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Streit um Immobilie in Siegburg : Im Spitzboden ist nur Nutzfläche, aber kein Wohnraum

Streit um Immobilie in Siegburg : Im Spitzboden ist nur Nutzfläche, aber kein Wohnraum

Ein Siegburger Ehepaar erstreitet nach dem Kauf einer Dachgeschosswohnung einen Teil des Kaufpreises vor einem Bonner Zivilgericht zurück. Es kann die Empore der Wohnung weiter nutzen.

Als ein Siegburger Ehepaar im Jahr 2013 seine sechs Jahre zuvor erstandene Dachgeschosswohnung wieder verkaufen wollte, staunte es nicht schlecht: Der gesamte Spitzboden der zweigeschossigen Maisonette-Wohnung durfte laut Bauakte nicht als ständiger Aufenthaltsbereich genutzt werden. Das wurde den Eheleuten klar, als sie auf Wunsch eines potenziellen Käufers die entsprechenden Unterlagen einsahen.

Obwohl dies den eigentlichen Nutzwert der Wohnung nicht deutlich beeinträchtigte, hätte das natürlich zu Einbußen beim Weiterverkauf geführt, und so verklagte das Paar den Mann, der ihnen die Räumlichkeiten seinerzeit verkauft hatte, auf Zahlung von 75 000 Euro. Ein Bonner Zivilrichter hatte bereits vor zwei Jahren geurteilt, dass die Klage „dem Grunde nach berechtigt“ sei. Aufgrund einer mangelbedingten Wertminderung habe das Käuferpaar einen Anspruch auf Schadenersatz. Nun haben sich die Parteien nach einem erneuten Termin verglichen: Das Paar erhält allerdings nur 34 500 Euro; die Beteiligten tragen ihre Verfahrenskosten jeweils selbst.

Abweichungen bei der Wohnfläche

150 Quadratmeter sollte das schick ausgebaute Altbau-Dachgeschoss samt Empore, Studio und zwei Bädern groß sein. So hatte es der Makler angegeben, über den das Ehepaar die Immobilie im Jahr 2007 zu einem Verkaufspreis von 245 000 Euro erworben hatte. Gut 40 Quadratmeter der Fläche sollte auf den Spitzboden entfallen – und für diesen Teil forderte das Paar den anteiligen Kaufpreis in Höhe von 75 000 Euro zurück. Außerdem habe der von ihnen beauftragte Gutachter weitere geringe Abweichungen von der im Kaufvertrag fixierten Wohnfläche festgestellt.

Dem Beklagten erschien die Forderung jedoch unangemessen hoch: Für exakt 6584,27 Euro könne man das zweite Geschoss der Maisonette doch in regulären Wohnraum umwandeln. Das hätten ihm Mitarbeiter der zuständigen Behörde signalisiert; man müsse lediglich einen zweiten Rettungsweg und Spezialfenster einbauen, um eine entsprechende Änderung in der Bauakte zu erreichen. Die anfallenden Kosten habe er recherchiert und sei auf den erwähnten Betrag von gut 6500 Euro gekommen.

Im August 2020 wurde ein Sachverständiger mit einem neuen Gutachten beauftragt. Der Fachmann hielt es für angemessen, den anteiligen Kaufpreis des Spitzbodens nicht wie gefordert um 100 Prozent zu mindern, sondern lediglich um 50 Prozent. Schließlich könne man die Empore trotz des Eintrags nutzen, und das sechs Quadratmeter große zweite Bad im Spitzboden müsse abgezogen werden, weil es in der Natur eines solches Raumes liege, ihn nicht dauerhaft zu bewohnen.