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Ehrenamt: Henneferin engagiert sich für soziale Kredite

Ehrenamt : Henneferin engagiert sich für soziale Kredite

Annette Flinterman engagiert sich bei Oikocredit für die Verbesserung der Lebensumstände von Menschen im Globalen Süden

Als Kind hat Annette Flinterman Afrika und insbesondere Äthiopien kennengelernt. Der Vater der gebürtigen Niederländerin war damals Schiffskapitän. Dort kam sie mit den teilweise prekären Umstände der dort lebenden Menschen in Berührung. „Ich habe den Hunger der Menschen gesehen und Kinder mit infizierten Augen.“ Bereits damals habe ihr Vater gesagt, dass Spenden alleine nicht helfen.

Deshalb engagiert sie sich ehrenamtlich seit vielen Jahren in verschiedenen Organisationen dafür, das Leben der Menschen zu verbessern. „Dabei ist die Hilfe zur Selbsthilfe der beste Weg, denn Geldspenden sind nur Wundpflaster“, sagt Flinterman, die seit 2009 in Hennef lebt und den Hennefer Arbeitskreis Fairer Handel der Lokalen Agenda 21 leitet.

So setzt sie sich dafür ein, dass durch faire Handelsbeziehungen den benachteiligten Produzenten in Entwicklungs- und Schwellenländern zu einem verbesserten Einkommen verholfen wird. Auch ihr ehrenamtliches Engagement bei Oikocredit dreht sich um die Verbesserung der Lebensumstände der Menschen im sogenannten Globalen Süden. Oikocredit ist ein weltweit tätiger, genossenschaftlich organisierter sozialer Kreditgeber.

„Wir haben für diese Menschen eine Verantwortung“

Annette Flinterman engagiert sich für Oikocredit. Foto: Julia Krojer

Power-Point-Präsentationen und Fachvorträge, die derzeit coronabedingt online stattfinden müssen, sind die überwiegenden Aufgaben Flintermans für die Genossenschaft. Vor zwei Jahren hatte sie in der Hennefer Meys Fabrik einen Äthiopien-Abend organisiert, der den Gästen das Land  näherbringen sollte. Zu Äthiopien hat Flinterman eine besondere Beziehung. Die Menschen auf der Nordhalbkugel müssten begreifen, dass es auf der südlichen Halbkugel Menschen gibt, denen es schlechter geht, findet sie.

„Wir haben für diese Menschen eine Verantwortung.“ Die Arbeit von Oikocredit unterstütze sie gerne, weil sich die Institution dafür einsetzt, dass sich Menschen in ärmeren Ländern mittels Kleinkrediten, die von Anlegern finanziert werden, eine Existenz aufbauen können. So können sie sich selbst ernähren. Oicocredit kooperiert vor Ort mit Partnerorganisationen, die nicht nur soziale, sondern auch Umweltkriterien erfüllen müssen.

Ein gleichberechtigtes Verhältnis

„Uns geht es um ein inklusives Finanzwesen, an dem alle teilhaben können“, erklärt Karen Zwissler, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit des Westdeutschen Förderkreises von Oikocredit. Dabei könne mit Kleinstkrediten zwischen zehn und 1000 Dollar schon geholfen werden. „Ob es nun die Bäuerin in Peru ist, die für ihre Hühnerzucht mit einem solchen Kredit neue Hennen kaufen kann oder eine Näherin in einem afrikanischen Land, die eine neue Nähmaschine benötigt – mit diesem Geld kann den Menschen geholfen werden, sich eine Existenz aufzubauen“, sagt Zwissler.

Der Kredit werde zurückgezahlt, aus den Zinsen erhalten die Anleger eine kleine Dividende. Die beträgt allerdings höchstens zwei Prozent. Oikocredit will laut Zwissler die Entwicklung in diesen Ländern fördern, dabei aber genossenschaftlich und transparent agieren. Das Verhältnis zu den Partnerorganisationen in den Ländern sei von Gleichberechtigung geprägt. „Es ist eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe“, sagt Zwissler.

Milchkuh statt Schulessen

Der Westdeutsche Förderkreis mit Sitz in Bonn ist einer von sieben Oikocredit-Förderkreisen in Deutschland, der sich darum bemüht, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. 48 Prozent und somit fast die Hälfte der Partnerorganisationen von Oikocredit ist in Lateinamerika ansässig, weitere befinden sich in Afrika (18 Prozent) und Asien (13 Prozent). 86 Prozent der Menschen, denen Oikocredit einen Zugang zu Mikrofinanzinstitutionen verschafft, sind Frauen, die zu großen Teilen in ländlichen Gebieten leben. Die Corona-Pandemie schafft allerdings neue Probleme. Partner von Oikocredit haben allerdings sehr kreativ darauf reagiert. So wie „Bufcoffee“ in Ruanda, das von einkommensschwachen Kleinbauernfamilien Kaffee ankauft und nach Australien oder Japan exportiert.

Als in dem ostafrikanischen Land beispielsweise kein Schulbesuch mehr möglich war, stellte die Institution diesen Familien für die gesunde Ernährung ihrer Kinder, die nicht mehr in der Schule essen konnten, eine Milchkuh zur Verfügung. „Das ist ein besonderes Beispiel für solidarisches Handeln“, sagt Annette Flinterman.