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Lead City: Rhein-Sieg-Kreis hält Bus- und Bahn-Angebot aufrecht

Projekt „Lead City“ : Rhein-Sieg-Kreis will erweitertes Angebot im Nahverkehr beibehalten

Gute Nachricht für die Nutzer des Öffentlichen Nahverkehrs: Es bleibt bei den Verbesserungen, die mit dem Projekt „Lead City“ eingeführt wurden. Auch wenn der Bund die Förderung stoppt, hält der Rhein-Sieg-Kreis daran fest.

Der Rhein-Sieg-Kreis will einen Großteil der Lead-City-Maßnahmen im ÖPNV beibehalten. Das beschlossen Kreisausschuss und Kreistag am Montag und Dienstag. Die ausgedehnten Angebote auf Strecken der Stadtbahn- und Buslinien sollen auch dann beibehalten werden, wenn der Bund seine Förderung nicht verlängert. Ähnlich hatte bereits der Bonner Stadtrat entschieden.

Allein bei Bus und Bahn liegen die daraus folgenden Kosten bei rund 5,2 Millionen Euro, legte Landrat Sebastian Schuster dar. Würde man, wie von den Verkehrsbetrieben empfohlen, die Takte in den Morgenstunden an Wochenenden ausdünnen, blieben immer noch 4,9 Millionen Euro jährlich.

Fahrradmietsystem im ganzen Kreisgebiet

Hinzu kommt eine weitere Million Euro für das Betriebliche Mobilitätsmanagement, das Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis für die nächsten beiden Jahre fortführen wollen. Die Einführung eines Fahrradmietsystems und von Mobilstationen in den Nahverkehrsplan werden über die ÖPNV-Umlage finanziert.

Je nach Umfang sind das 470 000 bis 670 000 Euro pro Jahr. Die AfD lehnte lediglich die Finanzierung des Betrieblichen Mobilitätsmanagements ab.

Fakt ist, dass das erweiterte Angebot von den Nutzern gut angenommen worden ist. Entsprechende Erhebungen zeigen der Kreisverwaltung zufolge, dass „bereits nach kurzer Zeit erhebliche Fahrgaststeigerungen erreicht werden konnten“.

Je nach Linie habe es vor Ausbruch der Corona-Pandemie an Werktagen bis zu 50 Prozent Zuwachs gegeben, heißt es, am Wochenende teilweise noch mehr. Fachleute gingen gar davon aus, dass die Linien „ihr tatsächliches Potenzial erst in einigen Jahren voll abrufen werden“.

■ Linien 517, 540, 550, 551, 552, 640 und SB55 in Niederkassel, Troisdorf und Sankt Augustin: Diese Buslinien zwischen Bonn und dem rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis wurden zum Fahrplanwechsel im August 2019 vollständig überplant, um auch Ortslagen abseits der Schienenstrecken besser mit der Bonner Innenstadt zu verbinden. Aufgrund der Zuwächse, besonders auf den Linien 551 (Bonn – Troisdorf) und SB55 (Bonn – Niederkassel – Lülsdorf – Wahn) sollen die Maßnahmen „vollumfänglich beibehalten“ werden.

■ Ähnliches gilt für die Linien 520 und 537 in Königswinter.

■ Die aus Rheinbach/Heimerzheim kommende Linie 817 verkehrt seit August 2019 ab Roisdorf nach Tannenbusch anstelle nach Hersel. Die Frequenzen sollen weiter beobachtet werden.

■ Linie 845 in Alfter und Swisttal: Sie ist die wichtigste Buslinie im „schienenfernen“ Dreieck zwischen Rheinstrecke, Eifelstrecke und Voreifelbahn und verbindet dabei insbesondere die Swisttaler Ortsteile Heimerzheim, Morenhoven und Buschhoven mit der Bonner Innenstadt. Sie soll dauerhaft beibehalten werden.

Das gilt auch für die Linien 855, 856, 857 und 881 in Wachtberg und Meckenheim, die ebenfalls gut angenommen werden.

Laut einer repräsentativen Umfrage unter Fahrgästen gaben 31 Prozent an, den ÖPNV seit Einführung der ausgedehnten Angebote häufiger zu nutzen. 30 Prozent sagten, sie hätten aufgrund der Lead-City-Maßnahmen ihr mobiles Verhalten geändert.

■ Ausgedünnt werden soll der Takt an Wochenenden vor 11.30 Uhr bei den Linien 66, 520 und 604.

 Die Buslinie 537 wird auf die Schleife Heisterbacherrott verzichten.

■ Die Linien 856/857 bekommen einen gestraffter Linienweg in Bad Godesberg zur verbesserten Anbindung an die Stadtbahn und die Schulen im Pennenfeld.

■ Die neuen beziehungsweise veränderten Linien 540, 550 und 552 sollen nach Ende der pandemiebedingten Einschränkungen erneut bewertet werden, weil die Zahlen nicht repräsentativ genug waren. Erst dann will man „Optimierungsmöglichkeiten“ prüfen.

Die öffentliche Diskussion zu Lead City habe sich sehr stark auf die Tarifmaßnahmen fokussiert, so der Landrat, insbesondere auf das kontrovers gesehene 365-Euro-Ticket, das es nur für Neukunden gab. Schuster: „Bei den ÖPNV-Angebotsmaßnahmen ist die verkehrliche Wirkung dagegen eindeutig und außerordentlich wichtig angesichts der anstehenden Großbaumaßnahmen im Fernstraßennetz.“

Der Kreistag beschloss außerdem, die erste Ausbaustufe des regionalen Schnellbusnetzes in den Nahverkehrsplan aufzunehmen. Dabei handelt es sich um die Linien SB 52 Hennef – Uckerath (ab Dezember 2020) und die SB 56 Siegburg – Seelscheid – Much (ab Juli 2021).