Cold-Case-Ermittlung Tatverdächtiger fast 35 Jahre nach Mord in Lohmar verhaftet

Update | Lohmar · Im Mai 1987 ist die damals 23-jährige Claudia O. in Lohmar getötet worden. Nach fast 35 Jahren scheint der Fall nun aufgeklärt zu sein. Der Tatverdächtige ist nicht zum ersten Mal verhaftet worden.

 Der Tatort in Lohmar. Rechts oben ist der Balkon des Schlafzimmers in dem die Leiche gefunden wurde.

Der Tatort in Lohmar. Rechts oben ist der Balkon des Schlafzimmers in dem die Leiche gefunden wurde.

Foto: Holger Arndt

Fast 35 Jahre nach einem Mordfall in Lohmar haben Fahnder der Bonner Mordkommission am Dienstag einen dringend Tatverdächtigen festgenommen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft und der Polizei steht der 66-Jährige im Verdacht, am 9. Mai 1987 in dem Anwesen des Landhotels und Ausflugslokals Naafshäuschen in Lohmar, unmittelbar an der B484, die damals 23-jährige Claudia O. getötet zu haben. Ihre Mutter hatte Claudia O. tot im Bett ihrer Wohnung über der Familien-Gaststätte gefunden. Die Tochter der Wirtsleute war erwürgt worden.

Nun gibt es konkrete Hinweise, dass ein bereits wegen anderer Verbrechen verurteilter Doppelmörder, im Mordfall Claudia O. dringend tatverdächtig ist: Detlef M. Der heute 66-Jährige war im November 1989 wegen Entführung und Doppelmordes an dem 15 Monate alten Patrick Padberg und dessen Großmutter in Eslohe bei Arnsberg zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Detlef M. war bereits 1987, direkt nach der Tötung der Wirtstochter Claudia O., ins Visier der Ermittler geraten. Zur Tatzeit war der Betonbauer und Vater von zwei kleinen Söhnen Stammgast in der Gaststätte Naafshäuschen und litt den Ermittlungen zufolge unter ständiger Geldnot.

Detlef M. wurde bereits 2017 als Tatverdächtiger im Mordfall Claudia O. verhaftet

Überdies war der Mann, der mit Frau und den zwei Söhnen in Lohmar-Honrath lebte, wegen Drogen- und Eigentumsdelikten polizei- und justizbekannt und hatte bereits Jahre hinter Gittern gesessen. Unter anderem war er Anfang der 1980er Jahre zu fünf Jahren Haft wegen Drogenhandels verurteilt worden: Im Bett seines Sohnes hatte die Polizei Heroin im Wert von 140.000 Mark gefunden.

Den Mord an Claudia O. aber hatten ihm die Ermittler damals nicht nachweisen können. Im Dezember 2017, also mehr als 30 Jahre nach der Tat, war Detlef M. im Zusammenhang mit dem Mordfall in Lohmar dann doch festgenommen worden - neue DNA-Analysemethoden hatten seinen genetischen Fingerabdruck zum Vorschein gebracht.

Weil aber noch eine weitere, scheinbar tatrelevante Spur eines Unbekannten gefunden worden war, konnte ihm die Tat nicht nachgewiesen werden, sagte ein Sprecher der Bonner Staatsanwaltschaft am Dienstag. Der damalige Haftbefehl war auf Beschwerde des Verdächtigen aufgehoben worden.

Nach einem neuen Anlauf der Ermittler ist dies inzwischen anders: Der Unbekannte ist identifiziert und kann als Täter ausgeschlossen werden: Es handelt sich um einen an der Spurenauswertung beteiligten ehemaligen Mitarbeiter des Landeskriminalamts.

Detlef M. im Mordfall Claudia O. als Tatverdächtiger verhaftet

Damit sind aus Sicht der Ermittler die Zweifel an der Täterschaft von Detlef M. ausgeräumt. Auf dieser Grundlage erließ ein Haftrichter in Siegburg nun Haftbefehl wegen Mordes gegen den 66-Jährigen, der im Fall einer Verurteilung als Serienmörder gilt. Detlef M. wurde am frühen Dienstagmorgen an seiner Wohnanschrift in Detmold verhaftet und in eine Justizvollzugsanstalt eingeliefert.

NRW-Innenminister Herbert Reul erklärte nach der Festnahme: „Heute haben wir einmal mehr unter Beweis gestellt, dass Mord nicht verjährt – ein guter Tag für die nordrhein-westfälischen Ermittlungsbehörden und ein guter Tag für die Gerechtigkeit. Einen so alten Fall aufzuklären, ist eine Sisyphusarbeit.“ Er hoffe, dass die Festnahme den Angehörigen des Opfers „ein Stück Genugtuung“ gebe und zeigte sich optimistisch, dass aufgrund von Investitionen, unter anderem in die Reaktivierung von Cold-Case-Ermittlern, weitere bislang ungeklärte Fälle gelöst werden können.

Mordfall Claudia O.: Der Täter hatte es wohl auf Geld abgesehen

Bereits 1987 war die Polizei davon ausgegangen, dass es der Täter nicht auf Claudia O. persönlich abgesehen hatte, sondern auf Geld. DIe Wohnung von Claudia O. war durchwühlt worden, aus dem Safe im Büro waren 10.000 Mark verschwunden, und der Tresorschlüssel lag neben der Toten, als die Mutter sie kurz vor acht Uhr morgens fand.

Claudia O. hatte die Wohnung über dem Ausflugslokal erst zwei Wochen vorher bezogen. Sie hatte kurz zuvor ihre Ausbildung als Hotelkauffrau und -betriebswirtin abgeschlossen und sich eingearbeitet in den Betrieb, den ihre Familie 1966 übernommen hatte. Ihre Familie war in der Gegend bekannt, ihr Vater war zuvor als Kommunalpolitiker tätig. Die Eltern erlitten damals einen Schock und mussten ärztlich behandelt werden.

Mit Hochdruck suchten die Ermittler nach dem Täter, Haus und Grundstück wurden auf Spuren untersucht, eine Mordkommission aus 15 Beamten der Bonner und Siegburger Polizei richtete im Kindergarten Neuhonrath eine Kommandozentrale ein.

Nach dem Mord an der Gastwirtstochter zog Detlef M. mit seiner Familie ins Sauerland, wo das Ehepaar kurz zuvor ein Haus gekauft hatte. Woher die Familie das Geld für diesen Hauskauf hatte, war den Ermittlern damals ein Rätsel, da Detlef M. arbeitslos war, keine Vermögen hatte, stattdessen aber reichlich Spielschulden. Wenig später, am 12. November 1988, wurden das Padberg-Baby und dessen Großmutter im nahe gelegenen Eslohe getötet. Ein Jahr später wurde Detlef M. dafür als Mörder verurteilt.

Wir wollen wissen, was Sie denken: Der General-Anzeiger arbeitet dazu mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Wie die repräsentativen Umfragen funktionieren und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

(mit dpa)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Brutale Bluttat in der Höhle
Urteil wegen Doppelmordes Brutale Bluttat in der Höhle
Aus dem Ressort