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Schafe gerissen - Schäfer aus Hennef fordert Abschuss von Wolf

Neue Schafsrisse im Rhein-Sieg-Kreis : Schäfer aus Hennef will einzelne Wölfe abschießen

Bereits am vergangenen Wochenende wurden erneut zwei Schafe im Rhein-Sieg-Kreis gerissen. Das Ergebnis der DNA-Analyse steht zwar noch aus, aber Schäfer Simon Darscheid ist sich trotzdem sicher, dass es ein Wolf war. Er fordert nun eine drastische Maßnahme.

In der Nacht von Freitag zu Samstag wurden erneut zwei Schafe im Rhein-Sieg-Kreis gerissen, dieses Mal waren es Tiere eines Hobbyzüchters in Hennef-Westerhausen. „Das waren zwei schwere Texelschafe, 120 Kilogramm das Stück“, sagt Simon Darscheid, Bezirksvorsitzender des Schafzuchtverbandes Nordrhein-Westfalen. Vom sogenannten Rissbild – das sind die sichtbaren Verletzungen am getöteten Tier – schließt Darscheid auf den Wolf. Zusätzlich habe eine aufgestellte Wildkamera 800 Meter von der betroffenen Herde in der Nacht eine Aufnahme von zwei Wölfen gemacht. Jetzt warten Darscheid und der Besitzer der Schafe auf das Ergebnis der DNA-Analyse. Sie soll die Tiere genau bestimmen.

Zum ersten Mal spricht sich Darscheid für eine drastische Maßnahme zum Schutz der Schafe aus. Auffällige Wölfe sollen seiner Ansicht nach nun abgeschossen werden, fordert er wie schon vor einiger Zeit Achim Hallerbach, der Landrat des Landeskreises Neuwied. „Aber nur einzelne Tiere – und nur ganz gezielt“, betont Darscheid.

 Eine Wildkamera hat zwei Wölfe eingefangen.
Eine Wildkamera hat zwei Wölfe eingefangen. Foto: Simon Darscheid

Bei dem Vorfall am Wochenende stelle sich die Frage, ob die Schafe von Wölfen des Leuscheider Rudels gerissen wurden, oder ob ein neues Rudel oder Pärchen in der Region aktiv sei. Darscheid äußert den Verdacht, der Wolfsrüde mit der Kennung GW1896M habe die Schafe gerissen. Der Rüde stieß im im März 2021 zum Leuscheider Rudel in der Nähe von Eitorf. Er sorge seitdem regelmäßig für Probleme, so der Schäfer. In zwei bestätigten Fällen in Rheinland-Pfalz überwand dieser Wolf auch bereits den Grundschutz der Herden und riss Schafe.

Er beklagt, dass die Auswertung der DNA-Analysen in Nordrhein-Westfalen so lange dauern. „Es kann nicht sein, dass die Analyse in Rheinland-Pfalz zwölf bis 13 Tage dauert und in NRW sechs Wochen“, so Darscheid. Vor den Analyseergebnissen könne man keine fundierten Aussagen geben, das sei problematisch.

Gezieltes Schießen von Wölfen soll Schafe schützen

Man könne jetzt auch nicht schnell alles „wolfssicher“ machen, erläutert Darscheid. Bisher hätten die Schäfer in dieser Gegend noch keine Probleme mit Wölfen gehabt. Das bekannte Revier in Leuscheid sei fünf Kilometer entfernt von Westerhausen entfernt. Das verließen die Wölfe normalerweise nicht. Selbst wenn die nun gefährdeten Schafbesitzer sofort Anträge für Elektrozäune stellen würden, wäre die Auszahlung von Geldern aufgrund des geschlossenen Haushalts vor April unrealistisch. Zusätzlich gebe es bei den Herstellern der Zäune Lieferschwierigkeiten: „Ganz Deutschland macht sich gerade wolfssicher“, erklärt Simon Darscheid.

Seiner Erfahrung nach geben viele Schafhalter auf, wenn der Wolf bei ihnen zuschlägt – rund die Hälfte von ihnen, schätzt er.  Davor warnt er ausdrücklich. „Die Schafzucht hat die Kulturlandschaft in der Region geprägt, wir verlieren das hier gerade“, äußert er sich besorgt. Das gezielte Schießen auffälliger Wölfe könne die Schafe schützen, so Darscheid. Der Großteil der Wölfe bereite keine Probleme: „Das sind nur einzelne Tiere“, sagt er. Problematisch werde es, wenn das aggressive Verhalten an weitere Wölfe weitergegeben wird. Dann würde sich die Anzahl der Vorfälle mit Wölfen deutlich erhöhen.

Als Sofortreaktion auf den neuen Wolfsriss hat Simon Darscheid bereits zusätzliche Zäune organisiert, um besonders gefährdete Herden zu schützen. Seine eigenen Schafe stehen nun mit zwei Herdenschutzhunden dort, wo der Wolf die beiden Texelschafe gerissen hat. „Der Wolf soll schlechte Erfahrungen machen und hungrig weiterziehen“, begründet er das. „Wir lassen uns vom Wolf nicht vom Weideland vertreiben.“

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