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„Jugend weit draußen“: Mobiles Spielangebot fährt Hennefer Dörfer an

„Jugend weit draußen“ : Mobiles Spielangebot fährt Hennefer Dörfer an

Die Stadt Hennef bringt seit einem Jahr mit dem Projekt „JWD“ Spielangebote in ihre entlegenen Weiler. Einen Teil der Kosten von 120.000 Euro trägt das Land.

30 Minuten Fußweg musste Christian Schmeisser als Jugendlicher in Kauf nehmen, um den Bus zu erreichen. „Spiel- und Freizeitangebote gab es damals dort nicht“, sagte der heute 37-jährige Heilerziehungspfleger, der seine Jugend im Bergischen Land verbrachte, bevor er nach Köln zog. Die bringt er nun gemeinsam mit Heilerziehungspflegerin Jana Heiser (25), die aus Söven stammt, in die Hennefer Dörfer. Seit dem vergangenen Jahr ist er dafür im Auftrag des Jugendamtes mit einem Bus unterwegs. „Sowohl die Kinder als auch die Eltern sind sehr dankbar dafür, dass es uns gibt“, sagen Schmeisser und Heiser.

„Jottwede“ – womit die Berliner „ganz weit draußen“ meinen – haben die Verantwortlichen ihr Hennefer Projekt genannt. Die Kurzform „JWD“ bedeutet in Hennef allerdings „Jugend weit draußen“. Sie steht für eine spezielle Form der aufsuchenden Jugendarbeit, mit der das Jugendamt seit dem vergangenen Sommer auch die Kinder und Jugendlichen in den zahlreichen Dörfern erreichen will.

Rollendes Spieleparadies

Mit einer 65-prozentigen Förderung durch das Landesprogramm „Vital NRW“ konnten die befristeten Stellen für Schmeisser und Heiser mit jeweils 19,5 Wochenstunden geschaffen und ein spezieller Bus gekauft werden. Dessen Innenausstattung ist sehenswert: Der JWD-Bus ist eine Art rollendes Spieleparadies. In den Schubladen und Regalsystemen, die eher an ein Handwerkerfahrzeug erinnern, verbergen sich jede Menge Spielmaterialien, Skateboards, Basketbälle, aber auch Brettspiele.

„Das Projekt kostet insgesamt 120.000 Euro. Davon werden etwa 78.000 Euro über das Förderprogramm gedeckt, 42.000 Euro übernimmt die Stadt“, sagt Anna Seidel vom Hennefer Jugendamt. Die Förderung endet am 31. Januar 2021. „Das Programm soll allerdings fortgeführt werden. Deshalb ist es das langfristige Ziel der Stadt, die Kosten für das Personal zu übernehmen“, sagt der zuständige Beigeordnete Martin Herkt.

„JWD“ ist laut Herkt ein wichtiger Teil der städtischen Jugendarbeit. „Wir haben natürlich zahlreiche Spiel- und Bolzplätze sowie das Kinder- und Jugendhaus und den Jugendpark in Hennef“, so Herkt. Es gebe aber Dörfer, in denen das Angebot für Kinder und Jugendliche eher gering sei. „Dem wollen wir mit diesem Projekt Rechnung tragen. Nach der Sommerpause werden wir thematisieren, wie die Stadt JWD weiter finanzieren kann“, verspricht Herkt.

Vereine machen mit

Auch die Heimatvereine werden bei JWD eingebunden. „Wir versuchen in jedem Dorf, ehrenamtliche Unterstützung aus den Vereinen zu gewinnen“, sagt Anna Seidel. Ziel sei es, die Dörfer zu stärken und dafür zu sorgen, dass sich bereits die Kleinen mit ihrer dörflichen Heimat identifizieren. Dazu fahren Christian Schmeisser, Jana Heiser und der JWD-Bus montags bis freitags mittlerweile regelmäßig 15 Dörfer an. Zwischen 16 und 18 Uhr wollen sie dort den Kindern die Freizeit verschönern. Ihr Angebot findet nicht nur unter freiem Himmel statt. In Bödingen nutzen sie auch das Marienheim und in Westerhausen die alte Schule für ihre Spielenachmittage.

Dabei sorgen sie auch für musikalische Frühererziehung. Denn Schmeisser, der derzeit Sozialarbeit studiert, spielt Gitarre. Beim jüngsten JWD-Halt in Uckerath brachte er einem Jungen die ersten Griffe bei. Aufgrund der Corona-Beschränkungen können derzeit nur jeweils zehn Kinder an den Nachmittagen teilnehmen. Für die Ferien hat das Team ein kostenloses JWD-Ferienprogramm konzipiert. Noch bis Freitag, 10. Juli, ziehen Schmeisser und Heiser in kleinen Gruppen los und lassen die Kinder Fotos von ihren jeweiligen Dörfern schießen. „Die schönsten Bilder erhalten Preise, werden ausgestellt und sogar auf Postkarten gedruckt“, sagt Jana Heiser.

„Vielfalt ist cool“ lautet der Titel des zweiten Ferienprojektes, bei dem ein Ort der Begegnung für Kinder und Jugendliche geschaffen werden soll. Ziel ist es, ein Verständnis für Menschen aus anderen Ländern, aber auch für Menschen mit Behinderung zu schaffen. „Wir wollen Brücken bauen und zu einer lebendigen und bunten Gemeinschaft auf den Dörfern beitragen“, sagt Schmeisser. Jeweils von 10 bis 15 Uhr gastiert JWD mit diesem Projekt am 13. und 14. Juli im Bürgerhaus Dambroich sowie am 15. und 16. Juli im Pfarrheim Rott.

Weitere Infos gibt es unter www.hennef.de/jwd.