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Tourismus im Rhein-Sieg-Kreis: In Windeck kann man im Baumhaus übernachten

Tourismus im Rhein-Sieg-Kreis : In Windeck kann man im Baumhaus übernachten

Vom Kindheitstraum zum Feriendomizil: Irmelin Slomann und Thomas Palm vermieten ihr Baumhaus in Windeck-Schladern. Von der hölzernen Badewanne haben Gäste Aussicht ins Grüne.

Blätterrascheln durchbricht gelegentlich die Stille, ansonsten liegt entspannte Ruhe über dem lauschigen Plätzchen am Waldrand von Windeck-Schladern. Für ihre Kinder haben Thomas Palm und Irmelin Slomann diesen Ort hoch oben in den Zweigen ihres alten Spitzahorns einst gebaut. „Das war der Kletterbaum unserer Tochter und unseres Sohnes“, sagt der Pianist, der mit seiner Familie seit rund 20 Jahren in Windeck lebt. Mit ein paar Brettern in den Ästen hat es angefangen – inzwischen ist rund um den dicken Stamm ein Baumhaus mitsamt Toilette und Badewanne gewachsen. Die Aussicht auf Burg Windeck und die untergehende Sonne kann Familie Palm indes kaum noch von der Terrasse ihres Baumhauses aus genießen. Es ist nämlich zu einer beliebten Ferienwohnung avanciert – und bis Ende des Jahres ausgebucht.

„Daran haben wir anfangs gar nicht gedacht“, sagt Palm. Das Baumhaus, auch ein Kindheitstraum seiner Frau, sollte ursprünglich allein für die Familie sein. Vor rund zehn Jahren haben sie damit begonnen, das Plätzchen im Baum einzurichten, von der Skizze bis zum fertigen Holzhaus. Palm zeigt ein Buch, das die Baumeister angeleitet hat. „Baumhäuser selber bauen“, heißt es und verrät, auf was Baumhausbauer achten müssen. „Vor allem meine Frau hat sich mit großem Enthusiasmus, Rücksicht auf die Natur und viel Liebe fürs Detail an die Arbeit gemacht“, sagt der Musiker. Kein halbes Jahr habe es gebraucht, da hing das Haus in etwa drei Metern Höhe rund um den Baumstamm.

Bauwerk schadet Baum nicht

Dem Ahorn schadet das Bauwerk im Übrigen nicht. Er wächst ungehindert weiter, in Höhe wie Breite. Auf mehr als fünf Meter Umfang bringt es der Stamm inzwischen. „Wir passen das Haus ständig an“, sagt Thomas Palm und zeigt etwa auf mit Neopren abgedichtete Aus­sparungen im Dach. Ein Ast hat mittlerweile einen Dachbalken erreicht, von dem er anfangs noch zehn Zentimeter entfernt war. „Da müssen wir uns bald was überlegen“, sagt der Musiker. Dass es dem Ahorn gut geht, bestätigt auch ein Baumgutachter. Einmal im Jahr nimmt er den mehr als 70 Jahre alten Baum in Augenschein.

Der Schritt vom rein privaten Domizil hin zur Ferienwohnung vollzog sich eher zufällig. Wanderer des Natursteigs Sieg entdeckten im Herbst 2017 das Palmsche Baumhaus und fragten spontan an, ob sie dort nicht übernachten könnten. „Die Idee, Gäste auf unserem Grundstück zu haben, fand ich erst seltsam“, gibt Thomas Palm zu. Sein Zuhause sei für ihn der Inbegriff von Ruhe und Rückgezogenheit. Gleichwohl erweiterte die Familie ihr Heim um ein Bad mit Holzbadewanne und bietet es seit November 2017 zur Vermietung an. Heute ist es für Palm normal, neue Gäste zu begrüßen. Wie etwa das junge Paar aus Gelsenkirchen, das für zwei Nächte bleiben möchte. „Ich habe das Baumhaus im Internet entdeckt, und es hat mir sofort gefallen“, sagt die junge Frau. So gut, dass sie ihrem Freund die Übernachtung zum Geburtstag geschenkt hat.

Besucher aus Hongkong und Texas

Das Baumhaus ist beliebt, es zieht Gäste aus ganz Deutschland, aber auch von weiter her in die Gemeinde Windeck. „Wir hatten hier schon Besucher aus Hongkong und Texas“, sagt Thomas Palm. Das Feriendomizil trägt das Siegel „Qualitätsgastgeber Sieg“ und die Blaue Schwalbe, die Gemeinde Windeck wirbt mit ihm. Palm freut sich über Unterstützung durch Verwaltung und Politik. Der Gemeinderat hat sich im vergangenen Herbst einstimmig dafür ausgesprochen, den Flächennutzungsplan für das Grundstück, auf dem das Baumhaus steht, zu ändern. Aus einer landwirtschaftlichen Fläche soll eine Grünfläche mit Zweckbestimmung „Umweltbildung und Naturerfahrung“ werden. Auf diesem Wege sichert die Gemeinde die Zukunft von Baumhaus und Schäferwagen, den die Palms ebenfalls für Feriengäste anbieten. Im Gegenzug musste die Familie einen Standsicherheitsnachweis erbringen und an verschiedenen Stellen nachbessern, um öffentliche Auflagen zu erfüllen.

Vor allem die Ruhe inmitten der Natur hat es den Gästen angetan, davon zeugen die vielen Einträge im vollen Gästebuch. Sie wissen zu schätzen, was Familie Palm mit viel Herzblut erschaffen hat. Zwei Schlafsofas bieten in drei Metern Höhe Platz für bis zu vier Gäste. Es gibt eine Möglichkeit zum Kochen, eine große Baumscheibe als Tisch und einen Kamin für kalte Winterabende. Das Wasser kommt aus dem eigenen Brunnen, der Strom von der Photovoltaikanlage. Dazu das Rauschen des Windes in den Blättern und das Knacken des Holzes.

„Es kommen ganz unterschiedliche Menschen zu uns“, sagt Thomas Palm. Von der 75-Jährigen, die sich allein fern des Alltags eine Auszeit gönnt, über Familien bis hin zu Frischverliebten. „Wir haben eine gute Verkehrsanbindung“, sagt Palm mit Blick auf den nahen Bahnhof Windeck-Schladern. In 40 Minuten bringt die Bahn Besucher von Köln nach Windeck. Und rund um das Baumhaus gibt es viel in der Natur zu entdecken. „Wir haben nicht damit gerechnet, dass unsere Idee so einschlägt“, sagt Palm. Die Wochenenden seien bis Oktober 2021 ausgebucht. Für das junge Paar aus Gelsenkirchen steht schon jetzt fest, dass sie wiederkommen – dann als Ehepaar, wie sie Thomas Palm kurz vor ihrer Abreise verraten haben. Den Heiratsantrag gab es im Baumhaus.