1. Region
  2. Sieg & Rhein
  3. Hennef

Hoffnungsschimmer in Trümmern: Michaela Lambertz schreibt über die Flucht ihrer Großmutter

Hoffnungsschimmer in Trümmern : Michaela Lambertz schreibt über die Flucht ihrer Großmutter

Die Henneferin Michaela Lambertz schreibt in ihrem Roman über die Flucht ihrer Großmutter im Zweiten Weltkrieg. Für die Recherche besuchte sie auch den Bauernhof in Meckenheim, wo die Familie damals untergekommen war.

Es ist eine Geschichte, wie sie viele selbst erlebt haben: Während des Zweiten Weltkriegs flüchtet Grete gemeinsam mit ihrer Tochter Ilse aus Polen ins Rheinland. Ihr Verlobter Ludwig kommt aus dem Krieg nicht mehr zurück. Ihren Vater lernt Ilse nicht kennen. Wie ihre Großmutter und ihre Mutter die schwere Zeit der Flucht erlebt haben, erzählt Autorin Pia Wunder in ihrem Buch „Hoffnungsschimmer in Trümmern“. Hinter dem Pseudonym Pia Wunder steckt die Henneferin Michaela Lambertz.

„Als ich Mitte 20 war, habe ich meine Großmutter gefragt, wieso sie nicht verheiratet war, als meine Mutter geboren wurde“, erzählt Michaela Lambertz. Damals belasteten sie gewisse Teile der Geschichte so sehr, dass sie erst einmal nicht weiter nachfragte. Vor allem, als ihre Großmutter ihr erzählte, wie sie die Besetzung der Russen erlebte. „Das war unerträglich für mich“, erinnert sich die Autorin. „Im vorletzten Jahr wäre meine Großmutter hundert Jahre alt geworden. Da kam das Thema noch mal hoch“.

Besuch beim alten Bauernhof

Mit der Hilfe ihrer Mutter habe die 53-Jährige damals die Geschichte von der Flucht ihrer Großmutter festhalten wollen. Und das erst einmal nur für die Familie. Gemeinsam mit ihrer 77-jährigen Mutter, die die Zeit der Flucht als Kind miterlebte, habe sie sich zusammengesetzt und alles aufgeschrieben, woran ihre Mutter sich noch erinnert. Für die Recherchen besuchten sie sogar den Bauernhof in Meckenheim, wo die Familie damals untergekommen war.

Ihre Mutter habe sie schließlich dazu ermutigt, das Buch zu veröffentlichen. „Mein Bruder sagte noch: Wer interessiert sich denn für die alten Geschichten“, erzählt Lambertz. Doch von der Resonanz seit der Veröffentlichung im November sei sie überwältigt. Quer durch die Generationen habe sie positive Rückmeldungen bekommen.

Der Schlüssel ist der Zusammenhalt

Michaela Lambertz ist in Hennef aufgewachsen, hat zwei Söhne und arbeitet in der Verwaltung einer Seniorenresidenz. Mit vielen der Bewohner, die die Flucht während des Krieges ähnlich erlebt haben, habe sie über das Buch gesprochen. „Viele haben so harte Geschichten hinter sich und sind trotzdem so lebensfrohe Menschen geworden“, sagt Lambertz. Bei ihrer Geschichte sei der Schlüssel der Zusammenhalt in der Familie gewesen.

Lambertz selbst sieht die Geschichte ihrer eigenen Familie jetzt mit anderen Augen: „Das Gefühl beim Schreiben war so intensiv. Das hat mich sehr bereichert“, berichtet sie. Dass ihre Großmutter die Veröffentlichung nicht mehr miterleben kann, bedauert sie sehr: „Ich hätte ihr gerne noch mehr Fragen gestellt“.