Sanierung der Geistinger Synagoge Eine neue Chanukkia für Hennef als Zeichen der Solidarität

Hennef · Nur noch die Grundmauern erinnern an die 1938 zerstörte Geistinger Synagoge. Die hat die Stadt Hennef in den vergangenen Monaten sanieren lassen. Zum Abschluss der Arbeiten gab es eine Enthüllung unter verstärkten Sicherheitsvorkehrungen.

Abraham Lehrer (v.r.), Roman Kovar, Marie Louise Jung und Bürgermeister Mario Dahm an der neuen Channukia an der Geistinger Synagoge.

Abraham Lehrer (v.r.), Roman Kovar, Marie Louise Jung und Bürgermeister Mario Dahm an der neuen Channukia an der Geistinger Synagoge.

Foto: Stadt Hennef

Einen Tag nach der Reichspogromnacht hatten die Nationalsozialisten am 10. November 1938 die Geistinger Synagoge in Brand gesteckt. Später wurde das 1862 zwischen Sövener Straße und Bergstraße errichtete Gebäude bis auf die Grundmauern zerstört. Die Mauern erinnern bis heute an die Synagoge. Damit sie auch weiterhin ein Mahnmal sein und zudem die Erinnerungen an das jüdische Leben in der Stadt wahren können, hat die Stadt Hennef sie seit dem Herbst sanieren lassen. Zum Abschluss der Arbeiten setzte sie nun ein Zeichen der Solidarität mit Jüdinnen und Juden: Sie enthüllte eine neu errichtete Chanukkia – einen achtarmigen Kerzenleuchter für das traditionelle achttägige jüdische Lichterfest.

Die Enthüllung, zu der auch der Vorsitzende der Synagogengemeinde Köln, Abraham Lehrer, gekommen war, musste angesichts der aktuellen Lage unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen stattfinden. Lehrer, der auch Präsident der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland und Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, zeigte sich tief beeindruckt von dem für Juden wichtigen Signal, das von der Sanierung und vor allem von der Chanukkia ausgehte. „Sie können sich nicht vorstellen, was das für uns bedeutet nach dem 7. Oktober“, sagte Lehrer. Das sei der Stadt ein wichtiges Anliegen, betonte Bürgermeister Mario Dahm. „Dieser Ort war einst das Zentrum der Jüdischen Gemeinde in Hennef und ist heute ein Mahnmal der Geschichte, an dem wir seit vielen Jahren der Opfer der Shoa in unserer Stadt gedenken“, sagte er.

Die Erinnerung aufrechtzuerhalten, wie durch die Sanierung geschehen, sei eine gesellschaftliche Verpflichtung: „Wir kennen die Opfer von damals nicht mehr persönlich. Aber wir kennen diejenigen, die morgen Opfer sein könnten. Deshalb müssen wir nicht nur erinnern an die Verbrechen, die begangen wurden, sondern wachsam sein, wohin sich unsere Gesellschaft und unsere Demokratie heute entwickeln und was an vielen Stellen auch ins Rutschen gerät“, mahnte Dahm mit Blick auf antisemitische Haltungen, Vorfälle und Übergriffe. „Mit der neu errichteten Chanukkia setzen wir ein deutliches Zeichen für die einstige und heutige Bedeutung dieses Ortes und somit für jüdisches Leben in unserer Stadt.“

Albert Jacobs kann sich an die Zeit, als die Synagoge noch das Zentrum einer aktiven, jüdischen Gemeinde war, noch erinnern. Ihre verbliebenen Reste zu bewahren und zu schützen, ist dem Geistinger deswegen ein großes Anliegen. Das Mitglied des Verkehrs- und Verschönerungsvereins entdeckte, die Schäden an der Gedenkstätte und verdeutlichte der Stadt, wie notwendig eine Sanierung war. Seit 1994 ist die Stadt Hennef Eigentümerin der Überreste der Synagoge und des gesamten Grundstücks.

Erdreich drückte Mauern nach außen

Nach der Zerstörung war die Ruine innerhalb der Grundmauern und des alten Kellers mit Erdreich aufgefüllt worden. Diese Erdmassen drückten die Mauern nach außen. Deswegen gab es vor allem an der zur Sövener Straße hin gelegenen Apsis und den dortigen Mauerabschnitten Probleme, wo ein Gegendruck durch das Erdreich von Nebengrundstücken fehlte. Seit dem vergangenen Oktober hat eine Fachfirma die Erde bis zum Keller abgetragen, die Mauern von innen mit Beton gesichert und den Raum anschließend wieder aufgefüllt. Die zur Sövener Straße hin sichtbaren Mauern wurden gereinigt und beschädigte Fugen neu verfüllt. Oberhalb der Apsis-Überreste wurde ein neues Geländer errichtet.

Die Geistinger Synagoge vor der Sanierung ihrer Grundmauern.

Die Geistinger Synagoge vor der Sanierung ihrer Grundmauern.

Foto: Zacharias Planungsgruppe

Auf dem Gelände selbst, dort wo einst der Innenraum war, steht eine neue Informationstafel und die neue Chanukkia. Diese sei ein sichtbares Zeichen für die religiöse Bedeutung des Ortes und seine Rolle als Zentrum der früheren jüdischen Gemeinde in Hennef, erklärt die Verwaltung. Steinmetzmeister Edmund Heller, der neuer Vorsitzender des Verkehrs- und Verschönerungsvereins ist, hat zudem ehrenamtlich den Gedenkstein, der unterhalb der Apsis steht, aufgearbeitet, gesäubert und die Schrift nachgearbeitet. Die Arbeiten haben laut Stadt insgesamt 350.000 Euro gekostet, es gab einen Zuschuss des NRW-Landesministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Digitales.

„Wir müssen auf das Hier und Jetzt schauen“

Auf einer Gedenktafel unterhalb der Apsis stehen die Namen der jüdischen Bürger, die während der Zeit des Nationalsozialismus ermordet wurden. Wie wichtig Erinnerungen und Gedenken sind, hob Hennefs Kulturamtsleiter Dominique Müller-Grote hervor. „Wer die Vergangenheit kennt, kann die Zukunft gestalten. Wer sich der Verbrechen erinnert, kann neue Verbrechen verhindern“, sagte er. Und doch sei Gedenken nicht alles. „Wir müssen auf das Hier und Jetzt schauen. Und da sehen wir Synagogen, jüdische Kindergärten, Schulen und Altenheime, die von der Polizei beschützt werden. Wir sehen eine dramatische Zunahme antisemitischer Vorfälle aller Art“, so Müller-Grote. Deswegen sei es so wichtig, sichtbare Zeichen zu setzen. „Welches Zeichen wäre besser, als ein Leuchter, der in der Geschichte symbolisch für den Sieg über die steht, die die jüdische Kultur und Religion vernichten wollten“, sagte der Kulturamtschef.

Die neue Hennefer Chanukkia soll künftig genutzt werden, um während des Lichterfestes, auch Chanukka genannt, acht Tage lang jeweils kurz vor Sonnenuntergang eine weitere Kerze anzuzünden. In diesem Jahr leuchtet die erste Kerze während des christlichen Weihnachstfestes, ab dem 25. Dezember.