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Therapeutischer Nutzen: Seniorenheim in Bödingen bekommt vier Zwergkaninchen

Therapeutischer Nutzen : Seniorenheim in Bödingen bekommt vier Zwergkaninchen

Vier Zwergkaninchen sind die neuen Mitbewohner des Seniorenheims Sankt Augustinus Bödingen. Außerdem gibt es einen Therapiehund, Wellensittiche und Fische. Die Leiterin des Sozialen Dienstes erzählt, warum das für die Bewohner eine echte Bereicherung ist.

Lange Ohren, dazu große, blaue Augen und ein kuscheliges Fell, das zum Streicheln animiert – vier Zwergkaninchen sind die neuen Stars des Seniorenheims Sankt Augustinus in Bödingen. Neben Therapiehündin Kira, die regelmäßig zu Besuch kommt, Wellensittich Bubi und den Fischen in einem Aquarium sind es vor allem die Kaninchen, an denen sich die 41 Bewohner seit ein paar Wochen erfreuen.

Damit die Langohren sich wohl fühlen, hatten Sabine Richartz, Leiterin des Sozialen Dienstes des Seniorenheims, sowie etliche Betreuer und der Hausmeister mit angepackt und ein malerisches, mit einem kleinen Teich versehenes Freigehege vor dem Seniorenheim geschaffen. „Die Kaninchenstallungen haben wir geschenkt bekommen und auch die Einzäunung und die Pfosten sind Spenden“, sagt Richartz. Die flauschigen Tiere, die auf die Namen Esmeralda, Zoe, Maja und Daisy getauft wurden, erfreuen sich natürlich reger Beliebtheit.

„Es ist schön, sie im Arm zu haben“, sagt Bewohnerin Anna-Maria Kriechel, die sich sichtlich freut, als sie Zwergkaninchen Maja streichelt. „Damit es auch unseren Tieren gut geht, werden diese von den Mitarbeitern des Sozialen Dienstes umsorgt und liebevoll gepflegt“, sagt Sabine Richartz. Außer den Zwergkaninchen ist besonders Mischlingshündin Kira beliebt: „Das ist wirklich eine tolle Sache, dass wir hier jetzt Tiere haben. Auf Kira freuen wir uns immer“, sagen die Bewohner Klaus Simons und Charlotte Ehlers, die früher selbst Hunde hatten.

Die achtjährige Kira gehört Irmgard Pelz vom Sozialen Dienst des Seniorenheims: „Ich bin mit Tieren aufgewachsen und bringe Kira regelmäßig zur Arbeit mit.“ Gemeinsam mit Richartz entwickelte sie die Idee, den Bewohnern mit dem Kontakt zu Tieren eine Freude zu bereiten. „In der Arbeit mit unseren Bewohnern steht deren Wohlbefinden natürlich an erster Stelle“, sagt Richartz und beschreibt den therapeutischen Ansatz: „Tiere tragen wesentlich zum Wohlbefinden des Menschen bei. Ein Tier kann Zuwendung geben, es ermöglicht den wichtigen Körperkontakt, es akzeptiert den Menschen ohne Wenn und Aber und stabilisiert so das Selbstwertgefühl unserer Bewohner. Außerdem vermitteln Tiere Freude im Alltag, und sie verringern das Empfinden von Stress und Alltagsbelastungen“, fügt die diplomierte Pädagogin hinzu.

Hilfe bei Demenzkranken

Besonders bei Bewohnern, die an Demenz erkrankt sind, zeigt der Kontakt mit Tieren ungeahnte Erfolge. „Diese Menschen können sich an vieles nicht mehr erinnern aber dass unsere Therapiehündin Kira heißt, wissen sie. Auch wenn uns manchmal der Zugang zu dementen Menschen verschlossen bleibt, können Tiere sogenannte Türöffner zur Welt des Dementen werden und die Kommunikation ermöglichen. Selbst eine Wachkomapatientin reagiert auf Kira“, sagt Richartz und freut sich.

Und auch Wellensittich „Bubi“ sorgt für ein wenig Geräuschkulisse in dem sonst doch sehr ruhigen Seniorenheim. Wer eher diese ruhige Atmosphäre bevorzugt, den zieht es zumeist vor das Aquarium, das im ersten Stock steht. „Jeder Bewohner hat bei uns die Möglichkeit, Kontakt zu verschiedenen Tierarten aufzubauen, sich zu kümmern oder einfach nur die Tiere mit liebevoller Aufmerksamkeit zu beschenken“, sagt Richartz. Das war nicht immer so. „Wir haben lange darauf gewartet, dass wir endlich auch ein paar Tiere bei uns haben können“, sagt die 87-jährige Ingrid Echtermeier, seit 13 Jahren Bewohnerin des Seniorenheims.

Möglich wurde es erst durch die neue Heimleitung, die den Vorschlägen von Sabine Richartz offen gegenüber stand. Das Seniorenheim Sankt Augustinus Bödingen, dass 1969 eingeweiht wurde, liegt etwas abgelegen. Besonders während der ersten Phase der Corona-Krise, als die Bewohner auf sämtliche Kontakte verzichten mussten, waren die Tiere daher eine willkommene Abwechslung. „Das Wohlbefinden der Tiere ist uns natürlich auch sehr wichtig. Darum erhalten sie auch regelmäßige Ruhepausen“, sagt Richartz und freut sich jetzt schon auf die nächsten tierischen Mitbewohner. „Wir bekommen noch zwei Enten“, verrät sie.