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Revolution im Reihenhauskeller: Zwei Hennefer tüfteln an neuem Treibstoff

Revolution im Reihenhauskeller : Zwei Hennefer tüfteln an neuem Treibstoff

Waldemar Lewtschenko und Anton Ledwon aus Hennef planen einen Coup: Sie wollen günstigen, umweltfreundlichen Diesel erzeugen. Die Methode, die sie in ihrem Hobbykeller entwickelt haben, haben sie sich bereits patentieren lassen.

Gerade mal zwölf Quadratmeter groß ist der Keller in Waldemar Lewtschenkos Reihenhaus , in dem er sich gemeinsam mit dem Ingenieur Anton Ledwon um Themen kümmert, die weltweit revolutionär sein könnten. Der Juwelier und Kunstmaler, der weder ein Chemie noch ein Physikstudium abgeschlossen hat, betreibt mit Ledwon Alchemie im Hobbykeller und hat vor einiger Zeit eine Möglichkeit entdeckt, wie sich mittels prozessgesteuerter Modulation von molekularen Verbindungen aus Alt-, Schwer- oder Heizöl und Wasser synthetischer Kraftstoff herstellen lässt. Der Clou: Im Gegensatz zu den herkömmlichen Methoden zur Erzeugung von Diesel-Kraftstoff benötigen Lewtschenko und Ledwon weder hohe Temperaturen noch hohe Drücke.

Professor zeigt sich beeindruckt von dem Verfahren

„Die Moleküle werden prozessgesteuert und gezielt zu einer bestimmten, mechanischen Spannungsgrenze und dann kontrolliert zur chemischen Reaktion gebracht, ohne dass die herkömmlichen Temperaturen und Drücke, die dafür normalerweise erforderlich sind, benötigt werden“, erklärt Ledwon die neuartige Verfahrensweise, die mittlerweile zum internationalen Patent angemeldet ist. Für die Modulation synthetischer Gase und Flüssigkeiten werden laut Lewtschenko die langen Kohlenwasserstoffverbindungen, etwa aus Altöl, Schweröl und Wasser in einem kleinen Reaktor analysiert und zu neuen, kurzkettigen Verbindungen synthetisiert. „Die molekulare Kette wird von symmetrisch in asymmetrisch verändert“, sagte Lewtschenko.

Die Methode, auf diese Weise kostengünstigen und relativ sauberen, synthetischen Kraftstoff zu entwickeln, ist so revolutionär, dass sich vor einigen Wochen ein Universitäts-Professor aus dem amerikanischen Bundesstaat South Carolina auf den Weg in die sächsische Schweiz machte, wo Ledwon und Lewtschenko dem Gelehrten das Verfahren präsentierten. Der Professor zeigte sich beeindruckt von den beiden Forscherfüchsen und ihrer neuen Methode. „Wir haben mittlerweile unter dem Namen „Heion GmbH“ eine Firma gegründet und etliche Sponsoren, denn alleine die Patentanmeldung kostet sehr viel Geld“, sagte Ledwon.

Von kontaminiertem Altöl zu sauberem Treibstoff

Das Verfahren, das er mit Waldemar Lewtschenko entwickelt hat, trage zudem zum Klimaschutz bei. „Mit dieser Methode wird der CO2-Ausstoß deutlich reduziert. Zudem entsteht weder Ruß noch Geruch“, sagte Ledwon. Außerdem könnte, so der 58-Jährige, aus kontaminiertem Altöl sauberer Treibstoff generiert werden. Das gesamte Verfahren lasse sich laut Ledwon mit dem Unterscheid zwischen einer normalen Glühlampe und einer LED-Leuchte vergleichen. „Die Glühlampe benötigt fünf bis sechs Mal mehr Energie als die LED-Leuchte, da die bei der LED eingesetzte Energie nur zur Erzeugung von Licht benötigt wird. Bei der Glühlampe kosten Effekte wie Wärmeentwicklung und die Erzeugung unterschiedlicher Wellenlängen des Lichtes zusätzliche Energie“, sagte Ledwon.

"Physikbuch war meine Märchensammlung"

Während Ledwon ein Ingenieursstudium vorweisen kann und bereits eine spezielle Erdwärme-Speichersonde erfunden hat, ist Lewtschenko ein wahres Naturtalent. Der aus der Ukraine stammende Tüftler, der seit 15 Jahren mit seiner Familie in Hennef lebt, hat in seiner Jugend ein Physikbuch, das er bei den Großeltern fand, eher interessiert als eine Märchensammlung. „Das Physikbuch war meine Märchensammlung. Ich habe bereits mit sieben Jahren eine eigene Kamera gebaut“, erzählt Lewtschenko. Nach einem schweren Autounfall vor einigen Jahren, den er so gerade überlebt hat, begann der 53-Jährige, sich viele Fragen zu stellen und beschäftigte sich immer mehr mit Naturwissenschaften und Tüfteleien. Er entwickelte sogar eine abstellbare Gehhilfe. „Auf die Idee kam ich, weil ich damals selbst auf eine Gehhilfe angewiesen war“, erinnert sich Lewtschenko. Auch kam ihm die Idee, für Gleitschirmflieger ein Sicherheitssystem zu entwickeln. 2014 hat er mit Anton Ledwon einen kongenialen Partner gefunden, mit der er gemeinsam in seinem Keller in Hennef bereits Einiges erfunden hat.

So entwickelten die beiden ein Getriebe mit Energierückgewinnungsfunktion, bei dem die verlorene kinetische Energie, die beispielsweise bei Verzögerungs- und Bremsvorgängen entsteht, über einen gesteuerten Prozess in elektrische Energie umgewandelt der Batterie zugeführt werden. Lewtschenko und Ledwon werden definitiv weiter forschen. „Wer weiß, vielleicht haben wir mit Waldemar Lewtschenko bald einen Nobelpreisträger aus Hennef“, sagte Ledwon.