jahr sei ja nicht mehr viel passiert, argumentierte er. Die Kammer sah das anders: „Dass nichts passiert ist, ist reiner Zufall“, so Reismann, „einer, der in Alltagssituationen derart ausrastet, stellt eine extreme Gefahr dar.“ Schließlich weigere der Mann sich, Medikamente zu nehmen. Fachleute in der Bonner Landesklinik, wo er seit Februar 2022 vorläufig untergebracht war, seien gänzlich an ihm gescheitert.

Er sei absolut unzugänglich. „Eine tickende Zeitbombe“ nannte ihn die Nebenklagevertreterin Dagmar Schorn im Plädoyer. Ihre 38-jährige Mandantin sei bis heute schwer traumatisiert, der Angriff auf ihr Leben sei „wie aus dem Nichts“ gekommen, hatte sie als Zeugin erzählt. „Mindestens 30 Sekunden hatte er mir den Hals zugehalten. Ich habe keine Luft mehr bekommen und wurde ohnmächtig.“ Für die Mutter steht außer Frage, dass er in diesem Moment versucht hatte, sie umzubringen.

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