Attacke mit Cutter-Messer Angeklagter kam vor der Urteilsverkündung ins Krankenhaus

Ruppichteroth/Bonn · Er ging im Bus mit einem Cutter-Messer auf einen anderen Fahrgast los. Das Verfahren gegen den 49-Jährigen aus Ruppichteroth ist aber immer noch nicht zu Ende.

Urteil vor dem Landgericht Bonn verschoben: Der Angeklagte musste vorher ins Krankehaus gebracht werden. (Symbolbild)

Urteil vor dem Landgericht Bonn verschoben: Der Angeklagte musste vorher ins Krankehaus gebracht werden. (Symbolbild)

Foto: dpa/Oliver Berg

Wie bereits zum Auftakt des Verfahrens warteten sämtliche Beteiligte auch zur geplanten Urteilsverkündung wieder auf den Angeklagten. Der 49-jährige Mann aus Ruppichteroth hat offenkundig ein gewaltiges Alkohol- und Drogenproblem. Während er zum Prozessbeginn vor Wochenfrist noch von zwei Polizeibeamten nach einer rund zweistündigen Verzögerung vorgeführt werden konnte, ging nun nichts mehr: Nach den Plädoyers hatte die Vorsitzende Richterin eine Pause angesetzt und kurz vor deren Ablauf wurde der 49-Jährige mit dem Rettungswagen in das Marienhospital gefahren. Während er mit seinem Anwalt Christoph Wahlefeld auf einer Mauer im Freien die Mittagssonne genoss, klagte der Angeklagte plötzlich über Übelkeit.

Auf einer Busfahrt zwischen Ruppichteroth und dem zu Nümbrecht gehörigen 320-Seelen-Örtchen Benroth war der 49-Jährige alkoholisiert mit einem Bekannten aneinandergeraten. Laut Anklage stach er mit einem Cutter-Messer in Richtung seines Kontrahenten. Der Mann wurde aber nicht verletzt und nur seine Jacke wurde in Mitleidenschaft gezogen.

Wäre der Mann vorsätzlich nicht vor Gericht erschienen, hätten die Richter der 11. Großen Strafkammer unter dem Vorsitz von Richterin Isabel Köhne das Urteil auch in dessen Abwesenheit verkünden können. Gesundheitliche Probleme – auch, wenn sie dem Alkohol- oder Drogenmissbrauch geschuldet wären – machen aber eine Verschiebung der Urteilsverkündung unumgänglich.

Urteil in der kommenden Woche

Das größte Damoklesschwert, das über dem Angeklagten schwebte, scheint sich aber inzwischen in Luft aufgelöst zu haben: Dem Angeklagten drohte nämlich die dauerhafte Unterbringung in der Psychiatrie. Unisono plädierte aber sowohl die Vertreterin der Staatsanwaltschaft als auch Verteidiger Wahlefeld auf eine zehnmonatige Freiheitsstrafe. Die hohen Voraussetzungen, die der Gesetzgeber an die dauerhafte Unterbringung geknüpft hat, liegen nach übereinstimmender Ansicht von Anklage und Verteidigung nicht vor. Grundsätzlich ist das Gericht aber natürlich frei in seiner Entscheidung. Sollte die Kammer den Angeklagten aber ebenfalls für schuldfähig halten; bliebe die spannendste Frage, ob die Strafe wie von seinem Anwalt gefordert zur Bewährung ausgesetzt werden kann.

Die ihm vorgeworfenen Taten hatte der Angeklagte gleich nach dem verspäteten Prozessbeginn unumwunden zugegeben. Er sei wütend gewesen, weil er sich von dem Bekannten erniedrigt gefühlt habe. Zeugen benachrichtigten nach dem Vorfall sofort die Polizei. Bei der Festnahme wurde ein Alkohol- und Drogentest durchgeführt, der einen Blutalkoholwert von 1,87 Promille ergab. Außerdem hatte der Mann Psychopharmaka genommen und gekifft. Das Urteil soll nun in der kommenden Woche verkündet werden.

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