Verhandlung vor dem Bonner Landgericht Wider Willen ein Fachwerkhaus gekauft

Eitorf/Bonn · Zwei Jahre nach dem Kauf eines vermeintlich massiv gebauten Eigenheims in Eitorf entdeckt der 29-Jährige Eigentümer: In Wirklichkeit handelt es sich um ein Fachwerkhaus. Nun wurde der Fall vor dem Bonner Landgericht verhandelt.

 Vor dem Bonner Landgericht hat ein 29-jähriger Hauseigentümer jetzt 12 000 Euro Schadensersatz zugesprochen bekommen. 

Vor dem Bonner Landgericht hat ein 29-jähriger Hauseigentümer jetzt 12 000 Euro Schadensersatz zugesprochen bekommen. 

Foto: dpa/Oliver Berg

 Wenn sie im vergangenen Herbst auf den Vergleichsvorschlag der Richterin eingegangen wäre, hätte die Beklagte sich gut und gerne ein paar Tausend Euro sparen können: Nun hat eine Zivilrichterin am Bonner Landgericht die 32-Jährige verurteilt, dem 29-jährigen Käufer ihres Hauses in Eitorf 12 898,74 Euro Schadenersatz zu zahlen. Der Mann war vor Gericht gezogen, nachdem er im vergangenen Frühjahr entdeckte hatte, dass es sich bei dem von der Beklagten erworbenen und angeblich in Massivbauweise errichteten Gebäude in Wirklichkeit um ein Fachwerkhaus handelte.

Im Zuge von Renovierungsarbeiten hatte der Kläger knapp zwei Jahre nach dem Einzug statt der erwarteten massiven Mauer unter dem Putz feuchten Lehm entdeckt. Schnell war klar, dass sämtliche Wände in Fachwerk errichtet worden waren. Und damit nicht genug: Als er der Ursache des Feuchtigkeitsschadens auf den Grund ging, stellte er auch noch fest, dass eine Zwischendecke nicht sachgerecht eingebaut worden war. Nun hätte der Kläger durchaus vom ursprünglichen Kaufvertrag zurücktreten können; ein Schritt den er aber nicht gehen mochte, weil ihm das Objekt trotz des klaren Mangels immer noch gefiel.

Eigentümer entdeckt feuchten Lehm unter dem Putz sowie eine nicht sachgerecht eingebaute Zwischendecke

So trat er den Gang vor Gericht einzig mit dem Ziel an, sich das Geld für die Instandsetzung der Zwischendecke von der Verkäuferin zurückzuholen. Und das mit Erfolg. Die frühere Besitzerin hatte seinerzeit einen Makler mit dem Verkauf des Objekts beauftragt und in dem von ihr aber abgesegneten Exposé wurde für einen Verkaufspreis von 125 000 Euro explizit ein Massivhaus zum Verkauf angeboten. Die Decke habe seinerzeit ihr Mann eingezogen, nachdem sie das Haus erstanden habe. Er habe die Decke aber nicht völlig neu geplant, sondern nur eine alte Vorgängerkonstruktion ausgetauscht, hatte sich die Beklagte während des Gütetermins im vergangenen Herbst geäußert.

Beklagte hatte im Herbst 2021 einen Vergleich über 10 000 Euro abgelehnt

Entscheidend war für die Richterin aber nur die Tatsache, dass die Verkäuferin „ins Blaue hinein“ behauptet habe, dass es sich bei dem Gebäude um einen Massivbau handele und auch die entsprechende Stelle im Exposé freigegeben habe. Obwohl im notariellen Kaufvertrag ein Gewährleistungsausschluss festgeschrieben wurde und dort auch nicht mehr die Rede von einem Massivhaus war, habe sich der Käufer auf diese Information verlassen dürfen. Den Vorschlag der Richterin sich mit dem Käufer zu vergleichen und 10 000 Euro zu zahlen, hatte die Beklagte im Herbst abgelehnt.

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