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Rhein-Sieg-Kreis: Wegemanager Felix Knopp kümmert sich

Naturregion Sieg : Wegemanager Felix Knopp pflegt 600 Wanderkilometer

Felix Knopp hält in der Naturregion Sieg 600 Kilometer Wanderwege in Schuss. Viele Menschen im Rhein-Sieg-Kreis entdecken gerade in der Corona-Krise ihre Heimat neu. Auch unter der Woche begegnen ihm aktuell draußen so viele wie nie.

Auch wenn es schon viele Lockerungen gibt: Das Coronavirus hat das Freizeitleben weiter fest im Griff und bestimmt, wie man sich verhalten soll, wenn man nun eine Ausstellung besucht oder sich im Freien bewegt. Gerade Letzteres ist für viele Menschen eine echte Alternative geworden. Sie entdecken die Region neu. Mountainbiken, Fahrradfahren und Wandern, einfach draußen sein und genießen oder Sport treiben hat in diesen Zeiten einen hohen Stellenwert. „Viele Menschen nehmen jetzt wahr, dass es nicht immer eine Fernreise sein muss“, sagt Landrat Sebastian Schuster. „Auch in unserem schönen Rhein-Sieg-Kreis gibt es viel zu entdecken, und dafür muss man nicht einmal weit reisen.“ Es gebe Wanderparadiese im Siegtal mit dem Natursteig Sieg und den Erlebniswegen oder Fahrradrouten im Linksrheinischen durch blühende Obst- und Gemüseplantagen.

Einer, der mit dafür sorgt, dass man sich an den vielen Schönheiten erfreuen kann und auf den Wanderwegen nicht verläuft, ist der Wegemanager der Naturregion Sieg, Felix Knopp. Rund 600 Kilometer liegen in seiner Verantwortung, was die Frage aufkommen lässt, wie man es schafft, das Netz zu pflegen. „Ich bin halt immer irgendwo draußen“, sagt Knopp. Das kann auch in Laufschuhen sein, wenn der 47-Jährige für seine Ultramarathons und Bergläufe trainiert. In der Naturregion Sieg kennt er jeden Stein, wie er sagt. Die Frage, wie viele Kilometer im Jahr er so läuft, kann er nicht beantworten. „Keine Ahnung. Unheimlich viele. Ich bin immer draußen“, so der studierte Geologe, der seit 2009 Wegemanager beim Kreis ist und gerade auf der sechsten Etappe des Natursteigs Sieg rund um Windeck-Herchen unterwegs ist und eine Bank und einen Pfosten repariert sowie Wege freischneidet.

Knopp spricht gern mit Wanderern und Bikern

„Zurzeit ist unheimlich viel los auf den Wegen“, stellt Knopp fest. Es sei sehr schön, mit den Wanderern und Bikern ins Gespräch zu kommen. Sie erzählen ihm, wo Bäume umgestürzt sind, Markierungen fehlen oder Mülleimer überfüllt sind: „Mir begegnen auf den Strecken auch während der Woche so viele Menschen wie sonst nie, und man sieht einigen an, dass sie noch wenig wandererfahren sind“, sagt der Wanderexperte. „Aber dank unserer gut beschilderten Strecken finden sie den Weg und kommen – meistens ohne Umwege – am geplanten Ziel wieder an.“ Dass so viele unterwegs sind, hat auch für Knopps Job einen positiven Effekt. „Ich muss nicht so viel freischneiden.“

Das Siebengebirge gehört zwar nicht zu seinen Aufgabengebieten. Aber er kennt es gut und hilft auch mal aus, wenn seine Expertise gefragt ist. „Der bergische Weg verläuft ja bis zum Drachenfels.“ Auch dort sind viele Erholungssuchende unterwegs, gibt es doch immer wieder Neues zu entdecken, wie etwa die Kapellenwanderung durch Königswinter. Seit Mitte März fährt zwar die Drachenfelsbahn nicht mehr zur Burgruine hoch, trotzdem wurden auf dem Drachenfelsplateau an der Zählstelle in diesem Jahr von Januar bis März 55 236 Wanderer gezählt. Das sind 3,5 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum in 2019, berichtet der Kreis.

Linksrheinisch findet sich dagegen ein Paradies für Radfahrer. Viele Feldwege durchziehen etwa das Drachenfelser Ländchen in Wachtberg und das Vorgebirge. Die im vergangenen Jahr neu eröffnete Rheinische Apfelroute führt auf 142 Kilometern durch das größte Obst- und Gemüseanbaugebiet in NRW.

Auch auf dieser Route ist viel Bewegung. „Wir stellen fest, dass unsere Apfelroute in dieser Zeit sehr gut angenommen wird“, freut sich Eva Konrath, Geschäftsführerin des Rhein-Voreifel-Touristik-Vereins.

70 Prozent mehr Radfahrer im März und April

Seit 2015 hat der Rhein-Sieg-Kreis an zehn Punkten im Kreisgebiet Zählstationen an den Radwegen installiert, die nun Rekordzahlen liefern. So gab es an den linksrheinischen Zählstellen in den Monaten März und April im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um rund 70 Prozent. Am Rheinradweg in Niederkassel und an den Stationen an der Sieg hat sich die Frequenz sogar verdoppelt. Die Zugriffszahlen auf die Internetseiten der Tourismusregionen sowie die Followerzahlen auf den Social-Media-Kanälen schießen ebenfalls in die Höhe: Viele Menschen holen sich im Netz Anregungen und Tipps für die nächste Wander- oder Fahrradtour und tauschen ihre Erfahrungen aus.

Kreiswirtschaftsförderer Hermann Tengler sieht gute Chancen, dass sich der Trend zu Freizeitaktivitäten wie Wandern und Radfahren, Naherholung und Ausflügen in der Region auch nach der Corona-Krise fortsetzt: „Nicht nur der Übernachtungsgast, auch der Tagestourist ist von großer ökonomischer Bedeutung für Gastgewerbe, Einzelhandel und Dienstleistungen in der Region“, so Tengler. Wenn die Betriebe nun wieder öffneten, werde die gestiegene Kundenzahl dazu beitragen, dass sich die wirtschaftlichen Perspektiven allmählich wieder verbessern. Ob Tagestour, Wochenendtrip oder Urlaub: Der Kreis biete eine riesige Bandbreite an Freizeitmöglichkeiten, eine abwechslungsreiche Natur und viele kulturelle Höhepunkte, wirbt die Kreisverwaltung für eine Region, die Felix Knopp so beschreibt. „Es ist eine unglaublich schöne Region mit großer Vielfalt. Einfach toll.“

Derzeit sei für ihn auf den Wegen unendlich viel zu tun. „Jeden Tag ist etwas anderes“, sagt Knopp. Aber das sei eben der Reiz an seinem Job. Zwar musste der Wald an einigen Stellen wegen des Borkenkäfers weichen. „Auf den Flächen, die im vergangenen Jahr gerodet worden sind, kommen jetzt aber schon Ahornbäume, Buchen und Eichen.“ Es sei sehr spannend, draußen zu sehen, wie sich die Natur ihr Terrain wiederholt. Ganz im Sinne der Erholungssuchenden.