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Bad Honnef: Fathima ermöglicht Mädchen in Burkina Faso eine Ausbildung

„Fathima“ schafft Perspektiven : Bad Honnefer Verein ermöglicht Mädchen in Burkina Faso eine Ausbildung

Mit Nähmaschinen fing alles an: Der Honnefer Verein „Fathima“ schafft Perspektiven für junge Menschen in dem afrikanischen Land.

„Fathima“ ist zwar nur ein kleiner Honnefer Verein – aber er ermöglicht etlichen jungen Mädchen in Burkina Faso eine Ausbildung. Sie können sich danach in ihrer Heimatregion auf eigene Beine stellen.

Winfried Barczaitis aus Aegidienberg hat ein Bild vor Augen – ein Sandstrand, an dem ein Schwarm von Fischen strandet. Ein Mädchen greift sich einen Fisch nach dem anderen, um ihn zurück ins rettende Wasser gleiten zu lassen. Ein Augenzeuge weist es darauf hin, dass diese Aktion bei der Vielzahl von Fischen nicht von Bedeutung ist. Das Kind erwidert: „Für den einzelnen Fisch schon.“ Barczaitis sagt es noch anders: „Wir werden die Welt nicht ändern, aber jede junge Frau, die durch unser Projekt ein vernünftiges Leben in ihrem Land führen kann, ist die Sache wert.“

 Einen Brunnen bauen diese jungen Mädchen, um die Äcker an der landwirtschaftlich-technische Schule zu bewirtschaften. 
Einen Brunnen bauen diese jungen Mädchen, um die Äcker an der landwirtschaftlich-technische Schule zu bewirtschaften.  Foto: Fathima

2009 wurde „Fathima“, die Bezeichnung steht für „Förderverein Agro-Technischer und Handwerklicher Initiativen für Mädchen in Afrika“, von einem Entwicklungshelfer initiiert. Nach einem tragischen Geschick des Gründungsvaters übernahm Winfried Barczaitis kommissarisch den Vorstandsvorsitz. Mit seiner Frau Brigitte lebt der Reisebürokaufmann seit 1980 in Aegidienberg. Die beiden riefen einen Familienkreis mit ins Leben, der sich bereits für Projekte in Äthiopien und Brasilien einsetzte.

 Mechanische Nähmaschinen aus Bad Honnef und Umgebung helfen in Burkina Faso dabei, den Beruf der Schneiderin zu erlernen.
Mechanische Nähmaschinen aus Bad Honnef und Umgebung helfen in Burkina Faso dabei, den Beruf der Schneiderin zu erlernen. Foto: Fathima

Über einen GA-Beitrag erfuhren sie von der Existenz des Vereins „Fathima“. Die klassische Hilfe zur Selbsthilfe über einen lokalen Verein in Afrika sprach die Familienkreis-Mitglieder an. Sie setzten sich mit dem Gründer in Verbindung und unterstützten fürderhin diese 2009 in der eigenen Stadt ins Leben gerufene Hilfsaktion. Barczaitis nennt den besonderen Anreiz: „Hundert Prozent der Spenden – eine Mischung aus Geld- und Sachspenden – fließen in die Projekte.“

Mit Nähmaschinen fing alles an, mittlerweile sind auch Fahrräder begehrt. Denn es gibt inzwischen mehrere Ausbildungsgänge für Mädchen, inklusive den der Zweiradmechanikerin. Der Ausgangspunkt war allerdings schmerzlich. Das Dorf Kassan litt unter Landflucht. Mädchen zogen in die 200 Kilometer entfernte Hauptstadt Ouagadougou. Ohne Beruf liefen sie jedoch Gefahr, in dem Großstadt-Dschungel ausgebeutet, versklavt oder gar prostituiert zu werden. Als sich eine 14-Jährige aus Kassan aus Verzweiflung das Leben nahm – und sie war leider nicht die Einzige –, organisierten sich Eltern des Dorfes, gründeten den Verein „Kônlêkoûn“ und setzten sich das Ziel, Bleibeperspektiven zu schaffen.

Fathima in Bad Honnef unterstützt das Ausbildungszentrum

Und da kam „Fathima“ aus Bad Honnef ins Spiel. Der Verein unterstützte das in Kassan gegründete Ausbildungszentrum. Ein Tiefbrunnen wurde mit Hilfe aus dem Siebengebirge gebaut, ebenso ein Nähatelier. Getreidemühle und Seifenpressen kamen hinzu, um die Mädchen im Nähen, im Gemüseanbau und in Hygiene zu unterrichten. Dieses Projekt ist inzwischen in die lokale Selbstverwaltung und Eigenfinanzierung übergegangen.

Ein großes Anliegen ist die Unterstützung der Selbsthilfeorganisation „Benkadi“, die eine landwirtschaftlich-technische Schule errichtete – für Mädchen aus zehn umliegenden Dörfern von Gosson im Nordwesten des Landes. Sie ermöglicht eine zweijährige Ausbildung in Viehzucht und Ackerbau sowie in Handwerk, Nähen, Weben und Familienhygiene. Auch Flüchtlinge aus Mali sind darunter, was der Integration dient. Die Nähe zu dem benachbarten Krisenstaat führte dazu, dass das Mädchen-Internat wegen der islamistischen Terroristen in die Kreisstadt Tougan mit 25 000 Einwohnern verlegt wurde.

Die jungen Frauen, die alle bereits mit einem Schulabschluss haben, bewirtschaften die Äcker, säen und ernten, mahlen Getreide, betreuen das Vieh, haben auch Hühner, kochen ein, verkaufen die Waren im Hofladen. Auch das Bierbrauen gehört zur Ausbildung. Die Schülerinnen werden in die Geheimnisse des Webens und Nähens eingeführt. „Während es dort recht gute Webstühle gibt, sorgen wir für Nähmaschinen“, erzählt Winfried Barczaitis. Vor allem mechanische Maschinen, die vielleicht noch auf dem Speicher stehen, sind willkommen. „Wir holen die Maschinen auch im Umkreis von plus/minus 80 Kilometern rund um Bad Honnef ab“, sagt er.

Aber wie gelangt alles nach Afrika? „Fathima“ erwirbt einen gebrauchten Lastwagen, darin werden Nähmaschinen und andere Spenden wie zum Beispiel Einweckgläser verstaut, das Fahrzeug wird in Antwerpen verschifft. Barczaitis: „In Ghana wird der Wagen abgeholt und über 1000 Kilometer ins Land gefahren.“ Nach dem Abladen wird der Lkw verkauft – der Erlös fließt in den Schulbetrieb.

Nach Abschluss der Ausbildung erhalten die Mädchen ein „Startguthaben“ – ihre Nähmaschine, Saatgut und andere Utensilien wie Hühnerdraht sowie 30 bis 40 Euro in Landeswährung. Und einen Auftrag: In ihrem Dorf sollen sie ihr Wissen weitergeben. „Die Frauen bleiben bei der Stange, wir haben eine Abschlussquote von über 80 Prozent“, zieht Barczaitis positive Bilanz. „Derzeit haben wir dort 50 Mädchen in der Ausbildung.“

2025 geht der landwirtschaftliche Betrieb in Eigenfinanzierung

„Fathima“ kümmert sich noch um ein weiteres Projekt. Die regionale Entwicklungsgesellschaft „ADE“ fördert die Berufsausbildung in Fada N’Gourma im Osten des Landes. Gezielt erhalten dort Mädchen die Chance, einen technischen Beruf wie Schlosserin, Schweißerin, Auto- oder Zweiradmechanikerin zu ergreifen, der sie in die Lage versetzt, ein eigenes Unternehmen zu führen. Der „ADE“-Gründer hat in Frankreich Management und Soziologie studiert und einen Freundeskreis, der jungen Frauen, die kein Schulgeld zahlen können, eine Lehre vermittelt.

„Wir haben einen Lastwagen voller Fahrräder hingeschickt. Fahrradhändler Jürgen Borens stiftete einen kompletten Werkzeugtrolley.“ Die Räder werden von den Schülern repariert. Pro Stück können so um die 50 Euro Erlös erzielt werden. „20 Mädchen beenden pro Jahr ihre Ausbildung. So haben bisher fast 80 junge Frauen eine Perspektive erhalten.“

Ein Ehepaar aus dem Verein wird vo, Rheinland nach Burkina Faso ziehen und sich dort in Sachen „Fathima“ engagieren. Winfried Barczaitis: „Geplant war, noch mehr Projekte anzugehen. Aber wir möchten lieber die bestehenden auf noch stabilere Beine stellen.“ Die aktuelle Situation, nach dem Militärputsch, wird sorgfältig beobachtet. In ständigem Kontakt mit „ADE“ und „Benkadi“ stellt sich bisher heraus, dass die „Fathima“-Projekte nicht durch Terroristen oder andere Kriminelle gefährdet sind. Barczaitis: „Im Gegenteil, unsere Unterstützung ist wichtiger denn je.“