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Rhein-Sieg-Kreis: Folgen des Coronavirus - Schulen geschlossen

Digitales Lernen : So gehen Schulen im Rhein-Sieg-Kreis mit der Corona-Krise um

Die Schulen und Kitas im Rhein-Sieg-Kreis stellen sich auf die Schließung bis nach den Osterferien ein. Die Notfallbetreuung in den Einrichtungen läuft an. Ein Überblick.

Sankt Augustin

Am Albert-Einstein-Gymnasium (AEG) in Sankt Augustin liegt er vor, der fast finale Notdienstplan für die Zeit bis zu den Osterferien. Dazu hat sich Schulleiter Michael Arndt am Montagvormittag mit dem Leitungsteam zusammengesetzt, um die Notfallbetreuung für Kinder von Eltern in „systemrelevanten Berufen“ zu erarbeiten – nachdem das Land am Freitag die vorübergehenden Schul- und Kitaschließungen verkündet hatte. „Wir haben jetzt einen Schichtbetrieb eingerichtet mit dem Ziel, so wenige Kontakte wie möglich zu haben“, sagte Arndt. Zudem soll die Betreuung am AEG nicht nur für Schüler der fünften und sechsten Klassen gelten. „Wenn jemand aus den Stufen sieben bis neun käme, würden wir ihn auch nicht abweisen.“ Das sei die Einrichtung ihren Schülern und Eltern in einem Akt der Solidarität schuldig. Für die 13 Schultage, die bis zum Beginn der Osterferien zu überbrücken sind, haben sich die Lehrkräfte jeweils im Tandem für verschiedene Schichten eingetragen. Jederzeit sollen vier Kollegen im Haus sein.

Drängender sei für die Einrichtung aber die Frage, wie der Unterricht weitergehe. „Es kann in der Zeit nur um Vertiefung gehen“, sagte Arndt. Über das Tool Edmond könnten den Schülern Medieninhalte zur Verfügung gestellt werden. Bei den Abiturienten sei aufgrund der anstehenden Prüfungen zudem wichtig, dass sie mit den Lehrern ihrer Leistungskurse eng in Kontakt seien. „Wir halten uns im Leitungsteam weiter bereit“, so Arndt.

Der Vorsitzende der Stadtschulpflegschaft Hinrich Pich hat die Eltern in Sankt Augustin per E-Mail über die Schließungen informiert. Ein Problem sieht er, sollten die Schulschließungen länger als bis nach den Osterferien dauern. „Wenn es dann zu neuem Stoff kommt, ist das wichtigste immer noch der Präsenzunterricht. Das können Eltern zuhause neben Betreuung, Arbeiten und Einkaufen gar nicht alles leisten“, so Pich.

Siegburg

 „Ein geschäftiges Treiben“ – mehr Worte brauchte Sebastian Kaas, Schulleiter des Siegburger Anno-Gymnasiums, am Montagvormittag nicht, um die derzeitige Situation an seiner Schule zu beschreiben. Seit dem Eingang der E-Mail des Schulministeriums zur Schulschließung am Freitagmittag sei die Digitalisierungsgruppe im Einsatz, um alle 988 Schüler in den kommenden Wochen mit Arbeitsmaterialien versorgen zu können. „Wir arbeiten mit Office 365, Lehrkräfte können dort Materialien hochladen, Schüler wiederum ihre Ergebnisse“, erklärte Kaas. Zudem sollen, falls nicht bereits vorhanden, Chatgruppen zum Austausch innerhalb der Klassen oder Kurse eingerichtet werden. „Für alle anderen Schüler soll spätestens ab Dienstag ein Zugang eingerichtet sein“, erklärte der Schulleiter. Dafür werde derzeit viel telefoniert. „Wir bieten ein Unterstützungsangebot für alle Schüler“, versicherte Kaas.

Überschaubar war laut Kaas die Zahl der Fünft- und Sechstklässler, die am Montag in der Schule erschienen sind. „In Absprache mit dem Kinderschutzbund haben wir das Übergangsangebot geregelt“, sagte Kaas. Die Lehrer hätten sich mit ausreichend Abstand zueinander in der Aula zu einer Dienstbesprechung eingefunden. „Ab Mittwoch werden deutlich weniger Kollegen in der Schule, sondern überwiegend vom Homeoffice aus arbeiten“, sagte der Schulleiter. Die Labore stünden indes auch in den kommenden Wochen offen, damit Physik- oder Chemielehrer dort etwa Experimente filmen und ihren Schülern in Kurzfilmen zeigen könnten. In der aktuellen Situation sieht Kaas auch eine Chance. „Wir können neue Wege des Lernens entdecken“, sagte er.

Unterdessen ist die Gemeinschaftsgrundschule Siegburg-Stallberg damit beschäftigt, die Notfallbetreuung ab Mittwoch zu organisieren. Auf ihrer Internetseite informiert sie die Eltern ihrer Schüler über die aktuellen Entwicklungen. So können die sich etwa jeden Tag zwischen 8 und 13 Uhr auf dem Schulhof oder in der Pausenhalle der Einrichtung Arbeitsmaterialien für ihre Kinder abholen. Schulleiterin Jacqueline Nolte empfiehlt Erst- und Zweitklässlern eine tägliche Lernzeit von einer Stunde, allen anderen Schülern 90 Minuten sowie tägliches Lesen und Kopfrechnen.

Niederkassel

In der Gesamtschule in Niederkassel gab es am Montag laut Schulleiterin Catrin Albrecht eine „kleine Notbetreuung“ für vier Kinder. Dieser Bedarf sei am Samstag per E-Mail abgefragt worden. Die Lehrer hätten den meisten Kindern bereits am Freitag in weiser Voraussicht ihr Arbeitsmaterial mitgegeben. Am Montag waren alle Kollegen in der Schule und damit beschäftigt, für ihre Schüler Aufgaben in Wochenportionen zu erstellen. „Das geschieht bei uns per E-Mails, denn eine digitale Plattform haben wir noch nicht“, sagte Albrecht. Ohnehin habe die Gesamtschule Glück im Unglück, denn sie sei als Schule im Aufbau noch ohne zentrale Prüfungen in der zehnten Klasse und ohne Zentralabitur.

Das ist im Kopernikus-Gymnasium in Lülsdorf anders. Dort sollten nach den Osterferien die Abiturprüfungen starten. Bis zum 3. April hätten die Abiturienten noch anwesend sein sollen. „Die Kollegen für die Oberstufe werden das jetzt eigenverantwortlich und individuell lösen“, sagte Schulleiter Dirk Stueber. Er glaubt fest, dass die Abiturprüfungen im Haus stattfinden werden, wie der Schulbetrieb der übrigen Klassen weiterlaufe, müsse man abwarten. Am Montag gab es durchaus noch Betrieb im Gymnasium, denn die Schüler kamen, um ihr Arbeitsmaterial abzuholen.

Hennef

Von den Schließungen bis nach den Osterferien betroffen sind auch die Kindertagesstätten. Eva Wieland leitet mit den „Bröler Waldmäusen“ eine der zwölf Hennefer Kitas. Insgesamt 37 Kinder besuchen normalerweise die integrative Einrichtung. „Die Situation war am heutigen Tag sehr entspannt, weil ich bereits am Samstag sämtliche Eltern informiert habe“, so Wieland am Montag. „Wir haben allen jede erdenkliche Hilfe angeboten und die Eltern haben sich aufgrund der Situation sehr verständnisvoll gezeigt.“, sagte die Leiterin. Zur Hilfe gehöre auch, dass sich zwei Elternpaare unbürokratisch zur Verfügung gestellt hätten, abwechselnd Betreuungsaufgaben für Kitakinder zu übernehmen.

Ab sofort werden in sämtlichen Hennefer Kitas nur noch die Kinder betreut, deren Eltern in beruflichen Schlüsselfunktionen beschäftigt sind, die zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, der medizinischen und pflegerischen Versorgung und zur Aufrechterhaltung zentraler Funktionen des öffentlichen Lebens unentbehrlich sind. „Sämtliche Kitas sind weiterhin in Betrieb. Diese dezentrale Lösung soll dazu beitragen, das Übertragungsrisiko so niedrig wie möglich zu halten. Darum spielt es keine Rolle, ob in der einen Kita nur zwei Kinder und in der anderen fünf betreut werden“, sagte Miriam Overath, Leiterin des Hennefer Jugendamts. Derzeit würden 24 Kinder mit Eltern aus diesen speziellen Berufsgruppen betreut. Die Tendenz ist aber laut Overath steigend. „Eltern von Kindern, die nicht diesen Berufsgruppen angehören, erhalten für die Zeit, in denen ihre Kinder nicht betreut werden, die Elternbeiträge erstattet“, sagte sie.