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Heiraten in der Corona-Krise: Brautpaare verschieben Hochzeiten ins nächste Jahr

Trauungen werden verschoben : Wie Brautpaare im Rhein-Sieg-Kreis mit der Corona-Krise umgehen

Die meisten für 2020 geplanten Hochzeiten im Rhein-Sieg-Kreis sind auf das nächste Jahr verschoben worden. Besonders die Gastronomie, die Familienfeiern ausrichtet, leidet unter dem Wegfall der Einnahmen.

Ein Virus macht auch vor der Liebe nicht halt. Das gilt zumindest in Bezug auf den schönsten Tag im Leben: die Hochzeit. Im April dieses Jahres wurden in Nordrhein-Westfalen 38 Prozent weniger Ehen geschlossen als im Vorjahres-Monat. Trotzdem gab es immerhin noch 3771 Paare, die sich von der Corona-Krise nicht abhalten ließen und sich das Ja-Wort gaben, wie das Statistische Landesamt mitteilt. Viele Brautpaare haben ihre Hochzeit jedoch auf das nächste Jahr verschoben, wobei dies mehr die kirchlichen, als die standesamtlichen Trauungen betrifft, wie einige Standesämter bestätigen.

„Elf Paare haben ihre Trauung eigenständig verschoben. Vier davon finden im nächsten Jahr statt“, berichtete Christine Pfalz vom Standesamt Bad Honnef. Dass es dann im kommenden Jahr mit freien Terminen problematisch werden könnte, sieht die Pressesprecherin nicht: „Wir haben genug Standesbeamte.“ Zudem seien Trauungen derzeit ja auch wieder möglich, insbesondere in den Außenstellen wie etwa im historischen Ratssaal oder Bischofssaal.

In Königswinter wurden zwischen Januar und Juli etwa 20 Prozent weniger Trauungen durchgeführt. „Verschiedene Brautleute haben die Trauungen auf die zweite Jahreshälfte oder auf nächstes Jahr verlegt“, berichtet Ute Kluth. In den Außenstellen würden aber seit Mitte Mai wieder Trauungen durchgeführt, Terminreservierungen für das nächste Jahr würden wie immer ab Ende August vergeben, teilt die Standesbeamtin mit.

Die Gäste haben Bedenken

Weniger rosig sieht es bei Veranstaltungsorten wie etwa der Niederpleiser Mühle aus, die zu den Außenstellen des Standesamts Sankt Augustin gehört. „Normalerweise haben wir 165 Hochzeiten im Jahr“, sagt Manuela Weber, die das Veranstaltungslokal zusammen mit ihrem Mann Bruno Weber betreibt. Ab März sei alles abgesagt worden. „Die Gäste haben Bedenken und gehen mit ihrer Feier lieber ins nächste Jahr“, so Manuela Weber, die mit Umsatzeinbußen aus sechs Monaten zu kämpfen hat. Das Restaurant läuft zwar wieder, aber auch Geburtstage und Goldhochzeiten wurden abgesagt. „Allerdings fanden jetzt wieder Trauerfeiern statt“, sagt die Pächterin, die Gesellschaften bis zu 140 Gästen bewirten kann.

Ein perfekter Ort für die Hochzeit: Die Niederpleiser Mühle in Sankt Augustin ist in normalen Zeiten ein viel gefragter Ort für Trauungen und anschließender Feier. Vor sechs Monaten brachen die Umsätze ein, heißt es. Foto: Meike Böschemeyer/MEIKE BOESCHEMEYER

In der Burg Heimerzheim geht es ab August wieder los mit den Hochzeitsfeiern, standesamtliche Trauungen finden indes bereits statt. „Wir sind relativ gut gebucht“, sagt Daria Gerharz, nachdem zwischen April und Juli alles ausgefallen war. Viele seien jetzt auch auf Freitage ausgewichen, da die Burg Heimerzheim keine zusätzlichen Termine für die zweite Jahreshälfte vergeben könne. „Die Reservierungen reichen bereits bis 2022, wobei einige Paare etwas zögerlich sind, da ihre finanzielle Situation wegen Kurzarbeit nicht absehbar ist“, sagt die Reservierungsleiterin. Normalerweise finden in der Burg etwa zwölf Hochzeiten im Monat statt.

Halb so viele Hochzeiten wie sonst verzeichnet die Pfarreien-Gemeinschaft Meckenheim. Gemäß Pastor Reinhold Malcherek gab es etwa fünf bis sechs Absagen oder Verschiebungen der zwischen zehn und 15 Hochzeiten im Jahr. „Die erste hat am 18. Juli jetzt wieder stattgefunden“, so der Leitende Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde.

Die Paare hängen in der Luft

Auch im Evangelischen Kirchenkreis an Rhein und Sieg wurden die meisten Trauungen auf das nächste Jahr umgebucht. Die Zahlen sind indes nicht eingebrochen, sondern „durchschnittlich“, wie Anna Neumann berichtet. Schwierig sei die Situation durchaus. „Die Paare hängen in der Luft“, zitiert die Öffentlichkeitsreferentin eine Gemeindepfarrerin. In Oberpleis werde es im August eine Trauung geben, ebenso in Siegburg, ansonsten gelte, dass die Trauungen auf das nächste Jahr umterminiert seien, so Neumann.

Pfarrer Jens Römmer-Collmann aus Niederkassel berichtet indes: „Ich habe in diesem Jahr insgesamt nicht weniger Trauungen – es ist eine recht normale Anzahl.“ Er hat acht Trauungen, eine war noch am 7. März, zwei sind auf den Herbst, eine auf Sommer 2021 verlegt. Vier Trauungen sind wie geplant für Spätsommer und Herbst vorgesehen. „Es wird auch irgendwie gefeiert“, so seine Einschätzung.

Das ist auch so bei Felix und Anna. Sie hätten am kommenden Wochenende mit 80 bis 100 Gästen in Unkel feiern wollen. Jetzt heiraten sie „rein behördlich“, wie Felix sagt, und feiern im kleinen Familienkreis. Finanzielle Einbußen erleidet das Brautpaar nicht, denn es hatte sich schon im März zur Absage der seit November laufenden Planungen entschlossen. „Emotional ist das natürlich doof“, sagt der 31-Jährige, der dies aber der „für alle neuen Situation“ geschuldet sieht.

Die italienische Stadt Brescia in der Lombardei hatten sich Dominik Jörg aus Hangelar und seine aus Apulien stammende Frau Azzurra la Torre ausgesucht, um sich kirchlich das Ja-Wort zu geben. „Brescia liegt etwa in der Mitte zwischen Apulien und Sankt Augustin“, berichtet der 42-jährige Architekt. Mehr als 150 Gäste plus Kindern waren für den 23. Mai dieses Jahres eingeladen, um bei der Bekundung ihrer Liebe dabei zu sein, nachdem das Paar im Sommer 2019 bereits am Rolandsbogen standesamtlich geheiratet hatte.

Keine Familienfeier in Italien

Die weltweite Corona-Pandemie wütete aber in der Lombardei besonders heftig. „Unser Pfarrer hatte auch Corona und musste in Quarantäne“, berichtet Jörg. Lange hatte das Paar gehofft, dass nach den sich abzeichnenden Lockerungen in Italien das große Familienfest womöglich doch noch stattfinden könnte. „Für unsere Hochzeit kamen die Lockerungen aber zu spät“, so Jörg. Seine Frau und er haben entschieden, die Hochzeit um ein Jahr zu verschieben. „Wir wissen nicht, ob das Fest 2021 stattfinden kann – vor allem bei der Größe. Wir hoffen aber sehr darauf.“ Finanziell sei dem Paar kein großer Schaden entstanden, da die getätigten Anzahlungen für den Ort der Feier auch ins nächste Jahr verschoben werden konnten. Und: Seine Eheringe muss das Paar auch nicht umgravieren: „Da stehen bislang nur unsere gegenseitigen Namen“, sagt Dominik Jörg.