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Waldbaden im Rhein-Sieg-Kreis: Hennefer überzeugt von Kraft des Waldes

Hennefer Baumpfleger ist überzeugt : Waldbaden stärkt das Immunsystem

Waldbademeister Fritz Herkenrath lädt zum Eintauchen in den Wald mit allen Sinnen ein. Der Hennefer ist von der heilsamen Wirkung des Waldes überzeugt und bietet Seminare an.

So viele Menschen wie nie zuvor nutzen derzeit die unverhoffte Pause vom Alltag, um in den Wald zu gehen. Drei Stunden bewusster und entspannter Aufenthalt im Wald sorgen dafür, dass die Atemwege für eine Woche frei sind und Blutdruck und Immunsystem stabil bleiben. Das jedenfalls behauptet einer, der es wissen muss: Fritz Herkenrath ist ausgebildeter Waldbademeister. Der hauptberufliche Baumpfleger aus Hennef will mit Seminar-Angeboten die Menschen der Region für ausgedehnte Aufenthalte unter Bäumen begeistern.

Herkenrath wird dabei von Erfahrungen in Japan gestützt: 1982 rief die staatliche japanische Forstbehörde dazu auf, Ausflüge in den Wald zu machen. Hintergrund damals sei der Umweltschutz gewesen, so Herkenrath. Begleitende Studien zeigten schnell, dass das Shinrin-Yoku – das Waldbaden – nicht nur für den Wald, sondern auch für die Menschen gut ist.

Im Waldbadeseminar den Wald mit allen Sinnen erleben

Der Waldbademeister gibt dazu in seinen Seminaren vor allem Anregungen. „Die Menschen sollen den Wald mit allen Sinnen erleben“, umreißt er das Ziel. Zwischen drei und fünf Stunden ist er mit den Teilnehmern im Hanfbachtal oder im Siebengebirge unterwegs. Neben Atem­übungen und Yoga stehen dabei auch Baumübungen auf dem Programm. Sie sollen das Bewusstsein für den Wald stärken.

„20 Minuten auf dem Waldboden liegen und in die Wipfel schauen holt jeden aus seinem alltäglichen Hamsterrad“, ist Herkenrath überzeugt. Insgesamt gehe es auch darum, einmal nichts zu tun, und nicht mit einem Ziel loszugehen, sagt er. Solozeiten, in denen sich jeder Teilnehmer zurückziehen kann, gehören deshalb dazu.

Darüber hinaus sind es viele einzelne Bausteine, die einen einfachen Spaziergang zu einem Bad im Wald machen: barfuß durch einen Bach gehen, ein Blatt ansehen, einen Baum mit verbundenen Augen zu fühlen und anschließend sehenden Auges wieder zu erkennen. „Oder einfach mal die Blickrichtung ändern – und rückwärts gehen“, sagt Fritz Herkenrath.

Durchschnittlich einmal im Monat bietet er ein Seminar an. Neben erwachsenen Kunden, die Stress abbauen und die Natur erleben wollen, bietet er auch einen Kursus für Kinder und Jugendliche an. Derzeit allerdings ruht der Kursbetrieb, Herkenrath ist trotzdem täglich im Wald. Seiner Ansicht nach sind Aufenthalte im Wald aktuell für jeden so sinnvoll wie noch nie.

Aufenthalt im Wald soll Angstzustände, Depressionen und Stress verringern

In den Wald einzutauchen stärke die Immunabwehr, behauptet Herkenrath und wird damit von japanischen Wissenschaftlern bestätigt. Der Aufenthalt im Wald wirkt danach wie eine Art Aromatherapie. Die Bäume geben ätherische Öle in die Luft ab. Der Körper produziere aufgrund der in der Waldluft enthaltenen Terpene verstärkt so genannte Killerzellen, die gegen Krebs wirken, beschreibt Japans oberster Waldforscher Qing Li die Wirkung. Studien im fernen Osten haben außerdem ergeben, dass sich durch den Aufenthalt im Wald Angstzustände, Depressionen und Wut verringern, Stresshormone abgebaut werden und die Vitalität steigt.

Deutsche Wissenschaftler sind da deutlich zurückhaltender, aber auch sie sind sich darin einig, dass Aufenthalte im Wald den Menschen guttun. „Biophilia“ nannte das in den 1980er Jahren der Evolutionsbiologe Edward Wilson. Gemeint war die Liebe des Menschen zu allem Lebendigen. Die könne zu einer Art „grünen Heilung“ führen.

Fritz Herkenrath ist von der heil­samen Wirkung überzeugt. „Ich bin Baumpfleger und umarme täglich Bäume. Ich weiß, dass das guttut“, sagt er. In Krautscheid, von wo aus er seine Touren durchs Hanfbachtal startet, baut er gerade ein Haus im Wald um. Dort will er in Zukunft noch weitere Seminare anbieten, die den Wald zum Thema haben.

Waldbad soll mindestens drei Stunden dauern

Das Seminarangebot ist derzeit zwar ausgesetzt, dennoch können Interessierte Herkenraths Beispiel folgen und im Wald baden. Wichtig sei, nicht die Strecke zu sehen, sondern die Natur, rät er. Mindestens drei Stunden solle ein Waldbad dauern, damit die Terpene anhaltende Wirkung entfalten könnten. Sein dritter Tipp ist „das Handy zu Hause lassen“. Weitere Infos gibt es im Internet auf www.robinwoods.de.