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Interview: Kinderliedermacher aus Windeck: „Ich versuche, das Kind in mir zu fragen“

Interview : Kinderliedermacher aus Windeck: „Ich versuche, das Kind in mir zu fragen“

Der Windecker Künstler Dominik Merscheid veröffentlicht sein erstes Album mit Kinderliedern. Im Interview verrät er, wie die Lieder bei seiner Tochter ankommen.

Lehrer, Musiker, Liedermacher? Die Frage beantwortet Dominik Merscheid mit einem klaren Schwerpunkt auf der Musik. Der Autodidakt ist Sänger, Multiinstrumentalist und Geräuschemacher. Bereits während seines Grundschulpädagogik-Studiums stand Merscheid zusammen mit dem Comic-Autor Ferdinand Lutz bei Comic-Lesungen regelmäßig auf gesamtdeutschen Bühnen. Den atmosphärischen Events mit Liedern und Geräuschen folgten Konzert-Anfragen. Merscheid entschied sich dazu, freischaffender Künstler zu werden, auch wenn er zu diesem Zeitpunkt bereits an einer Grundschule arbeitete. Nun ermöglichte das als Corona-Hilfe vom Land NRW vergebene Künstler-Stipendium „Auf geht’s!“ dem 33-Jährigen, sein erstes Album fertigzustellen. Über seinen Werdegang, seine Vorbilder und seinen Mut sprach  Dominik Merscheid mit Susanne Haase-Mühlbauer.

Rolf Zuckowski meinte vor gut einem Jahr im GA-Interview, es gebe heute keine Kinder-Themen mehr, die nicht schon besungen wurden. Nun gehen Sie mit elf Liedern auf Ihrem Kinderlieder-Album auf den Markt. Das ist ganz schön mutig ...

Dominik Merscheid: Zuckowski hat in gewissem Sinne recht. Geburtstagslieder, Schulanfangslieder und so weiter gibt es wie Sand am Meer. Diese Themen sind für mich aber auch nicht so interessant. Meine Perspektive ist eine andere. Ich versuche, das Kind in mir zu fragen. Und dann entdecke ich Themen, die Erwachsene und Kinder gleichermaßen betreffen.

Welche Themen sind das?

Merscheid: Die Idee vom „Fliegenden Fahrrad“, das einen beschwerlichen Weg erleichtert, kam mir in der Natur bei uns zu Hause in Windeck. Mit kindlicher Fantasie gewinnt man solche Wünsche und Freiräume. Auch die Freude am Spiel wie in den Liedern „Spielst Du mit?“ oder „Komm, wir geh‘n raus“ ist so ein übergreifendes Thema. Daher auch der Titel des Albums. Das betrifft eigentlich jeden.

Sie thematisieren ja sogar den Tod eines Angehörigen auf Ihrem Album.

Merscheid: Das Wort „Tod“ kommt im Lied „Nichts mehr so wie früher“ ganz bewusst nicht vor. Es kann auch der Verlust eines Kuscheltiers oder einer Freundschaft sein. Ich habe das in der Ballade bewusst offen gehalten, um dem Hörer freie Bezugsräume zu lassen.

In Ihrer Vita heißt es, dass Sie schon immer musiziert haben. Wie kann ich mir das vorstellen?

Merscheid: Meine Eltern sind beide Hobby-Musiker. Ein Klavier und eine Gitarre standen immer wie eine Einladung offen herum. Schon in meiner Schulzeit habe ich in verschiedenen Bands gespielt und mir die Instrumente selber beigebracht. Mein Zugang zur Musik war immer über das Gehör und über das Ausprobieren.

Wer waren denn die musikalischen Helden Ihrer Kindheit?

Merscheid: Die ganze deutschsprachige Liedermacher-Szene, Rock- und Popbands der 60er und 70er Jahre. Und natürlich bin ich großer Fan der Beatles.

Alles selber im Tonstudio einzuspielen – ist das eine Tugend, die in Corona-Zeiten aus der Not heraus geboren wurde?

Merscheid: Eigentlich nicht. Ich wollte bei diesem Projekt einfach möglichst viel allein umsetzen und habe jedes Instrument und jedes Geräusch vom Pfeifen und Vogelzwitschern über Glockenspiel, Keyboards, Schlagzeug und Bass selber eingespielt und abgemischt. Und die Lieder waren auch schon vor dem Lockdown fertig.

Sie sind Vater einer siebenmonatigen Tochter. Wie kommen Ihre Lieder bei ihr an?

Merscheid: Man kann nicht früh genug loslegen mit der Musik, und ich singe ihr auch gerne spontan erdachte Lieder vor, aber für die Musik und die Texte auf dem Album ist sie wohl noch zu klein.

Was bedeutet es Ihnen persönlich, Kinderlieder zu komponieren?

Merscheid: Musik für Kinder zu machen, war für mich wie ein Befreiungsschlag. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, es gibt keine stilistischen und wenige thematische Barrieren. Ich hoffe, dass ich das Kind in mir bewahre, um aus dieser Perspektive über Freundschaft, Abschied oder Spielfreude singen zu können.

Das Album „Im Spiel“ ist auf allen großen Streaming-Plattformen sowie als CD für zwölf Euro über den Künstler unter www.dominikmerscheid.de erhältlich. Unterstützen kann man den Künstler auch durch eine Teilnahme an der Künstler-Förderplattform Patreon.