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Hochwasser: In Lohmar gibt es noch nicht überall Strom

Hochwasser im Rhein-Sieg-Kreis : In Lohmar gibt es noch nicht überall Strom

Die Agger bei Lohmar hat sich inzwischen wieder weitgehend in ihr Bett zurückgezogen. Jetzt zeigen sich die Folgeschäden – und die Schwierigkeiten, sie zu beseitigen.

Es fehlen Bautrockner, Müllcontainer und Elektriker, beklagt eine Anwohnerin in Lohmar, deren Keller wie viele andere überschwemmt war. Inzwischen ist aus den meisten Kellern im Stadtgebiet Lohmar zwar das Wasser abgepumpt, viele Menschen waren damit aber auf sich allein gestellt – die Feuerwehr war unter anderem in den Katastrophengebieten im Linksrheinischen unterwegs.

So halfen sich Nachbarn untereinander mit Pumpen und Notstromaggregaten, denn auch der Strom war und ist vielerorts abgeschaltet. Die Lohmarer tauschen sich über die sozialen Netzwerke aus, organisieren Hilfe und und die nötigen Geräte wie Bautrockner. Die sind allerdings inzwischen Mangelware, denn in vielen Gebieten in Nordhrein-Westfalen und Rheinland-Pfalz müssen Häuser trockengelegt werden.

„Ich suche gerade dringend Elektriker“, sagt Manu Gardeweg vom Flüchtlingsnetzwerk Lohmar. Die werden gebraucht, um in den Häusern zu kontrollieren, ob die Stromversorgung wiederhergestellt werden kann. „Die lokalen Stromversorger werden das heute alleine nicht hinbekommen und sind überfordert“, erklärt sie. „Die Wiederherstellung der Stromversorgung ist derzeit unsere oberste Priorität“, erklärt der Lohmarer Beigeordnete Andreas Behncke auf Nachfrage. Er sei in ständigem Kontakt mit einem Team der Rhein-Energie, das vor Ort mit Hochdruck daran arbeite, das Stromnetz in Lohmar-Ort wieder instand zu setzen. Zusätzlich sind Einsatzkräfte der Feuerwehr unterwegs und kontrollieren betroffene Keller. Wann die Stromversorgung wiederhergestellt werden kann, steht noch nicht fest.

Derweil stapeln sich an vereinzelten Straßenecken im Stadtgebiet bereits zerstörte Möbel und Elektrogeräte. Diejenigen, die sie nicht an der Straße abstellen, lagern sie im Garten. Müllcontainer, in denen der Hochwasserabfall gesammelt und abgefahren werden könnte, lassen bislang auf sich warten, weil zu viele Gebiete im Rhein-Sieg-Kreis von den Folgen des schweren Unwetters betroffen sind. Am Donnerstag kündigte die Stadt an, eine kurzfristige Sonderabfuhr der RSAG zu organisieren. Für diese sollten sich betroffene Haushalte unter der Mailadresse Buergerinfo@Lohmar.de anmelden und dabei gleichzeitig eine Schätzung der zu entsorgenden Kubikmeter und der zu entsorgenden Elektro-Großgeräte angeben. Diese Meldungen würden bis Montag gesammelt und dann bearbeitet, da die RSAG auch die Abfuhr im linksrheinischen koordiniert.

„Früher ist das für die RSAG einfach nicht möglich“, sagt Claudia Wieja, Bürgermeisterin in Lohmar. Mehr als um die Müllentsorgung sorgt auch sie sich um den Strom. „Die Feuerwehr und die Energieversorger sind im Dauereinsatz und müssen jeden einzelnen betroffenen Haushalt prüfen und schauen, ob die Panzersicherungen bei den Stromkästen wieder angeschaltet werden können. Ohne zusätzliche Elektriker werden wir das aber alleine nicht so schnell stemmen können“, so Wieja.

Neben dem nahe dem Damm gelegenen Dornheckenweg und der Donrather Straße im Stadtteil Donrath sind auch Haushalte in den Stadtteilen Kreuznaaf, Neuhonrath und auch in Gebieten im Norden Lohmars betroffen. Dort wurden die Keller erst nach dem Hochwasser überflutet. Weil im Pumpwerk der Strom ausfiel, stieg der Grundwasserspiegel an. „Das war und ist ein Teufelskreis. Ohne Strom funktionieren die Pumpen und Bautrockner nicht. Um aber den Strom wieder anzustellen, benötigt es trockene Keller. Derzeit prüfen wir, in welchem Zustand die Trafohäuschen sich befinden“, schildert die Bürgermeisterin.

Währenddessen haben die 50 evakuierten Menschen die Notunterkunft in der Jabachhalle wieder verlassen und sind in ihre Häuser zurückgekehrt. Nur eine Privatperson und eine Familie blieben wegen des anhaltenden Stromausfalls noch in der Halle. Inzwischen werden dort Spenden für die betroffenen Gebiete auf der anderen Rheinseite gesammelt. „Wir nehmen Schlafsäcke, Hygieneartikel wie Duschzeug und Zahnpasta und Zahnbürsten an, ebenso wie Decken und Handtücher“, erzählt Manu Gardeweg. Von der Jabachhalle aus werden sie dann in die betroffenen Gebiete transportiert. Kleidung wird aktuell über die Spedition Achnitz aus Siegburg koordiniert und gesammelt. Möbelspenden werden online über die Facebookseite „Lohmar hilft – Sachspenden“ koordiniert.