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Rhein-Sieg-Kreis: Das ist der oberste Feuerwehrmann Dirk Engstenberg

Brandmeister Dirk Engstenberg : Das ist der oberste Feuerwehrmann im Rhein-Sieg-Kreis

Dirk Engstenberg ist Kreisbrandmeister im Rhein-Sieg-Kreis. Die 109 Feuerwehreinheiten im Kreis haben die Corona-Krise bis jetzt gut gemanagt. Nur zwei Löschgruppen waren für wenige Tage nicht einsatzbereit

Er strahlt Ruhe aus und Gelassenheit, zupft ab und an an seiner Feuerwehr-Krawatte. Dirk Engstenberg sitzt zum Gespräch im verwaisten Lagezentrum im Siegburger Kreishaus. Hektik ist seine Sache nicht. Das sollte sie auch nicht sein, denn der Kreisbrandmeister muss auch in der Hitze der Einsätze einen kühlen Kopf bewahren. „Hektik fördert im Einsatz nicht die Denkfähigkeit“, sagt der Kreisbrandmeister, der gewissermaßen die Aufsicht von 109 Feuerwehreinheiten mit ihren rund 3610 aktiven ehrenamtlichen, 1551 Jugendlichen und rund 120 hauptamtlichen Wehrleuten (Troisdorf und Siegburg) im Rhein-Sieg-Kreis ist. Dazu kommen noch 163 Werksfeuerwehrleute der Unternehmen Evonik in Niederkassel und Siegwerk in Siegburg.

Die werden auch allesamt benötigt, denn es gilt die Tagesverfügbarkeit der Wehrleute sicherzustellen, um schnell handlungsfähige Einheiten in den Einsatz schicken zu können. „Das ist die große tägliche Herausforderung unserer Wehren“, sagt Engstenberg, der die Feuerwehr im Kreisgebiet sehr gut aufgestellt sieht. „Wir haben ein ganz starkes Ehrenamt.“ Bei den aktiven Feuerwehrleuten habe es in den vergangenen fünf Jahren einen Zuwachs von acht Prozent gegeben, bei den Jugendfeuerwehren sogar 20 Prozent. „Wir haben demnach eine sehr junge und hochmotivierte Feuerwehr.“ Das seien sehr gute Voraussetzungen für den Schutz der Bürger.

Warum Dirk Engstenberg Feuerwehrmann geworden ist, liegt auf der Hand. Schon sein Vater war Einheitsführer der Feuerwehr in Niederpleis, die viele Jahre später Sohn Dirk auch geführt hat. Neun Jahre war er zugleich Leiter der Werksfeuerwehr des Siegwerks in Siegburg, bevor er sieben Jahre Stadtbrandinspektor in Sankt Augustin war. Seit 2014 ist er Kreisbrandmeister, und als dieser engagiert er sich auch im Verband der Feuerwehr, sitzt für den Kreis im Verbandsausschuss und im Arbeitskreis Zivil- und Katastrophenschutz. „Meine Motivation ist es, Menschen zu helfen, und das in einer tollen Gemeinschaft.“

Sein Herzenswunsch für die Feuerwehren im Kreis ist der Bau eines Gefahrenabwehrzentrums (GAZ). „Das heutige Kreisfeuerwehrhaus genügt nicht mehr den Anforderungen“, sagt Engstenberg. Das habe eine Machbarkeitsstudie ergeben. Das Zentrum soll auch ein sogenanntes Brandhaus erhalten, in dem die Wehrleute am wirklichen Feuer üben können, wie man koordiniert gegen die Flammen vorgeht und gleichzeitig die Sicherheit der Einsatzkräfte gewährleisten kann. „Wir müssen eine Ausbildungsstätte schaffen, in der Brandverläufe simuliert werden können. Das kann man in den Kommunen nicht machen, weil es zu aufwendig ist“, sagt Engstenberg. Das könne man auch nicht mit einem Video lernen, das müsse man praktisch üben.

Gefahren abzuwehren und die Tagesverfügbarkeit herzustellen, ist für Dirk Engstenberg die wichtigste Aufgabe der Wehren im Kreis. „Das ist nicht immer einfach, weil wir viele Auspendler haben, die nicht greifbar sind“, so Engstenberg. Es habe sich aber bewährt, dass Kommunen Feuerwehrleute angestellt hätten, die dann die Tagesverfügbarkeit abdeckten. „Sie arbeiten oft in feuerwehrtechnischen Zentralen und sind sofort verfügbar.“

Die Verfügbarkeit und der Brandschutz sind für Engstenberg, auch und gerade in Corona-Zeiten, eine besondere Herausforderung. „Das muss gewährleistet sein, und das haben wir auch sehr gut hinbekommen“, sagt er. Von den 109 Feuerwehreinheiten im Kreis seien lediglich zwei Einheiten für wenige Tage nicht einsatzbereit gewesen. Die verfügbaren Wehrleute hätten sich verpflichtend in Gerätehäusern oder zu Hause aufgehalten, um schnell da zu sein am Einsatzort. „Unser Stufenkonzept hat gegriffen.“ Täglich wird gemeldet, wer sich infiziert hat oder in Quarantäne ist. „Stand heute: alles bei null“, sagt Engstenberg.“

Er war zudem Koordinator der amtsinternen Aufgaben des Amtes für Bevölkerungsschutz und dafür verantwortlich, dass der Krisenstab zielführend arbeiten konnte. „Zum Glück haben wir eine Entspannung der Lage, und der Krisenstab trifft sich nicht mehr so oft. Da wird kein Koordinator mehr benötigt.“

Zu seinen festen Aufgaben zählt allerdings die Koordination im Lagezentrum im Kreishaus bei größeren Einsätzen, etwa bei Unwetterlagen. Dass er die Einsatzleitung übernimmt, ist aber eher selten. „Das ist bisher einmal geschehen“, sagt er und meint damit den für ihn herausforderndsten Einsatz beim Böschungsbrand an der ICE-Strecke in Siegburg-Brückberg Anfang August 2018. „Das unerwartete Ausmaß und die hohe Gefährdung der Bewohner und Einsatzkräfte waren extrem“, erinnert sich der Kreisbrandmeister an das Großfeuer, bei dem 540 Rettungskräfte im Einsatz waren. 21 Siegburger verloren dabei ihr Zuhause. 32 Menschen, darunter zwölf Feuerwehrmänner, wurden verletzt. „Meine Leute sind vor Erschöpfung vor meinen Augen zusammengebrochen. Das war ein einziger Backofen.“

Ansonsten hat er – wie es im besten Beamtendeutsch heißt – die Fachaufsicht über die Wehren und die kreiseigenen Aufgaben, zu denen etwa gehört, eine Leitstelle zu unterhalten. Und natürlich berät und unterstützt er die einzelnen Wehren im Einsatz.

Und so ganz nebenbei hat er an Wochenenden über vier Jahre einen Masterstudiengang „Katastrophenvorsorge und Management“ an der Uni Bonn absolviert. „Das war anstrengend, hat aber sehr viel Spaß gemacht.“ In zwei Wochen gibt er seine Masterarbeit ab, verbunden mit der Hoffnung, dass Katastrophen in seinem Zuständigkeitsbereich ausbleiben.