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GA-Leserführung in Blankenberg: Wie aus alten Gemäuern Denkmäler wurden

GA-Leserführung in Blankenberg : Wie aus alten Gemäuern Denkmäler wurden

Erst seit 1992 steht das gesamte historische Blankenberg unter Denkmalschutz. Der Beginn der Pflege der historischen Schätze startete jedoch knapp 90 Jahre davor - mit dem Ende des Weinbaus.

Ein sonniger Vormittag in Stadt Blankenberg. Helmut Fischer und Walter Keuenhof stehen auf dem Platz am Katharinenturm und erzählen, wie es früher war. Der Platz am Katharinenturm? Nein, der ist nicht historisch, weiß Gott nicht. Noch in den 1970er Jahren war er eine Art Deponie, die dann eingeebnet wurde. Heute ist das Areal Parkplatz und Ausgangspunkt für die vielen Besucher, die die mittelalterliche Stadt im Siegtal erkunden wollen.

Eine schnöde Halde direkt vor den alten Stadtmauern - das kann man sich heute, da die Stadt ein beliebtes Ausflugsziel in der Region ist, gar nicht vorstellen. Was aus heutiger Sicht noch viel unmöglicher erscheint: Es gab in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder Tendenzen, die markanten Gemäuer abzutragen oder ganz abzureißen. Warum es glücklicherweise nie so weit gekommen ist, erklären Helmut Fischer und Walter Keuenhof am Mittwoch, 10. Juli, ab 18 Uhr bei einer exklusiven Führung für GA-Leser. Fischer und Keuenhof, Ehrenvorsitzender, beziehungsweise Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins Blankenberg, haben den historischen Rundgang eigens zusammengestellt.

Blankenberg im 19. Jahrhundert, das ist der Schwerpunkt der Führung - eine Zeit, die von politischem, wirtschaftlichem und sozialem Wandel geprägt war. Zunächst markierte das Jahr 1805 eine Zäsur, bedingt durch den Untergang der mittelalterlichen Freiheiten und die Aufhebung des Magistrats. Für die Blankenberger brachte das einige Veränderungen. Wesentliche Rechte der Selbstbestimmung und ihr besonderer Status als Bewohner des Verwaltungssitzes des Amtes Blankenberg gingen verloren.

"Die Burg, die Stadtmauern und die Türme standen für die Vergangenheit - all das hatte keine Bedeutung mehr", sagt Fischer. Der emeritierte Germanistikprofessor, selbst ein Ur-Blankenberger, ist Autor mehrerer heimatkundlicher Publikationen. "Die Mauern waren zum Schutz vor Angriffen nicht mehr notwendig, sie hemmten die Ausdehnung und nahmen den Bewohnern das Tageslicht." Die Burgruine war zu einem Steinbruch verkommen, und auch vom Katharinenturm mit der schmalen Durchfahrt polterten Steine hinab, was Diskussionen über einen Abriss anfachte. Noch ältere Quellen aus dem 17. Jahrhundert belegen, dass die Instandhaltung der Mauern mit hohem Aufwand verbunden war. Immer wieder wurde ihr Verfall beklagt.

Mit der Industrialisierung ging auch im Siegtal der Ausbau der Infrastruktur einher. Blankenberg erhielt Mitte des 19. Jahrhunderts einen Anschluss an die neue Eisenbahnstrecke, ebenso an die Siegtalstraße. Dafür wurde 1852 die serpentinenförmige Verbindungsstraße gebaut, die heute noch besteht. Damals wurde ein Teil der Stadtmauer abgerissen. An anderen Stellen wurde die Mauer in ihrer Höhe reduziert. Im Zuge dieser "Modernisierung" verschwand auch das Geburtshaus des weit gereisten Arbeiterphilosophen Josef Dietzgen (1828-1888), des wohl bekanntesten Blankenbergers.

Doch setzte noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Bewusstseinswandel ein, auch durch die Sicht von außen. Geschichtsschreiber und Reiseschriftsteller entdeckten Blankenberg und romantisierten es. Einer von ihnen war 1837 ein gewisser Friedrich Everhard von Mering, auf den Helmut Fischer in seinem Blankenberg-Buch "Ein kleines Städtchen auf dem Berge" verweist. Von Mering dachte bereits in Richtung Denkmalschutz und forderte in seiner Beschreibung Blankenbergs, "daß man diese herrlichen Ruinen der allmählichen Zerstörung nicht anheim fallen lassen möge". 1853 schrieb Wilhelm Schrattenholz in einem Führer: "Die jetzigen Ruinen Blankenbergs gehören ohne Frage zu den ausgezeichnetsten und wohlerhaltensten Sieg-Rheinischen Denkmälern der Vorzeit."

Es dauerte nicht lange, bis die ersten Sommerfrischler und Touristen den Ort aufsuchten, um die Verbindung von Landschaft und mittelalterlichem Flair zu erleben. "Es kamen ganze Sonderzüge aus Köln", berichtet Walter Keuenhof. "Davon profitierten die Lokalitäten." Auch der Bau des Hotels Honrath am Markt fällt in diese Zeit. So entdeckte die bäuerlich-handwerklich geprägte Gemeinde einen neuen Wirtschaftszweig: das Gastgewerbe.

Die Besucher dürften auch reichlich Blankenberger Wein genossen haben. In dem Ort wurde seinerzeit noch Weinbau betrieben, auch unterhalb der Burgruine, die inzwischen in weiten Teilen mit Bäumen zugewachsen ist. Keuenhof kritisiert den Wildwuchs als "Folge eines starren Naturschutzes, der nicht nach links und rechts blickt". Vielmehr müsse man die alte Kulturlandschaft stärker in den Blick nehmen, zu der eben auch der Weinbau gehörte. Der pensionierte Flugkapitän baut seit 28 Jahren selbst Wein an in Blankenberg, als Hobby.

Offiziell wird in dem Ort schon seit 1907 kein Weinbau mehr betrieben. Eine Summe von Gründen führte zu seinem Erliegen, die Reblaus beispielsweise, aber auch eine allgemeine Unwirtschaftlichkeit. Umso mehr konzentrierten sich die Blankenberger zu dieser Zeit darauf, ihre historischen Schätze zu pflegen. Als wegweisend bezeichnet Fischer die "Ortssatzung zum Schutze der Gemeinde gegen Verunstaltungen", die der Gemeinderat 1910 auf Grundlage preußischer Gesetzgebung beschloss - ein formaler Akt, der dokumentierte, wie sehr die Gemeinde damals schon für den Erhalt und die Pflege von Denkmälern sensibilisiert war.

Erst seit 1980 gibt es in Nordrhein-Westfalen ein Denkmalschutzgesetz. Auf dieser Grundlage wurde bis 1992 die gesamte historische Stadt unter Denkmalschutz gestellt.

Chronik

  • 12. Jahrhundert: Die Grafen Heinrich und Eberhard von Sayn gewinnen Einfluss an der mittleren Sieg. Um 1150 erbauen sie auf einer Anhöhe im Siegtal, 80 Meter oberhalb des Flusses, die Burg Blankenberg - in Sichtweite zur Abtei in Siegburg. In der Nachbarschaft entsteht eine Siedlung.
  • 1245: Blankenberg erhält die Stadtrechte.
  • 1363: Burg und Stadt gehen an die Herzöge von Berg über. Das Amt Blankenberg entsteht, zu ihm gehören unter anderem Uckerath, Ruppichteroth, Eitorf, Neunkirchen, Much und Oberpleis.
  • 17. Jahrhundert: Schwedische Truppen nehmen im 30-jährigen Krieg die Burg ein. Die Anlage wird später geschleift.
  • 1805: Das Herzogtum Berg geht an Napoleon über. Blankenberg verliert die Stadtrechte.
  • 1852: Anbindung an die neue Siegtalstraße, zehn Jahre später auch an die Eisenbahnstrecke.
  • 1910: Ortssatzung zum Schutze der Gemeinde gegen Verunstaltungen.
  • 1911: Gründung des Verkehrsvereins. Daraus wird 1952 der Heimat- und Verkehrsverein, der sich um die Pflege des historischen Stadtbildes verdient macht.
  • 1934: Blankenberg verliert seine Eigenständigkeit und wird nach Hennef eingemeindet.
  • 1954: Blankenberg darf "Stadt" wieder im Ortsnamen führen.
  • 1983: Die historische Pfarrkirche Sankt Katharina brennt nieder. Wiederaufbau bis 1987.
  • 1992: Stadt Blankenberg steht in Gänze unter Denkmalschutz.
  • 2013: In Stadt Blankenberg leben 621 Einwohner.

Die GA-Leserführung

Für die Teilnahme an der GA-Leserführung am Mittwoch, 10. Juli, 18 Uhr, sind ein Anruf und etwas Glück notwendig. Die Zahl der Teilnehmer ist begrenzt, daher wird ausgelost. Es können maximal 13 Personen mit je einer Begleitperson mitgehen. Wenn Sie teilnehmen möchten, rufen Sie uns an: 01379/886818* oder senden Sie eine SMS mit dem Kennwort GAB10 an die Kurzwahl 1111*. Bitte geben Sie Namen und Adresse an. Teilnahmeschluss ist heute, 3. Juli, 24 Uhr. Die Teilnehmer werden schriftlich benachrichtigt und erfahren dann auch den Treffpunkt.