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Erster Fall von südafrikanischer Mutante im Rhein-Sieg-Kreis: Landrat sieht in Schulöffnung ein Restrisiko

Erster Fall von südafrikanischer Mutante im Rhein-Sieg-Kreis : Landrat sieht in Schulöffnung ein Restrisiko

Das Dilemma zwischen Virusbekämpfung und Notwendigkeit von Präsenzunterricht beschäftigt auch Landrat Sebastian Schuster. Unterdessen kündigt die Kassenärztliche Vereinigung mehr Impfstoffkontingente ab März an.Schuster: Dilemma zwischen Virusbekämpfung und Notwendigkeit von Präsenzunterricht. Mehr Impfstoff ab März

Landrat Sebastian Schuster formuliert es diplomatisch: „Die Öffnung von Schulen und Kindergärten ist Sache der Landesregierung und dort des Gesundheitsministers. Aber ich sehe darin eine Gefahr, dass das uns bei unseren Bemühungen, das Virus zu bekämpfen, zurückwerfen könnte.“ Andererseits sehe er den Druck, der auf Familien laste, und dass „die Menschen wirklich am Ende sind“. Er verstehe auch, dass gerade die jüngsten Schülerinnen und Schüler dringend wieder beschult werden müssten. Dennoch bliebe seine Sorge, dass die Wiedereinführung von Präsenzunterricht die Neuinfektionen befeuern könnte. Schuster: „Da gibt es durchaus ein Restrisiko, aber das ist eine landespolitische Entscheidung. Ich bin froh, dass ich die nicht treffen muss.“

No-Covid-Strategie: Der Bonner Professor für Internationale Beziehungen und globale Technologiepolitik, Professor Maximilian Mayer, wirbt für die von einer Wissenschaftler-Gruppe verschiedener Disziplinen und ihm vertretene „No-Covid-Strategie“. Sie sieht unter anderem vor, die Inzidenz noch weiter unter den Grenzwert von 35 zu drücken. Mittlerweile haben sich auch die Oberbürgermeisterinnen von Köln, Henriette Reker, und Bonn, Katja Dörner, für die No-Covid-Strategie ausgesprochen, bei der es Lockerungen erst ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von unter zehn geben soll. Wie steht Landrat Schuster dazu? „Die Situation in Kreisfreien Städten ist mit der eines Flächenkreises nicht zu vergleichen, weil die Situation bei uns nicht so einheitlich zu beurteilen ist“, sagte Schuster. Im Wesentlichen gehe es da ja um die Inzidenzzahl, die im Rhein-Sieg-Kreis von Kommune zu Kommune unterschiedlich sei. Für den Kreis sei es wichtig, vor allem die Virusvari­anten engmaschig zu clustern.

Ausbruch in Troisdorf: Auch wenn sich der Landrat bei der telefonischen Pressekonferenz am Freitag erfreut zeigt, dass der Inzidenzwert im Rhein-Sieg-Kreis trotz eines leichten Anstiegs der Zahl an Neuinfektionen immer noch unter 50 ist, Freudensprünge macht er nicht. Ein größerer Ausbruch bei einem Unternehmen in Troisdorf hat die Zahlen nochmals etwas verschlechtert. Um welchen Betrieb es da konkret geht, sagen die Behörden mit Verweis auf den Datenschutz nicht. Außerdem betont Schuster, dass der Ausbruch lokal begrenzt und für die Bevölkerung nicht relevant sei.

Die Virusmutante 3.1.1.7 ist mittlerweile 74 Mal im Kreis nachgewiesen, die südafrikanische Variante des Coronavirus kam am Freitagmittag mit einem Fall in die Statistik hinzu. Es ist der erste Fall seiner Art im Kreis.

Mehr Impfstoff: Unterdessen laufen die Impfungen im Sankt Augustiner Zentrum nach Plan, so Schuster weiter. 29 782 Impfungen sind im Kreis bereits erfolgt. Die Kassenärztliche Vereinigung habe mitgeteilt, dass es für März ein „leicht größeres Kontingent“ an Biontech-Impfstoff geben werde. Wie berichtet, wird die Impfkapazität ab 1. März verdoppelt, weil dann parallel zu den täglichen Erstimpfungen auch die Zweitimpfungen hinzukommen werden. Das bedeutet, dass in den ersten drei März-Wochen täglich 940 Impfungen vorgenommen werden, ab der vierten Märzwoche 1110. Es wird dann zehn statt bisher fünf Impfstraßen geben.

Astrazeneca: „Ich verfolge mit Sorge, dass der Impfstoff von Astrazeneca kaputtgeredet wird“, sagte Schuster. Dieser Impfstoff wird donnerstags als Sonderkontingent für besonderes Personal aus der Priorisierungsgruppe 1, 2 und 3 verimpft. 970 Dosen lägen noch vor, 1140 seien bestellt worden. Am vergangenen Donnerstag wurden dem Kreis zufolge niedergelassene Kinderärzte und Personal von onkologischen Praxen geimpft.

Impfstrategie: Schuster verweist auf eine aktuelle Stellungnahme der Landeregierung auf eine Anfrage der SPD-Landtagsfraktion über die weitere Impfstrategie hin. Er begrüße, dass das Land „so dezentral wie möglich impfen“ möchte. Demnach werde derzeit geprüft, unter anderem Impfbusse einzusetzen oder mit Schwerpunktpraxen zu arbeiten, wobei das Land Schwerpunktpraxen favorisiere. Wenn nämlich ausreichend Impfstoff zur Verfügung stehe, der in den Hausarztpraxen verimpft werden könne, soll der Impfprozess dann Schritt für Schritt in die ambulante Regelversorgung übertragen werden. Außerdem prüfe das Land auch, ob und wie Impfzentren vor Ort bei Bedarf erweitert werden könnten. Das Impfzentrum in Augustin sei indes dann am Limit, so Schuster. Daher werde für solche Fälle die Schaffung von zusätzlichen dezentralen Impfstraßen in Betracht gezogen, die dann im Rhein-Sieg-Kreis in Meckenheim denkbar wären. „Voraussetzung für all das ist aber, dass genügend Impfstoff zur Verfügung steht“, sagte Schuster. Und auch ausreichend ärztliche Ressourcen müssten durch die KV bereitgestellt werden.

Appell: Der Landrat ruft die Bevölkerung auf, weiterhin die AHA-Regeln (Abstand halten, Hände wachsen und Masken tragen) zu befolgen. „Für das Wochenende sind frühlingshafte Temperaturen angekündigt, und das wird die Menschen zu recht nach draußen ziehen. Ich bitte aber, nicht über die Strenge zu schlagen.“