Geburtshilfe im Rhein-Sieg-Kreis Bündnis fordert Wiedereröffnung geschlossener Geburtsstationen

Rhein-Sieg-Kreis · Vor zehn Jahren wurde die Geburtshilfe in Eitorf geschlossen, 2017 die in der Kinderklinik in Sankt Augustin, seit 2021 sind auch in Bad Honnef keine Geburten mehr möglich. Das Gesundheitsbündnis Bonn/Rhein-Sieg fordert jetzt „Rettet die Geburtshilfe im Rhein-Sieg-Kreis“.

Rechtzeitig ein Krankenhaus für die Geburt zu erreichen, wird in der Region immer schwieriger. (Symbolbild)

Rechtzeitig ein Krankenhaus für die Geburt zu erreichen, wird in der Region immer schwieriger. (Symbolbild)

Foto: dpa/Fabian Strauch

Bereits vor zehn Jahren wurde die Geburtsstation am Sankt Franziskus Krankenhaus in Eitorf geschlossen, seit 2017 ist die Geburtshilfe der Asklepios Kinderklinik in Sankt Augustin dicht und seit 2021 werden auch im Cura Krankenhaus in Bad Honnef keine Kinder mehr geboren. Im Rhein-Sieg-Kreis bleiben werdenden Eltern für die Geburt ihres Nachwuchses nur noch die GFO Kliniken in Troisdorf, um ihre Kinder auf die Welt zu bringen.

An diesem Samstag, 2. März, startet nun das Gesundheitsbündnis Bonn/Rhein-Sieg eine neue Kampagne mit dem Titel „Rettet die Geburtshilfe im Rhein-Sieg-Kreis“. 22 Erstunterzeichner hat eine Petition, die das Bündnis mit Veranstaltungen vor dem Franziskus Krankenhaus in Eitorf und dem Cura Krankenhaus in Bad Honnef vorstellen will.

Geburtshilfe soll Dauerthema werden

Die Petenten wollen mit ihrer Kampagne die medizinische Versorgung rund um Geburten zum Dauerthema in der Öffentlichkeit machen. Zu ihren Forderungen gehört auch die Wiedereröffnung der geschlossenen Geburtsstationen im Kreis. „Geburten sind Grundversorgung: nicht mehr als 20 Minuten bis zur nächsten Klinik“, heißt es in der Petition. Zwischen Bonn und Neuwied gibt es heute auf einer Strecke von 50 Kilometern keine Geburtsstation mehr. Eine Schwangere aus dem östlichen Rhein-Sieg-Kreis und aus dem Westerwald brauche mehr als 40 Minuten bis zu einer Geburtsstation. „Das kann lebensgefährlich sein“, warnt die Petition. Hebammen berichteten von Geburten im Auto oder im Rettungswagen, Schwangere würden von einer Klinik zur anderen geschickt.

Weitere Forderungen der Petition: die Geburtshilfe aus den Fallpauschalen herauszunehmen, die Arbeitsbedingungen der Hebammen zu verbessern und ihnen eine familienzentrierte Betreuung ermöglichen. Außerdem fordert das Bündnis die Landesregierung auf, die Planung der wohnortnahen Versorgung in die Hände der Kommunen zu legen.

Der Rhein-Sieg-Kreis hatte bereits im vergangenen Sommer vor den Folgen der Krankenhausreform gewarnt, die zu Jahresbeginn 2024 in eine zweijährige Probephase ging. Das auch mit Blick auf die Geburtshilfe: Im Eckpunktepapier zur Reform hieß es unter anderem, dass für die Fahrt zur Geburt 40 Minuten zumutbar seien. Betrachtet wurde dabei ein Gebiet, das den Rhein-Sieg-Kreis, die Stadt Bonn und den Kreis Euskirchen umfasst, das sogenannte Versorgungsgebiet 6. Die Verteilung der Fachbereiche wird für ein Gebiet zwischen Hellenthal in der Eifel und Windeck im östlichen Rhein-Sieg-Kreis betrachtet.

110 Kilometer bis zur Geburt

Landrat Sebastian Schuster bezeichnete damals die Situation im Linksrheinischen als „dramatisch“. Nach der Schließung der Klinik in Rheinbach und zuletzt Ende 2022 der Schließung der Geburtshilfe in Bad Neuenahr gebe es für Gebärende keine andere Möglichkeit, als nach Bonn zu fahren. So kam es Weihnachten 2022 soweit, dass eine Frau aus Windeck zur Geburt über Umwege im Sankt-Elisabeth-Krankenhaus in Mechernich landete – mehr als 110 Kilometer entfernt. „Wir haben jährlich rund 5500 Geburten im Rhein-Sieg-Kreis, aber nur 2200 Vorhaltungen in den GFO-Kliniken in Troisdorf“, so Schuster.

Und auch in der benachbarten Stadt Bonn sieht es für Frauen, die auf die Geburt zusteuern, nicht besser aus. Auf dem Stadtgebiet gibt es inzwischen nur noch vier Geburtsstationen. Das hat Folgen: Die verbliebenen Kreißsäle sind teilweise überlastet, Schwangere werden kurz vor der Geburt abgewiesen und müssen in eine weiter entfernte Klinik fahren. Eine Ursache für die angespannte Situation sind die Arbeitsbedingungen für angestellte Hebammen in Krankenhäusern: Seit Jahren beklagen Verbände zu großen Zeitdruck im Arbeitsalltag bei zu geringer Bezahlung. Gleichzeitig ist durch steigende Versicherungsbeiträge auch die freiberufliche Hebammentätigkeit weniger attraktiv geworden – in der Folge fehlt es auch an Nachwuchs.

Im vergangenen September forderte auch der Kreistag eine neue Geburtsstation im Osten des Rhein-Sieg-Kreises und die vollständige Herausnahme der Geburten aus den Fallpauschalen. Allerdings, so bedauert das Gesundheitsbündnis, habe der Kreistag in der Krankenhausplanung keine Entscheidungsgewalt, er darf lediglich Stellungnahmen abgeben. Verhandelt werde zwischen Krankenhausträgern und Krankenkassen. Können sie sich nicht einigen, entscheide das Gesundheitsministerium. Bei den Verhandlungen spielte nach Einschätzung der Petenten keine Rolle, ob bei lebensbedrohlich verlaufenden Geburten rechtzeitig eine Geburtsstation erreicht werden könne. „Das zeigt: Ohne Entscheidungsrechte vor Ort durch Kommunen, Gewerkschaften und Patientenvereinigungen ist eine bedarfsgerechte Versorgung letztlich nicht zu erreichen.“

„Rettet die Geburtshilfe im Rhein-Sieg-Kreis“ fordert das Gesundheitsbündnis Bonn/Rhein-Sieg am Samstag, 2. März, ab 10 Uhr am Sankt Franziskus Krankenhaus in Eitorf und ab 14.30 Uhr am Cura Krankenhaus in Bad Honnef.

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