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Fachwerkhaus in Lohmar: Bürgerinitiative restauriert den Fischerhof

Fachwerkhaus in Lohmar : Bürgerinitiative restauriert den Fischerhof

Erklärtes Ziel des gleichnamigen Vereins: Das Westerwälder Fachwerk soll Weltkulturerbe werden. Das Denkmal im Naafbachtal wollen sie als Domizil nutzen. Fachwerkexperte Hans-Georg Holzhauer dokumentiert den Baufortschritt.

Er ist Fachmann für Fachwerk und hat es sich zur Aufgabe gemacht, für den Erhalt von Fachwerkhäusern zu kämpfen. „Die einfache Bauweise fasziniert mich einfach“, sagt Hans-Georg Holzhauer. 35.000 Fotos von rund 8000 Fachwerkhäusern, vornehmlich im Westerwald, hat der Hennefer in seinem Archiv. Und er hat sogar eine Anleitung geschrieben. „Fachwerk reparieren und instand setzen“ lautet der Titel. Seit mehr als 30 Jahren ist er mit seiner Kamera unterwegs. An diesem Tag fotografiert er den Fischerhof in Höffen, einem kleinen lauschigen Lohmarer Höhenort.

Am Rand der Ortschaft im Aiselsfeld steht ein kleines Ensemble von bereits restaurierten und bewohnten Fachwerkhäusern mit liebevoll angelegten Gärten. Der Fischerhof indes stand 20 Jahre leer und verfiel zusehends, bis sich die Bürgerinitiative zum Erhalt des Naafbachtals entschloss, sich um das alte denkmalgeschützte und sanierungsbedürftige Haus zu kümmern und es zu restaurieren. Dafür gab es sogar einen Zuschuss von der Nordrhein-Westfalen-Stiftung in Höhe von 242.000 Euro. Das Haus soll nun mit dem Geld zur natur- und heimatkundlichen Informationsstelle im Naafbachtal ausgebaut werden und zudem als Rastplatz für Wanderer dienen.

Und die Restaurierung ist schon weit fortgeschritten, von außen zumindest, denn nach zwei Jahren Arbeit erstrahlt die Fassade, die im klassischen bergischen Fachwerk gefertigt wurde, in neuem Glanz. An der Wetterseite ist die Wand zum besseren Schutz mit Lärchenholz verkleidet.

Das Haus wurde etwa vor 130 Jahren von der Familie Fischer gebaut und sollte schon abgerissen werden. Doch die Bürgerinitiative setzte sich mit Unterstützung der Stadt Lohmar erfolgreich für den Erhalt ein. „Es wäre einfach schade, wenn Fachwerkhäuser aus den Dörfern und Städten verschwinden“, sagt Holzhauer mit Blick auf die fertiggestellte Fassade. „Das sieht doch toll aus.“

Seine Ziele und der seines vor zehn Jahren gegründeten Vereins Westerwälder Fachwerk: Das Westerwälder Fachwerk soll Weltkulturerbe werden, und er will die Menschen vom Wert und Wohnklima des Fachwerks überzeugen. „Mit Lehm wurden schon im alten Ägypten Häuser gebaut“, erzählt Holzhauer. Es gebe sogar in Kassel einen Lehrstuhl für Lehmbau. „Studenten reisen von dort nach Afrika, um den Menschen dort wieder Lehmbau beizubringen, weil sie es vergessen haben.“

Dass das Fachwerk hierzulande in Vergessenheit gerät, will der 75-Jährige mit seinen Dokumentationen und seinem Engagement verhindern. „Fachwerk ist doch unser altes Kulturgut. Das darf man nicht vergammeln lassen.“

So denkt auch Frank Miebach, Vorsitzender der Bürgerinitiative zum Erhalt des Naafbachtals, die den Fischerhof vom Aggerverband gepachtet hat. „Für mindestens 30 Jahre“, sagt Miebach. Der Aggerverband habe eine Talsperre bauen wollen, wovon auch der Fischerhof betroffen gewesen wäre. Er konnte aber nach Protesten der Bürger vor dem Bagger gerettet werden. „Der Plan ist bisher nicht verwirklicht worden.“ Wenngleich trotz des harten Kampfes der Initiative in den 70er, 80er und 90er Jahren zum Schutz des Naafbachtales Eigentümer von Häusern, Höfen und Grundstücken ihre Immobilien und Flächen verkauften. Darunter auch viele alte bergische Fachwerkhäuser, die, obwohl zum Teil unter Denkmalschutz gestellt, abgerissen wurden. Andere Häuser wiederum wurden verlassen und waren damit dem Verfall ausgesetzt wie der Fischerhof.

Der soll nun der Bürgerinitiative als Domizil dienen, unter anderem auch für Wanderausstellungen. „Geplant ist auch noch ein Anbau sowie ein Vordach, und auf dem Dachboden wollen wir Nistkästen anlegen“, sagt Miebach. Die Innenarbeiten können jetzt beginnen. „Auch die Innenwände werden im Lehmbau erstellt und verputzt“, sagt Miebach, der mit dem bisherigen Verlauf der Restaurierung sehr zufrieden ist. „Unser Lehmbauer Martin Overath und die Zimmerei Latus haben mit viel Herzblut an dem Projekt gearbeitet.“ Wenn alles gut läuft und die Anschlüsse für das Haus gelegt sind, hofft Miebach auf eine Fertigstellung Mitte 2021. Die Finanzierung sei gesichert. „Unseren Anteil an den Kosten in Höhe von 20 Prozent haben wir zusammen.“ Und die Initi­ative wolle weiter wachsam sein. Noch immer ist die Naafbachtalperre im Landesentwicklungsplan NRW vorgesehen.