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Aktion der Lebenshilfe Much: Mit Handicap als Postbote auf Tour

Aktion der Lebenshilfe Much : Mit Handicap als Postbote auf Tour

Martin Steinke von der Lebenshilfe Much ist einen Tag lang als Zusteller im Einsatz. Die Aktion dient als Startschuss für insgesamt 20 Praktikumsplätze bei der Post, in der Menschen mit Behinderung in den Beruf reinschauen können.

Im Sonnenschein von Tür zu Tür gehen, klingeln und den Leuten Post, Einschreiben und Pakete übergeben - das machte Martin Steinke am Motag großen Spaß. Das Schleppen der schweren Postkisten sei kein Problem. Und es sei schön, immer wieder neue Leute kennenzulernen. Post- und Paketzusteller sei ein spannender Beruf, lautete das Fazit des 52-Jährigen, der aber auch seinen Job in der Hauswirtschaft in der Lebenshilfe in Much mag.

Steinke ist ein Mensch mit Handicap, der Freude an Arbeit hat, der gern mit anpackt und dem Ordnung sehr wichtig ist. Beste Voraussetzungen, einen Tag lang als Praktikant der Deutschen Post in der Zustellung mitzuarbeiten. In bundesweit fünf Bezirken hatte die Deutsche Post gemeinsam mit der Aktion Mensch die Praktikumsplätze ermöglicht.

Den Startschuss für die inklusiven Tandem-Teams gaben Aktion- Mensch-Vorstand Armin von Buttlar und Jürgen Gerdes vom Konzernvorstand der Deutschen Post DHL Group in Bonn. "Die Begegnung von Menschen mit und ohne Behinderung im Alltag ist der Schlüssel zu einer inklusiven Gesellschaft. Doch diese Begegnung ist noch zu selten. Daher bringen wir die Post heute zu zweit an die Haustüren", sagte von Buttlar beim Auftakt.

Startschuss für Praktikumsplätze

Auch in Neunkirchen-Seelscheid gingen die Postzusteller Thomas Kreutzer, seit 1977 im Dienst der Post, und Matthias Mehlem, seit zweieinhalb Jahren Zusteller mit Herz und Seele, gemeinsam mit Martin Steinke von der Lebenshilfe Much und Rolf Mittag von der Lebensgemeinschaft Eichof auf Zustell-Tour. "Das ist keine Absichtserklärung oder nur ein Pressetermin, sondern ein Startschuss für insgesamt 20 Praktikumsplätze bei der Post, in der Menschen mit Behinderung in den Beruf reinschauen können", sagte Ulrike Jansen, Pressereferentin der Aktion Mensch.

Bereits beim Glücksatlas der Post habe man gut mit der Aktion Mensch zusammengearbeitet, sagte Jansen: "Dabei kam heraus, dass Menschen mit Behinderung sich sehr zufrieden fühlen, wenn sie in Arbeit und auch in den Alltag der Gesellschaft integriert werden." Bei der Post sei das längst gelebte Praxis, erklärte Dieter Pietruck, Konzernsprecher für weite Teile des Rheinlands und des Ruhrgebiets: "Rund 9,1 Prozent unserer 180 000 Beschäftigten haben ein Handicap - das sind über 10 000 Mitarbeiter, die bei der Deutschen Post einen hervorragenden Job machen." Dafür helfe die Post den Mitarbeitern ganz vielfältig, etwa durch die Anschaffung dreirädriger Fahrräder, sogenannter E-Trikes mit Elektromotoren, für die Postzustellung.

Aktion "Für mehr Begegnungen"

Etwas komfortabler gingen am Montagmorgen Matthias Mehlem und Martin Steinke auf Tour. Seit einem halben Jahr hat Mehlem einen eigenen Zustellbezirk. Man kennt die Leute, nette Leute und nun auch so manchen Hund, etwa den übereifrigen Bernhardiner auf der Tour der Kollegin.

Martin Steinke, der in Herkenrath und Bruchhausen mit von Tür zu Tür zog, störte das viele Laufen und Schleppen nicht. Im Gegenteil: Schnell waren Zusteller und Praktikant zu einem Team verschmolzen, arbeiteten Hand in Hand, kamen an den Haustüren mit den Menschen ins Gespräch, hinterließen je ein Los für die Lotterie der Aktion Mensch. Denn nicht ohne Grund hieß die Aktion "Für mehr Begegnungen", so Pietruck: "Wir wollen bewusst für mehr Begegnungen werben zwischen Menschen mit und ohne Behinderung. Das ist noch längst nicht selbstverständlich."