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Prozessauftakt zum Foltermord in Lohmar: Polizist fühlte sich wie in einem Horrorfilm

Prozessauftakt zum Foltermord in Lohmar : Polizist fühlte sich wie in einem Horrorfilm

Seit Montagmorgen stehen zwei Marokkaner vor dem Bonner Schwurgericht, weil sie einen Landsmann bestialisch ermordet haben sollen. Tatort war ein Lohmarer Flüchtlings- und Obdachlosenheim.

 „Der Tatort erinnerte mich an einen Horrorfilm“, sagte der 33-jährige Polizist im Zeugenstand. Wie ein Ort der Folter habe das Zimmer in dem Lohmarer Flüchtlings- und Obdachlosenheim in der Dammstraße auf ihn gewirkt. Am Montagmorgen hat vor dem Bonner Schwurgericht der Prozess gegen zwei 29-jährige Marokkaner begonnen, die im vergangenen Sommer einen Landsmann auf bestialische Weise zunächst gefoltert und dann umgebracht haben sollen. Die Anklage lautet auf gemeinschaftlichen Mord aus Habgier und Grausamkeit sowie zur Ermöglichung eines schweren Raubes.

Kurz vor Beginn der Zeugenvernehmung hatte der Kammervorsitzende Klaus Reinhoff eindringlich vor den Bildern gewarnt, die er während der Befragung per Beamer an die Wand projizieren müsse: „Das ist nichts für schwache Nerven“, appellierte Reinhoff an die Zuschauer, im Zweifel lieber den Gerichtssaal zu verlassen.

Der Polizist im Zeugenstand war im vergangenen Sommer mit einer Kollegin quasi gleichzeitig mit den Beamten der Spurensicherung eingetroffen. So war auf den Fotos jetzt im Gerichtssaal nicht nur das völlig mit Blut verschmierte Appartement des Opfers zu sehen, sondern auch der 33-jährige Beamte selbst, der sich vergeblich um eine Reanimation bemühte. Er habe geglaubt, noch einen schwachen Puls zu spüren, sagte er dem Gericht. Wahrscheinlich war das Opfer zu diesem Zeitpunkt bereits schon tot.

Was genau in der Nacht zum 15. Juli 2020 in dem Appartement vorgefallen ist, bleibt vorerst noch im Dunklen. Einer der beiden Angeklagten äußerte sich zum Prozessauftakt nicht selbst. Der andere Mann ließ das Gericht – entgegen dem ausdrücklichen Rat seines Anwalts – wissen,  dass sein Bruder ihm die Tat bereits vor drei Jahren detailgenau prophezeit habe. Diese Geschichte sorgte beim Schwurgericht für Erstaunen. An die eigentliche Tat habe er allerdings keine Erinnerung mehr, so der Angeklagte.

Streit um einen Joint

Den Mitangeklagten habe er fünf Monate vor dem Tatabend in der Zentralen Unterbringungseinrichtung des Landes (ZUE) für Flüchtlinge in Sankt Augustin kennengelernt, man habe das selbe Zimmer bewohnt. Bereits am 13. Juli seien die Männer nach gemeinsamem Alkoholkonsum nach Bonn gefahren, wo sie das spätere Opfer zufällig getroffen hätten, so der Angeklagte. Schließlich seien alle in dessen Lohmarer Appartement gelandet. Dort habe man viel getrunken, er selber habe auch Cannabis konsumiert, das der Bekannte aus seiner Wohnung heraus verkauft habe, berichtete der 29-Jährige.

Weil der Mitangeklagte ihm einen auf dem Boden liegenden Joint angeboten habe, sei es zum Streit mit dem Wohnungsbesitzer gekommen. Offenbar stand der Vorwurf im Raum, die beiden Angeklagten hätten dem späteren Opfer 150 Euro und acht bis zehn Gramm Haschisch gestohlen. Der Wohnungsinhaber habe ein Messer gezückt und von da an könne er sich an nichts mehr erinnern, so der Angeklagte.

Passanten hatten in der Tatnacht die Polizei gerufen, weil ihnen unweit des Tatorts zwei angetrunkene Männer aufgefallen waren. Es handelte sich mutmaßlich um die Angeklagten. Einer der Männer hatte blutende Verletzungen im Bereich des Oberkörpers.

Es sei nicht das erste Mal gewesen, dass sie zu der Wohnung des Opfers gerufen worden seien, erläuterte der Polizeibeamte im Zeugenstand. In der Vergangenheit sei der Mann als Folge von psychischen Störungen oder nach Drogenmissbrauch immer wieder durch Wutattacken aufgefallen. Auch habe er mehrfach innerhalb des Hauses das Zimmer gewechselt, „je nachdem, mit welchem Nachbarn er gerade wieder einmal Streit hatte“. Der Prozess wird fortgesetzt.