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Interview mit der Lohmarer Bürgermeisterin: „Ich möchte den Bürgern danken“

Interview mit der Lohmarer Bürgermeisterin : „Ich möchte den Bürgern danken“

Die Lohmarer Bürgermeisterin Claudia Wieja spricht über die Ereignisse in der Unwetternacht, den drohenden Dammbruch der Agger und die Arbeit im Krisenstab.

Claudia Wieja (Die Grünen) ist seit November vergangenen Jahres Bürgermeisterin der Stadt Lohmar. Die Unwetternacht vom 14. Juli hat rechtsrheinisch besonders Lohmar schwer getroffen und dort auch für zahlreiche Überschwemmungen gesorgt. Zwischenzeitig drohte der Damm der Agger im Stadttteil Donrath zu brechen. In den darauffolgenden Tagen hatten mehrere Wohngebiete aufgrund eines defekten Trafohäuschens und eines Ausfalls des Pumpwerks keinen Strom. Unsere Redakteurin Annika Schmidt hat mit Wieja über die vergangene Woche gesprochen.

Frau Wieja, eine Woche ist seit der Unwetternacht vergangen. Seitdem ist viel passiert und musste viel repariert werden. Die Feuerwehr war quasi im Dauereinsatz. Wie geht es Ihnen heute?

Claudia Wieja: Ich bin k.o. Es ist schon sehr anstrengend gewesen die letzten Tage und es beschäftigt einen rund um die Uhr. Der Adrena­linspiegel ist ganz hoch und das normale Geschäft läuft ja auch die ganze Zeit noch nebenher weiter. Trotzdem haben wir hier ja noch Glück gehabt, sind vergleichsweise glimpflich davongekommen.

Trotzdem musste auch hier viel Arbeit geleistet werden. Wie haben Sie die vergangenen Tage wahrgenommen?

Wieja: Ich muss sagen, ich bin begeistert über die Hilfe von allen Seiten sowohl vom Bürgerbüro, von der Feuerwehr, RSAG, dem Bauhof, Landwirten, Unternehmen und vielen anderen. Aber ich will auch den Bürgern ein großes Kompliment aussprechen. Alle haben sich gemeinsam geholfen und unterstützt, das war echt toll zu sehen und mitzuerleben und dafür möchte ich ihnen danken. In einem riesigen Kraftakt haben wir in den letzten Tagen den Sperrmüll beseitigt. Da kam zusätzlich zur RSAG auch der städtische Bauhof zur Hilfe. Für die Bürger ist es schon schwer, auf einmal ihr halbes Leben als Müll an der Straßen stehen zu sehen. Das macht einem natürlich zu schaffen.

Im Verlauf des 14. Julis spitzte sich die Lage in Lohmar ja auch immer weiter zu. Der Damm der Agger in Donrath drohte zu brechen. Wie ist die Krisenbewältigung in der Verwaltung abgelaufen?

Wieja: Ich hatte eigentlich Urlaub, aber stand in ständigem Kontakt mit unserem Beigeordneten Andreas Behncke, der übrigens auch erst seit Mai im Amt ist. Mittwochabend um 18.30 Uhr gab er mir dann Bescheid, dass sich die Lage zuspitze und er jetzt den Krisenstab, also den Stab für außergewöhnliche Ereignisse, einberufe. Daraufhin bin ich direkt gekommen. Wir haben uns dann mit dem Krisenstab in das Feuerwehrhaus begeben und von dort aus alles koordiniert. Die Feuerwehr hat uns sehr gut über die Lage vor Ort auf dem Laufenden gehalten und wir hatten kurze Wege, das war sehr praktisch. Parallel haben wir immer den Aggerpegel im Auge behalten und mit dem Aggerverband telefoniert bezüglich des Regenrückhaltebeckens am Jabach. Der städtische Bauhof bot zum Glück auch sehr schnell Hilfe an und sorgte für eine Stabilisierung des Agger-Damms in Donrath. Außerdem gab es auch eine kritische Situation mit einem Unternehmen im Naafbachtal. Dies drohte ebenfalls überschwemmt zu werden und hatte auf seinem Gelände Öl und andere wasserverunreinigende Stoffe gelagert. Je höher das Wasser stieg, desto mehr solcher Situationen gab es. Jeder im Stab hatte aber direkt Adressen und Telefonnummern parat von Leuten und Unternehmen, die uns helfen konnten. Die Zusammenarbeit lief sehr gut und es gab auch in der Verwaltung kein Kompetenzgerangel. Ich war dann Donnerstagmorgen um halb vier zu Hause und hab mich um kurz vor neun direkt wieder mit dem Stab getroffen. 

Viele Wohngebiete in Lohmar waren nach der Unwetternacht lange ohne Strom. Wie kam es dazu und wie ist da der aktuelle Stand?

Wieja: Den Strom mussten wir Donnerstagmorgen abstellen, da bei der Feuerwehr viele Meldungen über sonderbare Gerüche aus den Kellern eingingen. Das ging dann alles recht schnell. Durch die Überschwemmungen gab es einen Kurzschluss in einem Verteilerkasten eines Trafohäuschens. Dann fiel auch noch das Pumpwerk aus und der Grundwasserspiegel stieg auch an. Das müssen wir auch eruieren, wie genau es dazu kommen konnte. Inzwischen hat ein Großteil der betroffenen Wohnungen wieder Strom. Aktuell haben wir noch drei oder vier Aggregate am Laufen, die etwa zwölf Haushalte mit Strom versorgen müssen. Am Sonntag waren es noch 50. In den vergangenen Tagen haben wir viel mit externen Firmen gesprochen und Kontakt mit der RheinEnergie gehabt, um die Stromversorgung schnellstmöglich wieder herzustellen.

Sie haben in der Verwaltung ja eine Abteilung Feuerwehr. Hatten Sie dadurch im Krisenstab einen Vorteil?

Wieja: Die Abteilung Feuerwehr haben wir seit Oktober. Sie besteht aus einer Gruppe freiwilliger Feuerwehrleute. Vorher hatten wir immer Probleme mit der Tagesverfügbarkeit von Einsatzkräften in Lohmar, die haben wir dadurch jetzt nicht mehr. Durch die Abteilung hatten wir die ganze Zeit super Kontakt zu den Einsatzkräften vor Ort und deren eigenem Krisenstab. Die Zusammenarbeit ging echt Hand in Hand. Wenn der Krisenstab der Feuerwehr tagte, kamen die Abteilungsmitglieder nachher zu uns in den Stab und informierten uns über das Wichtigste.

Kann man sich in der Verwaltung eigentlich auf so etwas vorbereiten?

Wieja: Nein, auf so etwas kann man nicht vorbereitet sein. Klar haben wir immer Adressen und Telefonnummern parat für solche Situationen, aber so ein Ausmaß hatten wir hier noch nicht. Das tolle hier auf dem Land ist aber, dass jeder einen kennt, der irgendwie nützliche Hilfe anbieten kann. Alle sind direkt zur Stelle und wollen helfen. Das ist echt super.

Haben Sie schon irgendwas aus den vergangenen Tagen mitgenommen, was Sie für die Zukunft verbessern wollen. Den Damm der Agger zum Beispiel?

Wieja: Da sind wir ehrlich gesagt noch nicht zu gekommen. Das müssen wir in den nächsten Tagen noch aufarbeiten und besprechen. Die Verwaltung war erst einmal nur mit den Soforthilfe-Maßnahmen beschäftigt. Ich denke aber, das Regenrückhaltebecken am Jabach hat super funktioniert. Da sollten wir noch über mehr Becken nachdenken. Außerdem müssen wir auch über eine Erneuerung der Kanäle sprechen. Die sind teilweise schon sehr alt. Und sicherlich müssen wir auch den Damm der Agger begutachten und schauen, ob und wie wir den jetzt ausbessern müssen. Da hat man das Wasser rauslaufen sehen. Das war schon ein mulmiges Gefühl.