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Bürgerbegehren nach Unfall: Vater fordert fahrradfreien Markt in Hennef

Bürgerbegehren nach Unfall : Vater fordert fahrradfreien Markt in Hennef

Nach einem schwerem Unfall seines Sohnes auf dem Hennefer Marktplatz sammelt Jürgen Wirtz Unterschriften für ein Bürgerbegehren. Der Vierjährige brach sich Waden- und Schienbein.

An diesen 9. Juli kann sich Jürgen Wirtz noch genau erinnern. Er war gegen 18 Uhr mit seinem vierjährigen Sohn Johannes auf dem Hennefer Marktplatz. Der Kleine spielte dort mit anderen Kindern. „Ich saß vielleicht fünf Meter von ihm entfernt auf den Stufen in der Nähe des türkischen Obstgeschäftes und habe zugeschaut“, erzählt Wirtz. Nur kurz war der Junge aus dem Blickfeld des Vaters verschwunden, da „hörte ich einen Schrei und meinen Sohn weinen“. Als er zu ihm rannte und nachschaute, lag Johannes auf dem Boden unter einem Fahrrad und krümmte sich vor Schmerzen. Ein Jugendlicher, der mit dem Fahrrad auf dem Marktplatz unterwegs war, hatte Johannes laut eigenen Angaben übersehen und angefahren.

Wirtz entdeckte zunächst einen Reifenabdruck auf dem Gesicht des Kindes und Schürfwunden. Der 56-jährige Beamte alarmierte Polizei und Rettungsdienst. Johannes wurde in die Sankt Augustiner Kinderklinik gebracht, wo Ärzte eine Schien- und Wadenbeinfraktur bei dem Vierjährigen feststellten. Eine zunächst befürchtete Bauchverletzung bestätigte sich nicht, und Johannes konnte nach zwei Tagen die Klinik wieder verlassen. Seitdem trägt er einen Gips.

Sohn traut sich nicht mehr auf den Marktplatz

Die ersten Tage habe sein Sohn über starke Schmerzen geklagt, so Wirtz. Er konnte sich nur in einem angemieteten Rollstuhl bewegen und traut sich seit dem Unfall nicht mehr auf den Marktplatz.

Wirtz sammelt derzeit Unterschriften und strebt ein Bürgerbegehren an: Er möchte, dass die Stadt die Freigabe für Radler auf dem Hennefer Marktplatz wieder aufhebt. Zudem hat er Bürgermeister Klaus Pipke angeschrieben. In seinem Brief fordert Wirtz den Stadtrat und Pipke auf, die Freigabe für Radler auf dem Marktplatz auf Kinder bis zu einem Alter von elf Jahren zu beschränken. Jugendliche und erwachsene Fahrradfahrer soll die Stadt seiner Ansicht nach vom Marktplatz „verbannen“.

„Ich habe nichts gegen Radler. Auf Fußgänger sollten sie allerdings Rücksicht nehmen“, sagt Wirtz, der selbst gerne Fahrrad fährt. „Jeder kann absteigen und sein Fahrrad durch die Fußgängerzone schieben“, meint der Familienvater. Dem jungen Mann, der seinen Sohn mit dem Rad angefahren hat, macht er indes keinen Vorwurf. „Er hat Johannes übersehen, so etwas passiert.“

Wirtz sieht die Verantwortung eher bei der Stadt

Auf dem Marktplatz würden Kinder spielen. „Das scheint auch von der Stadt gewünscht zu sein. Gleichzeitig ist der Marktplatz aber für den Radverkehr freigegeben. Ich konnte schon oft beobachten, dass dort trotz der spielenden Kinder einige Radler rücksichtslos und mit hoher Geschwindigkeit unterwegs sind. Da muss etwas geschehen“, sagt Wirtz.

Dass auf dem Marktplatz überhaupt geradelt werden darf, geht auf einen Antrag der Arbeitsgruppe „Fahrradfreundliches Hennef“ der Hennefer Ortsgruppe des ADFC zurück, die vor ein paar Jahren den Bürgermeister gebeten hatte, die Fußgängerzone – und somit den Marktplatz – für den Radverkehr nach einer Testphase freizugeben. Dies geschah 2016 nach einem sechsmonatigen Probelauf, allerdings unter Auflagen der Stadt. „Radler haben auf Fußgänger, die auf dem Marktplatz Vorrang haben, Rücksicht zu nehmen und dürfen sich dort auch nur mit Schrittgeschwindigkeit bewegen, nötigenfalls müssen sie absteigen“, so Stadtsprecher Dominique Müller-Grote. Der städtische Ordnungsdienst habe den Marktplatz im Blick und würde darauf achten, dass sich Radler auch an diese Vorgaben halten.

Jürgen Wirtz ist das zu wenig. „Ich habe in der Kita Sankt Simon und Judas und in einer Eisdiele bereits Unterschriftenlisten ausgelegt und möchte ein Bürgerbegehren für einen fahrradfreien Marktplatz anstoßen“, sagt der Hennefer. Laut Gemeindeordnung benötigt er allerdings dafür die Unterschriften von sieben Prozent der Bevölkerung Hennefs. Bei 48 691 Einwohnern (Stand Dezember 2019) wären das über 3400 Unterschriften. „Ich überlege auch, mich auf den Marktplatz zu stellen und Unterschriften zu sammeln“, so Wirtz.

Johannes verbringt derzeit seine Sommerferien mit Gipsbein. „Danach stehen wahrscheinlich noch Reha-Maßnahmen auf dem Programm“, sagt der Vater.