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Dürre in Bonn und der Region: Rekordwerte beim Wasserverbrauch in der Region

Dürre in Bonn und der Region : Rekordwerte beim Wasserverbrauch in der Region

Das Jahr 2020 ist das dritte trockene Jahr in Folge. An drei Tagen im August war der Wasserverbrauch besonders hoch. Ist die Versorgung gesichert? Wie bewerten Wasserverbände der Region die Situation?

Der 3. August 1990 führt bei der Wahnbachtalsperre die Top 3 der Tage mit der höchsten Abgabemenge an. Gleich danach folgen der 7. und 6. August dieses Jahres. Mehr als 189.000 Kubikmeter Trinkwasser, also 189 Millionen Liter, flossen an diesen beiden Tagen jeweils aus der Talsperre zu den Wasserwerken der Region. Auch Bad Honnef und Bornheim verzeichnen Rekordzahlen. Trotzdem sahen die Wasserbeschaffungsverbände die Trinkwasserversorgung zu keinem Zeitpunkt als gefährdet an.

„Das ist schon ein besonderes Jahr“, sagt Dirk Radermacher, Leiter der Bau- und Betriebsabteilung des Wahnbachtalsperrenverbands (WTV), auf Anfrage. „Wir sind noch dabei es auszuwerten, aber im Spitzenverbrauch ist es vergleichbar mit 2018 und 2019.“ Beim Verbrauch seien alle drei Jahre beachtlich gewesen. Nach den aktuellsten Angaben des Verbands war die Talsperre am Montag zu fast genau einem Drittel gefüllt. Der WTV versorgt zwischen Agger und Ahr rund 800.000 Menschen mit Trinkwasser und ist damit der größte Wasserlieferant der Region. „Der Pegel liegt etwas tiefer als im letzten Jahr, aber im vorletzten Jahr gab es noch einen tieferen Stand“, berichtet Radermacher. Dass der Pegel im Sommer kontinuierlich sinkt, sei normal. Von lokalen Starkregenereignissen – wie den Gewittern, die kürzlich durch die Region zogen – komme nicht viel in der Talsperre an. „Das verdunstet mehr oder weniger, bleibt in der Vegetation hängen oder der Boden nimmt es auf“, sagt der Betriebsleiter.

Wintermonate sind für Wasservorräte entscheidend

Entscheidend sei das Winterhalbjahr, das in der Wasserwirtschaft von November bis April reiche. „Im Winterhalbjahr wird die Talsperre durch ergiebige Niederschläge und niedrige Verdunstung gefüllt.“ Das könne im Zweifel auch sehr schnell gehen: Dieses Frühjahr hatte ein Woche Dauerregen laut Radermacher dazu geführt, dass zum Hochwasserschutz sogar Wasser aus der Talsperre abgelassen werden musste.

Von den 28,1 Millionen Kubikmetern, die der Verband laut Gesetz jedes Jahr entnehmen darf, beanspruchte er 2019 Radermacher zufolge 22,9 Millionen Kubikmeter. Dieses Jahr liege der Wert bisher bei 17. „Alles noch im Rahmen“, findet der Leiter.

Zwei Brunnen in Hennef und Sankt Augustin

Parallel zur Talsperre fördert der Verband Grundwasser mit zwei Brunnen am Hennefer Siegbogen und in Sankt Augustin-Meindorf. Bei einem „Doppeltrockenjahr“, also wenn sich die Talsperre im Winter nicht wie gewohnt füllt, könne man sich auf die Grundwasserressourcen verlassen, betont der Betriebsleiter. Die Brunnen habe man zum Beispiel im Frühjahr 2018 stärker genutzt, als der Regen spät einsetzte und sich die Talsperre erst spät wieder füllte. Und wie sähe es bei einem „Tripletrockenjahr“ aus? „Das wird mit Sicherheit irgendwann kommen“, glaubt Radermacher. Die Trinkwasserversorgung sei wegen der Brunnen aber auch dann nicht gefährdet.

Wo besonders viel Wasser verbraucht wird, kann der Verband nicht nachvollziehen, da er es nicht bis in die Haushalte liefert. Eine Tendenz lässt sich aber beobachten: „Man kann feststellen, dass in Gebieten mit vielen Einfamilienhäusern viel Wasser in die Gartenbewässerung geht.“ Um die Infrastruktur zu schonen, empfiehlt Radermacher, in besonders heißen Perioden auf das allabendliche Rasensprengen zu verzichten und nur zu gießen, wo es wirklich nötig ist.

Tage am 8. und 9. August brachten Spitzenwerte

Rekordwerte waren laut Wasserbeschaffungsverband Wesseling-Hersel (WBV) und der Bad Honnef AG (BHAG) auch im Vorgebirge und im Siebengebirge zu verzeichnen. Der WBV liefert 50 Prozent des Bornheimer Trinkwassers und 100 Prozent des Wesselinger Wassers. Wie Betriebsleiter Axel Spieß berichtet, flossen im Versorgungsgebiet am 8. und 9. August jeweils knapp 19.000 Kubikmeter Trinkwasser durch die Leitungen. Die Tage mit Temperaturen jenseits der 35 Grad lagen damit „mit an der Spitze der historischen Abnahmemengen“. Die BHAG, die Bad Honnef und die Verbandsgemeinde Unkel versorgt, förderte am 8. August Pressesprecher Lucas Birnhäupl zufolge „rekordverdächtige 10.000 Kubikmeter Rohwasser“. „Zum Vergleich: Der durchschnittliche Sommer-Tagesverbrauch liegt bei rund 7500 Kubikmetern“, sagt er.

Der Pressesprecher benennt zwei Faktoren, die neben der Trockenheit zum hohen Verbrauch beitragen: mehr private Pools und die Corona-Pandemie, durch die Menschen häufig zu Hause bleiben. Probleme bei der Trinkwasserversorgung sehen WBV und BHAG nicht: Ihr Wasser besteht aus einer Mischung aus Grundwasser und Rheinuferfiltrat und ist somit nicht ausschließlich von der Regenmenge abhängig. „Der Grundwasserleiter ist gut gefüllt“, sagt Spieß. „Die Trinkwasserversorgung im Versorgungsgebiet der BHAG ist sicher“, betont Birnhäupl. 2018 war es so trocken, dass einige Kommunen ein Bewässerungsverbot verhängt hatten.

Dieses Jahr sei das in Bonn bisher nicht nötig gewesen, bestätigte Pressesprecher Markus Schmitz auf Anfrage. Trotzdem litten die städtischen Grünflächen noch immer unter dem fehlenden Regen der vergangenen Jahre. Von den knapp fünf Millionen Quadratmetern Grünanlagen bewässere das Amt für Stadtgrün aber nur einen kleinen Teil, vor allem mittelalte Bäume und Beete.

Möglichst nur junge Bäume bei Trockenheit gießen

Junge Bäume gießen – wie in vielen Kommunen üblich – in den ersten Jahren die Firmen, die sie gepflanzt haben. Und alte Bäume können dank ihres großen Wurzelwerks auch aus tiefen Bodenschichten Wasser ziehen, berichtet Schmitz. „Eine Wässerung solcher Bäume ist wenig sinnvoll, da das Wasser vor allem bei kleinen, verdichteten Baumscheiben nicht bis in diese Tiefen vordringt.“ Bei langen Trockenphasen mit hohen Temperaturen helfen Schmitz zufolge die städtische Feuerwehr und das THW beim Gießen. Das sei in den vergangenen Wochen auch geschehen.

Die gute Nachricht: „Während es einige wenige Baumarten gibt, die nur wenig trockenheitsresistent sind, erholt sich der Großteil des städtischen Grüns wieder, sobald ausreichend Feuchtigkeit zur Verfügung steht“, sagt Schmitz. Die Stadt pflanze seit mehr als zehn Jahren nur noch sogenannte Klimabäume. Um mehr vom Stadtgrün resistenter gegen Klimafolgen zu machen, überarbeite die Stadt gerade ihr Grünflächenkonzept. „Ein wesentlicher Teil ist die Umgestaltung von Grünflächen hin zu einer naturnahen Gestaltung. Solche Flächen haben sich als besonders klimatolerant erwiesen.“ Ein Beispiel seien die Mischstaudenpflanzungen unterhalb der Beethovenhalle. Für ihre Bemühungen erhielt die Stadt 2019 die Silbermedaille des Labels „Stadtgrün naturnah“. Ähnlich wie bei der Wahnbachtalsperre haben die Grünflächen nur wenig von Starkregenereignissen.

Lang anhaltende Landregen wären vonnöten

Der Boden könne die Wassermassen nicht schnell genug aufnehmen, sodass sie wieder abfließen würden, weiß Björn Langer, Sprecher der Stadt Siegburg. „Um den in den letzten Jahren entstandenen Wassermangel im Boden auszugleichen, bräuchten wir lang anhaltende Landregen über mehrere Monate“, erklärt er. Bis zu den starken Gewittern sei ein Team der Stadt dauerhaft mit der Bewässerung des städtischen Grüns beschäftigt gewesen – danach mussten sich alle Mitarbeiter des Baubetriebshofs zunächst Aufräumarbeiten widmen.

Auch Siegburg setzt Langer zufolge bei Neupflanzungen auf trockenheitsresistente Bäume. „Es werden verschiedene Arten gepflanzt. Nicht nur, weil es sich um eine Testphase handelt, sondern vor allem auch, damit bei Schädlings-/Pilzbefall nicht alle Neupflanzungen betroffen sind“, erklärt er. In einem sind sich übrigens alle Befragten einig: Hitze oder nicht – es ist sinnvoll, achtsam mit Trinkwasser umzugehen.