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Johanniter und Malteser bieten kontaktlosen Hausnotruf an

Hilfe auf Knopfdruck : Mehr Sicherheit durch kontaktlosen Hausnotruf

Nicht nur Senioren schätzen den Hausnotruf. Johanniter und Malteser bieten neuerdings die kontaktlose Installation an, weil viele Kunden das in Corona-Zeiten wünschen.

Der chronisch kranke Mann war mit Corona infiziert und hatte starke Symptome. Er wurde behandelt und überstand die Infektion. Und er entschied, sich einen Hausnotruf einzurichten. Er orderte das entsprechende Gerät beim Johanniter Regionalverband Bonn/Rhein-Sieg/Euskirchen, und weil er gerade selbst erlebt hatte, wie gefährlich das Virus ist und direkte Kontakte zu anderen Menschen sein können, wollte er das Gerät lieber selber installieren.

Ein Johanniter-Mitarbeiter legte ihm das Gerät vor die Haustür und leitete den Mann am offenen Fenster mit Sichtkontakt durch die Einrichtung des Systems.

Erhöhtes Sicherheitsbedürfnis in Zeiten von Sars-CoV-2

„Das hat dann sehr gut geklappt“, sagt Heike Nolden, Abteilungsleiterin beim Johanniter Regionalverband, der in Corona-Zeiten eben dieses neue Angebot für den Hausnotruf hat: die kontaktlose Installation.

„Wir haben festgestellt, dass interessierte Menschen ihre Termine verschoben haben. Gleichzeitig aber gibt es ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis“, sagt Nolden. Auch, weil die Einrichtungen der Tagespflege geschlossen seien und dort derzeit keine Pflegebedürftigen betreut werden könnten.

Kollegen kommen in Schutzkleidung zur Installation

Es gebe viele Menschen, die den Schutz wollten. Rund ein Viertel der Interessierten hätte aber Sorgen geäußert wegen des zu erwartenden Besuchs von einem Mitarbeiter für die Installation des Hausnotrufs.

„Wenngleich die Kollegen ja in Schutzkleidung kommen“, so Nolden. Allerdings gebe es dennoch eine Reihe von Kunden, die direkte Kontakte nicht haben wollten.

Vor allem Ältere haben Angst

Auch die Malteser Bonn/Rhein-Sieg haben diesen Service eingerichtet, weil sie festgestellt haben, dass sich viele, vor allem ältere Menschen, zurückziehen. „Allerdings ist die Nachfrage bei uns noch nicht sehr hoch“, sagt Ruth Horn-Busch, Leiterin Soziale Dienste bei den Maltesern.

In Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis würden rund 3500 Hausnotruf-Teilnehmer betreut. „Vor allem ältere Menschen haben Angst und schotten sich ab oder werden von ihren Angehörigen abgeschottet“, so Horn-Busch.

Techniker programmieren das Gerät

So funktioniert die kontaktlose Hausnotruf-Installation: Nach einem Telefonat mit dem Kunden, in dem die persönlichen Bedürfnisse und Bedingungen abgeklärt werden, programmieren die Techniker der Hilfsorganisation das Hausnotrufgerät so, dass es nur noch an den Strom angeschlossen werden muss, damit es funktioniert – eine einfache Installation.

Gleichwohl benötigt der eine oder andere noch eine Begleitung. Die Malteser vereinbaren ein Telefonat mit dem Neukunden, beantworten Fragen und stehen ihm zur Seite beim Anschließen. Geschulte Kollegen stehen dafür zur Verfügung und helfen Schritt für Schritt. Ob dann alles klappt, kann über einen Testalarm geprüft werden.

Ein sicheres Gefühl

Der Hilferuf per Knopfdruck eröffnet vielen Menschen die Möglichkeit, selbstständig in den eigenen vier Wänden zu leben und sich dabei sicher zu fühlen.

„Deshalb wollen wir in Corona-Zeiten sicherstellen, dass jeder Interessierte den Hausnotruf ohne Kontakt bestellen und selber installieren kann“, so die Johanniter.

„Das kontaktlose Anschließen ist wirklich ganz einfach, man benötigt keine besonderen Technik-Kenntnisse“, sagt Melanie Möchel, Hausnotruf-Leiterin bei den Johannitern, die in ihrem Verband insgesamt etwa 4600 Teilnehmer haben.

Das Gerät werde ausgepackt, an die Steckdose angeschlossen und dann mit einem Knopfdruck aktiviert. Dabei kommen neue Plug-and-Play-Geräte zum Einsatz, die vor die Wohnungstür geliefert oder per Post geschickt werden. Im Paket ist eine Schnellstartanleitung enthalten.

Hilfe am Telefon oder am Fenster

Wie bei den Maltesern auch, gibt es bei den Johannitern, wenn nötig, Unterstützung am Telefon – oder eben am Fenster, wie auch für eine Dame, die dem Mitarbeiter mit einem Taschentuch winkend signalisierte, dass alles installiert war.

Das Deutsche Rote Kreuz Rhein-Sieg (DRK) bietet diesen Service nicht an. „Wir machen das lieber selber vor Ort, weil wir festgestellt haben, dass Neukunden die Installation meistens nicht alleine schaffen“, sagt Dirk Lenzen, Abteilungsleiter Hausnotruf.

Es müsse zudem vieles abgesprochen und eingerichtet werden. Rund 1600 Menschen haben beim DRK Rhein-Sieg einen Hausnotruf. „Einen größeren Bedarf in diesen Zeiten stellen wir nicht fest. Wir haben bisher auch keine Anfragen, das Gerät selber zu installieren“, sagt Lenzen.

Nur dringende Hausbesuche

Es gebe einige neu interessierte Kunden oder deren Angehörige, die vorsichtiger seien und mit der Installation lieber warten wollten, bis die Krise vorbei sei. „Gleichwohl haben wir einen hohen Hygienestandard“, so Lenzen. Verdachtsfälle bei den DRK-Kunden und -mitarbeitern gebe es derzeit nicht. „Das ist alles ganz gut zu bewältigen“, sagt Lenzen.

Das DRK mache auch keine Hausbesuche, die nicht dringend erforderlich seien. „Bei unklaren Dingen rufen wir zunächst die Angehörigen an“, so Lenzen. Vieles lasse sich auch am Telefon regeln.