Lohmar nähert sich seinem Idol Auf den Spuren von Antoine de Saint-Exupéry

Lohmar · Seit 50 Jahren begleiten Jörg Trauboth die Werke von Antoine de Saint-Exupéry. Jetzt setzt sich der Autor aus Lohmar in einer Novelle mit seinem Idol auseinander.

 Seit 50 Jahren begleiten Jörg Trauboth die Werke von Antoine de Saint-Exupéry. In seiner neuen Novelle setzt er sich mit seinem Idol auseinander.

Seit 50 Jahren begleiten Jörg Trauboth die Werke von Antoine de Saint-Exupéry. In seiner neuen Novelle setzt er sich mit seinem Idol auseinander.

Foto: Paul Kieras

Nach mehreren Sachbüchern, Thrillern und Krimis hat Jörg Trauboth jetzt eine Novelle geschrieben. Unter dem Titel „Bonjour, Saint-Ex!“ lässt der Autor aus Lohmar seinen Protagonisten Fabian die letzte Route des weltberühmten Schriftstellers und Piloten Antoine de Saint-Exupéry nachfliegen. Dabei kommt es zu einer fiktiven Begegnung zwischen Fabian und dem „Hasardeur“, wie Trauboth Saint-Exupéry nennt. „Als Pilot wird Antoine de Saint-Exupéry in der Literatur zweifellos überzeichnet“, sagt Trauboth. Mindestens sechs, zum Teil schwere und selbst verschuldete Unfälle zeichneten ihn als Flugzeugführer, der risikofreudig und undiszipliniert zugleich war.

„Als Militärpilot in den Jahren 1942 bis 1944 war er auch nach seinen eigenen Aussagen mit der neuen Militärtechnik vollkommen überfordert“, so Trauboth. Bei intensiven Recherchen zu seinem neuen Buch hat er herausgefunden, dass Saint-Exupéry den Zuschlag von General Eisenhower für fünf Flugstunden in der modernen Lightning-P 28 lediglich bekommen habe, weil er berühmt war. Am 31. Juli 1944 hob der physisch und psychisch angeschlagene Kriegspilot Major Antoine de Saint-Exupéry auf dem Flugplatz Bastia-Borgo (Korsika) mit einem Aufklärungsflugzeug Lightning P-38 ab und kehrte nicht mehr zurück.

„Wir wissen heute, dass er von seiner Flugstrecke aus unbekannten Gründen abwich und bei Marseille vor der Insel Riou abstürzte“, erzählt Trauboth. Das Wrack sei erst im Jahr 2000 gefunden und als seine Maschine identifiziert worden. Den Absturz greift er in seiner Novelle auf. Darin gibt aber ein deutscher Jagdpilot an, Saint-Exupérys Maschine abgeschossen zu haben. Jahrzehnte später fliegt dessen Sohn Fabian die Route seines Idols „Saint-Ex“ nach – ganz wie es auch Trauboth mit seinem Kleinflugzeug getan hat. Am Himmel über Frankreich kommt es zu einem dramatischen Ereignis, bei dem Fabian in ein Universum jenseits von Tod, Raum und Zeit geschleudert wird und er plötzlich einen Flügelmann an seiner Seite hat, der sich als Saint-Exupéry zu erkennen gibt.

Der Autor betont, dass ihm die Idee zum Buch nicht erst nach seinem Flug kam. „Mein Flug war der Abschluss einer langen Reise mit diesem Mann. Seine Literatur begleitet mich, seitdem ich fliege, und das ist jetzt ein halbes Jahrhundert“, sagt Trauboth. Niemand sonst habe es vermochte, die Fliegerei so wunderbar in die Literatur einzubringen. Das Flugzeug sei für Saint-Exupéry „nicht mehr als ein Werkzeug, ein Medium, um zu höheren, universalen Einsichten zu kommen“, sagt der Autor. In seinen eigenen vielen tausend Flugstunden habe gelegentlich ein Buch von „Saint-Ex“ griffbereit neben ihm gelegen und „nur ein Satz von ihm und ich war wieder bei ihm“, sagt Trauboth.

Hoher autobiografischer Anteil

Der Fabian in der Novelle hat zwei Anliegen. Zum einen will er wissen, ob sein Vater Saint-Exupéry wirklich abgeschossen hat. „Es gibt in der Tat die Aussage des ehemaligen Me-109 Piloten Horst Rippert, dass er sein Idol vom Himmel geholt habe und ein Leben lang darunter litt“, weiß Trauboth. Zum anderen will Fabian auf dem Flug seinem Idol näherkommen. „Hier bin ich mit Fabian eins“, erklärt Trauboth. Alle seine seine Bücher und auch die Novelle hätten „einen sehr hohen autobiografischen Anteil haben.“ Wie auch die von Antoine de Saint-Exupéry, der im Grunde über sein Leben schreibe.

Trauboth gelingt es erneut, ein spannungsgeladenes Buch vorzulegen, in dem er den Piloten Antoine de Saint-Exupéry entmythisiert und einen Menschen zeichnet, der sich im Leben suchte, aber nie finden konnte. Das literarische Wagnis, Historie und Fiktion zu verbinden, ist in einfühlsamer und fesselnder Weise gelungen und schafft eine neue, überraschende Nähe zu dem großen Schriftsteller des kleinen Prinzen – nach der Bibel das meistgedruckte Werk in der Welt.

„Bonjour, Saint-Ex!“ von Jörg Trauboth ist ab 1. Mai 2022 im Buchhandel (gedruckt 16,90 Euro, elektronisch 9,49 Euro) erhältlich. Bis zum 15. April kann das gebundene Buch unter www.ratio-books oder per E-Mail: info@ratio-books.de mit Signaturwunsch vorbestellt werden.

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