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Erste Hilfe bei kleineren Schäden: Archive im Rhein-Sieg-Kreis erhalten Werkzeugkoffer

Erste Hilfe bei kleineren Schäden : Archive im Rhein-Sieg-Kreis erhalten Werkzeugkoffer

Die Archive im Rhein-Sieg-Kreis erhalten einen Werkzeugkoffer, um Originaldokumente reparieren zu können. Damit könne sie schnell eine erste Hilfe bei kleineren Schäden leisten.

Vorsichtig lässt Michael Korn das Miniaturbügeleisen über das Papier gleiten. Seite für Seite glättet der Archivar der Stadt Sankt Augustin die Akte, die vor ihm auf dem Tisch liegt, und bereitet sie so für die dauerhafte Archivlagerung vor. Das Glätteisen stammt aus dem Bastelladen und ist Teil eines neuen Werkzeugkoffers, den das Archivberatungs- und Fortbildungszentrum des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) zusammengestellt hat. Er enthält eine Basisausstattung an einfachen Werkzeugen, Materialien und Schutzausrüstung, mit der Archivare selbst Akten reinigen, sichern und so auf eine dauerhafte Aufbewahrung vorbereiten können. Die Arbeitsgemeinschaft (AG) der Kommunalarchive im Rhein-Sieg-Kreis ist die zweite im Rheinland, die der LVR nun mit sogenannten LVR-Conservation-Kits ausgestattet hat.

Nach dem Notfall- und Hygieneset ist es der dritte Koffer, den das LVR-Archiv- und Beratungszentrum für die Archivare im Rheinland entwickelt hat und der auch im Rhein-Sieg-Kreis zum Einsatz kommt. Doch während die beiden Vorgänger zentral im Kreisarchiv gelagert und bei Bedarf ausgeliehen werden können, geht das Conservation-Kit an jedes Mitglied der AG der Kommunalarchive im Kreis. In der AG hat sich das Kreisarchiv mit den Archiven der 19 Kreiskommunen und der Stadt Bonn zusammengeschlossen. Ein Kit hat einen Wert von 340 Euro. Das Projekt wird finanziert über die Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und das LVR-Dezernat für Kultur und Landschaftliche Kulturpflege.

„Das Set setzt an der Schnittstelle zwischen Prävention und Restauration an“, erklärt Gregor Patt vom Archiv- und Beratungszentrum. „Es ist für kleinere Reparaturen und zur Reinigung gedacht“, ergänzt LVR-Restauratorin Katharina Fahrenkamp. Risse im Papier, Eselsohren oder Übersäuerung, zählt sie die Schadensfälle auf, bei denen der Werkzeugkoffer zum Einsatz kommen kann. Bei größeren Schäden seien nach wie vor die Experten gefragt.

Materialien mit wenig Aufwand wiederbeschaffen

„Mit der präventiven Bestandserhaltung kann man späteren teuren Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten effektiv vorbeugen“, sagt Kreisarchivarin Claudia Maria Arndt, deren Team die Zusammenkunft der Arbeitsgemeinschaft organisiert hat. In einem Workshop hat Katharina Fahrenkamp den Archivaren aus den Städten und Gemeinden im Kreis und auch der Stadt Bonn im Siegburger Kreishaus gezeigt, wie sie die neuen Materialien gezielt einsetzen können. „So eine Schulung ist wichtig, um mehr Sicherheit im Umgang mit den unterschiedlichen Werkzeugen zu erlangen“, so Fahrenkamp. Der Koffer enthalte einfache Materialien und Werkzeuge, die in jedem Haushalt zu finden seien. „Die Archive sollen die Materialien mit wenig Aufwand selbst nachbeschaffen können“, so Fahrenkamp. Seitenschneider, Pinsel oder Mikrofasertuch gebe es im ganz normalen Handel.

„Am Anfang steht immer die Reinigung der Archivalien“, so Katharina Fahrenkamp. Auf die Trockenreinigung, etwa mit einem Pinsel, folge das Glätten des Papiers mit dem Minibügeleisen und, wenn nötig, auch das Reparieren von kleinen Rissen. „Die meisten Schäden stammen aus vorarchivischer Zeit, am häufigsten handelt es sich dabei um Risse“, sagt Fahrenkamp. Um diese wieder zu kitten, sei minimal invasives Arbeiten gefragt, nach dem Prinzip, weniger ist mehr. Sankt Augustins Stadtarchivar Michael Korn zeigt stellvertretend für seine Kollegen aus dem gesamten Kreis, was er während des Workshops gelernt hat und klebt einen Riss in seiner Akte.

Archive im Rhein-Sieg-Kreis können Originaldokumente erhalten

„Aus kleineren Rissen entstehen schnell größere Schäden“, verdeutlicht Katharina Fahrenkamp die Bedeutung der Arbeit, die die Archivare im Kreis ab sofort selbst erledigen können. Es gehe um den Schutz der Originale, mit wenig Materialeinsatz und so wenig Aufwand wie möglich. „Im Normalfall treffen wir auf beschädigte Akten, wenn diese umgelagert oder dauerhaft eingelagert werden“, erklärt Kreisarchivarin Claudia Arndt, wann das Conservation-Set in den kommunalen Archiven zum Einsatz kommen wird. Zum Nachschlagen enthält das Set auch ein Handbuch und über einen QR-Code können Archivare sich in einem Video ansehen, wie sie die Materialien verwenden können.

Anna Katharina Fahrenkamp zeigt Michael Korn und Jennifer Knorr vom Stadtarchiv Sankt Augustin sowie Kreiskulturdezernent Thomas Wagner richtige Techniken. Foto: Meike Böschemeyer

„Diese Werkzeugkoffer sind ein kleiner, aber sehr wichtiger Baustein, um Originaldokumente zu erhalten und damit Geschichte zu bewahren“, hebt Kreiskulturdezernent Thomas Wagner hervor. Er lobte zudem das gute und konstruktive Zusammenspiel innerhalb der AG. Das zeige, „wie sehr alle Akteure vom interkommunalen Austausch profitieren können“.

Dass die Arbeit mit dem Conservation-Kit funktioniert, kann Gregor Patt bestätigen. „Wir haben sie bereits im Kreis Mettmann erfolgreich erprobt.“ Auch künftige Projekte hat Patt bereits im Blick: „Ich könnte mir gut vorstellen, dass wir die E-Learning-Kurse weiter ausbauen.“ So könne der Aspekt lernen noch weiter gestreut werden.