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Corona-Krise: Reisebüro in Neunkirchen wird zum Secondhand-Laden

Kreativ durch die Krise : Neunkirchener Reisebüro bietet auch Secondhand-Mode

Was tun, wenn die Urlauber nicht mehr verreisen? Carmen Schiffer-Kessler hat ihr City-Reisebüro umfunktioniert. Ein Teil ihres Geschäfts ist zur Secondhand-Boutique geworden.

Die Tourismusbranche ist bekanntlich hart von der Corona-Krise betroffen. 11.000 Reisebüros und 2300 Veranstalter verzeichnen laut dem Deutschen Reiseverband (DRV) seit März einen Umsatzrückgang von rund 80 Prozent. Die Menschen reisen in diesen Zeiten kaum noch. Für die Branche heißt das: Wer Überleben will, muss kreative Ideen entwickeln. An denen mangelt es Carmen Schiffer-Kessler nicht. Seit Montag betreibt die Reisekauffrau in ihrem alteingesessenen Reisebüro an der Neunkirchener Hauptstraße eine Secondhand-Boutique.

„Ich will nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern positiv bleiben“, begründet die Geschäftsfrau ihr Engagement. Bereits seit 30 Jahren betreibt sie ihr City Reisebüro C. Schiffer, doch „langsam wird’s eng“, wie sie sagt. „Ich möchte mein Unternehmen durch die Krise bringen – mit allen Mitarbeitern und in gewohnter Qualität“, betont die Tourismus-Expertin.

Die zündende Idee kam im Kundengespräch

So setzte sie sich mit ihren langjährigen Mitarbeitern – vier an Zahl, darunter eine Auszubildende – zusammen und sann auf Überlebensstrategien. Die Idee zur Secondhand-Boutique kam ihr durch eine Kundin. Diese hatte bedauert, dass es vor Ort keinen schönen Secondhand-Laden gibt. Das traf Schiffer-Kesslers Nerv, denn die Geschäftsfrau setzt selbst schon seit Jahren auf Nachhaltigkeit. „Warum nicht das probieren?“, fragte sie sich.

Gemeinsam mit ihren Mitarbeiterinnen, die zurzeit in Kurzarbeit sind, räumte sie kurzerhand einen Schreibtisch weg und stattete den linken Teil ihres Geschäfts mit Kleiderständern und -regalen aus. Sie richtete eine Umkleidekabine ein und besorgte zwei große Spiegel.

Die Kunden finden’s toll

„Travel & Fashion“ ist der Name ihres neuen Geschäftsmodells, das schon am Eröffnungstag auf positive Resonanz bei den Kunden stieß. Sogar Bürgermeisterin Nicole Berka war vor Ort, um sich in dem ungewöhnlichen Geschäft umzuschauen. „Wir nehmen nichts in Kommission, sondern verkaufen nur hochwertige Secondhand-Mode und Marken. Darum nennen wir uns auch Boutique“, erklärt Kessler-Schiffer.

Mit einer Mitarbeiterin teilt sie sich die Arbeitszeit im neuen Laden. Ihre Öffnungszeiten variieren zwischen vormittags und nachmittags. „Das steht jeweils an der Tür oder bei Facebook“, so Carmen Kessler-Schiffer, die damit auch beim Nikolaus-Shopping am zweiten Adventswochenende teilnimmt.