Kreisfeuerwehrverband Feuerwehr zieht auf der Delegiertenkonferenz Bilanz zur Hochwasserhilfe

RHEIN-SIEG-KREIS · Eindrücke von der Katastrophenhilfe beim Hochwasser im Juni hat der Kreisfeuerwehrverband bei seiner Delegiertenversammlung in Neunkirchen-Seelscheid gegeben. Einsatzkräfte aus dem Kreisgebiet waren gen Osten geeilt, um dort zu helfen. Dirk Engstenberg, Chef der Freiwilligen Feuerwehr in Sankt Augustin, war überrascht, als am 6.Juni um 8 Uhr sein Telefon klingelte.

 "Die Konzepte haben gegriffen", sagt Walter Jonas.

"Die Konzepte haben gegriffen", sagt Walter Jonas.

Foto: Andreas Dyck

Zwar ließ die Hochwasserlage in Deutschland erwarten, dass Hilfe aus NRW angefordert werden würde. Doch dann erfuhr der Feuerwehrführer aus Sankt Augustin: Er wurde zur MoFüst, Stufe III, nach Leverkusen einberufen. MoFüst bedeutet "Mobile Führungsunterstützung" und ist ein Konzept, das nach dem Hochwasser von 2002 entwickelt wurde. Führungskräfte der Feuerwehren werden in ein Krisengebiet gesendet, um dort bei der Koordination zu helfen. Stufe III bedeutet die gänzliche Übernahme einer Einsatzleitung. "Ich hätte nie gedacht, dass Stufe III jemals zum Einsatz kommt", so Engstenberg.

Ein Konvoi aus 40 Fahrzeugen und 150 Helfern aus dem Kreisgebiet war zusammen mit Helfern aus ganz NRW nach Ostdeutschland gestartet. Engstenberg und fünf weitere Kollegen übernahmen die Einsatzleitung im Westen von Magdeburg. Gleichzeitig war Frank Lindenberg, Wehrführer aus Lohmar, mit mehr als 60 Feuerwehrleuten aus Bonn und dem Kreis nach Stendal ausgerückt. Die Lage vor Ort war dramatisch. In Magdeburg erreichte das Hochwasser 7,47 Meter. Im Jahr 2002 waren es noch 6,69 Meter gewesen.

Während die heimischen Einsatzkräfte die Grundversorgung übernahmen, koordinierten Engstenberg und seine Kollegen die Katastrophenhilfe. Wie etwa am Deich Pechau, den die Helfer unter Einsatz ihrer Kräfte hielten. "Wenn man dort über die Deichkrone ging, war es, als liefe man über Pudding", so Engstenberg. Gefährlich wurde es auch am Industriehafen. Dort mussten die Helfer ein Kraftwerk und eine Polizeistation schützen. Mehr als eine Million Sandsäcke wurden verteilt, um die Gefahr abzuwenden.

Dennoch suchte sich das Wasser seine Wege in die Stadt. Fotos zeigen riesige Windräder, Bahnstrecken und Hochhäuser inmitten einer Landschaft aus Wasser. Auch Frank Lindenberg und die vierte Bereitschaft aus dem Köln-Bonner Raum hatten in Stendal alle Hände voll zu tun. "Das Wasser kam von oben und von unten", so Lindenberg. Die Helfer kämpften nicht nur gegen das Wasser, sondern auch gegen eiskalte Nächte und eine Mückenplage.

Am Ende zeigten sich die Verantwortlichen sehr zufrieden. "2002 hatten wir noch nicht die nötigen Strukturen, um unsere Einheiten gen Osten zu schicken", sagte Kreisbrandmeister Walter Jonas. Doch dieses Mal waren die Einsatzkräfte vorbereitet. "Die Katastrophenschutzkonzepte des Landes NRW haben gegriffen", so Jonas. Die länderübergreifende Unterstützung habe funktioniert.

Bilanz des Einsatzjahres
Die Feuerwehr zog bei ihrem Kreisfeuerwehrtreffen auch Bilanz für das Einsatzjahr 2012. Demnach mussten die Feuerwehrleute mehr als 1000 Mal ausrücken, um Brände im Kreis zu löschen. Dazu gehörten etwa ein Großbrand einer Bettenfirma in Sankt Augustin im November und der Brand einer Fabrikhalle in Windeck im Januar. Im Schnitt hatte die Feuerwehr also drei Brandeinsätze pro Tag.

Außerdem wurden die Einsatzkräfte 3500 Mal gerufen, um technische Hilfe zu leisten. Etwa, um eingeklemmte Personen aus Fahrzeugen zu befreien. Die rund 5600 Mitglieder des Kreisfeuerwehrverbands sind dabei stark angewiesen auf die Helfer der Freiwilligen Feuerwehr, die mehr als 3000 Mitglieder stark ist. Bei der Jugendfeuerwehr haben sich 2012 rund 1170 Mitglieder engagiert.

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