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Freiwilligendienst in Kambodscha: Zwischen Hennef und Phnom Penh

Freiwilligendienst in Kambodscha : Zwischen Hennef und Phnom Penh

Dominik Paszkiet hat schon feste Pläne für den kommenden Sommer. Er will wieder nach Kambodscha reisen um dort Freiwilligendienst zu leisten.

Und da kennt er sich schon sehr gut aus. Denn eigentlich ist er von dort aus erst vor ein paar Wochen nach Hause zurückgekehrt. Der junge Hennefer hat in Phnom Penh, der Hauptstadt des südostasiatischen Landes, ein Jahr lang Freiwilligendienst geleistet. An einer Technischen Schule der Salesianer Don Boscos hat er benachteiligte Jugendliche in Englisch unterrichtet.

"Es ist aber nicht so, dass ich den Kambodschanern unglaublich viel beigebracht hätte und sie mir nichts - im Gegenteil. Ich habe dort sehr viel gelernt", berichtet Paszkiet, der sich in Kambodscha auch die Landessprache Khmer angeeignet hat. Besonders imponiert hat ihm die Fähigkeit seiner Schüler, aus schwierigen Situationen das Beste zu machen, optimistisch zu bleiben und nicht aufzugeben. Und die jungen Leute, die in seinen Klassen saßen, haben es alles andere als leicht.

Sie leben in einem Land, das noch immer an den Folgen eines jahrzehntelangen Bürgerkriegs, der Schreckensherrschaft der Roten Khmer und des Diktators Pol Pot leidet. Viele von ihnen haben während dieser Zeit ihre Eltern verloren, mussten schon früh arbeiten, sich selbst und ihre Geschwister irgendwie durchbringen. In der Schule der Salesianer bekommen sie die Möglichkeit, eine Ausbildung zum Mechaniker oder Elektriker zu absolvieren und sich damit die Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu bewahren.

Dominik Paszkiet ist froh darüber, dass er sie ein kleines Stück auf ihrem Weg begleiten konnte. Manchmal empfand er es dabei als Herausforderung, dass viele seiner Schüler weitaus älter waren als er. Als er in Phnom Penh als Lehrer anfing, hatte er gerade mal das Abitur am Antoniuskolleg in Neunkirchen in der Tasche, war 19 Jahre alt. "Mein mühsam gezüchteter Bart hat mir geholfen, mein Alter vor meinen Schülern zu verbergen", erzählt der heute 21-Jährige.

Basketball-Team und Chor gegründet

Den autoritären Lehrer zu geben, ist aber nicht seine Art. "Stattdessen haben wir gemeinsam etwas auf die Beine gestellt." Und das nicht nur im Klassenraum und in englischer Konversation. Der junge Mann, der sich zu Hause in Hennef-Warth in der katholischen Liebfrauengemeinde engagiert, hat das Basketballteam der kambodschanischen Don-Bosco-Schule trainiert. Dabei war die Rolle des Teamchefs nur eine von vielen, in die er während seines Auslandsjahres geschlüpft ist: "Ich war trotz meiner 19 Jahre mal der ältere Bruder, mal Klassenclown, aufmerksamer Zuhörer oder Lagerfeuermusikant."

Apropos Musik: Einen Chor hat er an seiner Gastschule auch gegründet. Für sein Engagement bekam Paszkiet viel von seinen Schülern zurück. "Wenn sie merkten, dass es mir mal nicht so gut ging, fragten sie, ob sie was für mich tun könnten." Aber eine Frage stellten sie noch öfter: "Teacher, have you eaten rice already? (Lehrer, haben Sie schon Reis gegessen?). Damit meinten sie, ob er überhaupt schon etwas zu sich genommen habe. "Denn Reis gehört in Kambodscha zu jeder anständigen Mahlzeit dazu, es gibt ihn dreimal am Tag", berichtet der 21-Jährige.

Den Kontakt zu seinen Schülern hält er derzeit über Facebook. Immer, wenn er auf seine Seite geht, hat einer von ihnen etwas von sich hören lassen. Und er lässt von sich hören. So schreibt er ihnen zum Beispiel, dass er in anderthalb Wochen mit seinem Lehramtsstudium in Bonn beginnt - katholische Religion und Englisch. Und wenn alles so läuft, wie Paszkiet sich das wünscht, kann er sich im kommenden Sommer wieder persönlich mit seinen Schülern austauschen. "Dann feiern sie in Phnom Penh den Abschluss ihrer Ausbildung, und bei der Party wäre ich gerne dabei", sagt er.