40 Jahre Naturschutzwacht im Rhein-Sieg-Kreis Natur- und Menschenkenntnis sind gefragt

Hennef · Seit 40 Jahren engagieren sich Freiwillige ehrenamtlich als Naturschutzwarte im gesamten Rhein-Sieg-Kreis. Heute sind rund 50 von ihnen im Einsatz.

 Die Naturschutzwarte mit  Tim Hahlen (5. v. r.) bei der kleinen Feier mit Erfahrungsaustausch.

Die Naturschutzwarte mit Tim Hahlen (5. v. r.) bei der kleinen Feier mit Erfahrungsaustausch.

Foto: Paul Kieras

Fast genau 40 Jahre ist es her, dass fünf Freiwillige am 1. Oktober 1982 ihren Dienst als Naturschutzwarte für die Untere Naturschutzbehörde im Naturschutzgebiet Rodderberg sowie in der Siegmündung in Troisdorf und Niederkassel aufnahmen. Ihre Zahl wuchs schnell, sodass sich die Naturschutzwacht zwischenzeitlich zur größten ehrenamtlichen Naturschutzwacht in ganz NRW entwickelte. Seitdem haben sich über die Jahre 149 Personen für die Wacht eingesetzt, heute sind rund 50 im Einsatz. Im Rahmen einer kleinen Feier auf dem „Bolzplatz“ in Hennef-Greuelsiefen dankte der Umweltdezernent des Rhein-Sieg-Kreises, Tim Hahlen, den ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern für ihr Engagement beim Naturschutz: „Ohne Sie würden wir das nicht hinbekommen“.

Zu den Aufgaben der Naturschutzbeauftragten gehört unter anderem die Beratung von Bürgern, die etwas für den Natur- und Landschaftsschutz tun wollen. Außerdem klären sie über Naturschutz- und Landschaftspflegemaßnahmen auf, die von der Unteren Naturschutzbehörde in ihrem Einsatzgebiet vorgenommen werden, informieren die Behörde über Natur- und Umweltschäden oder illegale Abfallablagerungen und machen Bürger auf mögliches Fehlverhalten in der Natur aufmerksam. Meist geht es um nicht angeleinte Hunde, Rauchen im Wald und das Mountainbiking abseits ausgewiesener Wege. „Da gibt es auch Konflikte“, räumte der Umweltdezernent ein. Vor allem im Hinblick auf die steigende Zahl derer, die in der Natur „Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten“ suchten.

Nicht angeleinte Hunde, Rauchen und Mointainbiking abseits der Wege

„Sie brauchen Fingerspitzengefühl, Menschenkenntnis und Mut“, wandte Hahlen sich an die Naturschützer. Dennoch sollten die Helfer „nicht als Hilfssheriffs“ unterwegs sein, sondern den Menschen ein eventuelles Fehlverhalten begreiflich machen. Jacob Sieger, dessen „Revier“ seit 18 Jahren das Siebengebirge ist, kennt sich aus mit solchen Situationen, hat aber auch festgestellt, dass es vermehrt zu aggressivem Verhalten bei Angesprochenen kommt. „Da ist Menschenkenntnis gefragt“ berichtet der 68-Jährige und erinnert sich an einen sehr ernsten Vorfall, als ihn nämlich jemand mit einer Pistole bedroht habe.

Aber das sei eine einmalige Sache gewesen, er freut sich „über die Momente, wo man helfen kann.“ Etwa, wenn Wanderer vergessen hätten, wo ihr Fahrzeug steht und er schnell helfen könne, weil er sich bestens in seinem Gebiet auskenne. Helga Scheffels ist seit 17 Jahren an der Oberen Sieg in Windeck unterwegs. Auch die 81-Jährige weiß nach eigenen Worten, „wie man mit Leuten umgeht.“ Sie beobachtet auch, „dass ältere Leute Respekt haben“, jüngere eher flapsig reagierten.

Neue Naturschutzwarte sind gern gesehen

In Gefahr begebe sie sich aber nicht und sie gehe auch nicht bei Dunkelheit durch den Wald, betont sie. Neue Naturschutzwarte sind selbstverständlich gerne gesehen. Voraussetzung für Bewerber sind ein polizeiliches Führungszeugnis, das Wissen über die Geschichte des Einsatzgebietes und die Natur, der Wille, den Natur- und Umweltschutzgedanken weiterzuvermitteln sowie die Bereitschaft, sechs bis zehn Stunden pro Woche zu investieren.