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Organisation @fire: Rösrather koordinierte Rettungseinsatz in Beirut

Organisation @fire : Rösrather koordinierte Rettungseinsatz in Beirut

Jochen Langen aus Rösrath koordinierte den Such- und Rettungseinsatz der Organisation @fire in Beirut - die Helfer sind auf persönliche Einladung des libanesischen Botschafters in Berlin in den Einsatz gegangen.

Mehr als 171 Tote, mehr als 5000 Verletzte und etwa 300.000 Menschen, die nach Schätzungen der Vereinten Nationen ihr Zuhause verloren haben: Während die Welle der Unterstützung für die Opfer der Explosion in der libanesischen Hauptstadt Beirut allmählich anläuft, sind die Helfer der ersten Stunde bereits wieder aus dem Einsatz zurück. Insgesamt sechs internationale Teams, die auf die Suche und Rettung von Verschütteten spezialisiert sind, waren Stunden nach dem Unglück in den Libanon gereist, darunter das Team der Hilfsorganisation @fire (gesprochen „at fire“) – eine Hilfsorganisation mit dem Motto „Feuerwehrleute helfen weltweit“.

Die 13 Spezialisten aus ganz Deutschland wurden vor und während des Einsatzes aus der Region koordiniert: Jochen Langen, Geschäftsführer des auf Spezialfahrzeuge und Techniklösungen für Film- und TV-Produktionen spezialisierten Unternehmens Jola-Rent, ist langjähriger Helfer und Unterstützer des Katastrophenschutzes. Sein Rösrather Firmenbüro wurde für den Rettungseinsatz in Beirut zur Einsatzzentrale der @fire-Helfer.

Dank moderner Softwarelösung und internationalen Standards für Hilfsorganisationen ist eine „Fernsteuerung“ von Einsätzen heute kein Problem, erklärt Jochen Langen: „Wir arbeiten nach dem Standard der sogenannten Insarag, dem Internationalen Such- und Rettungsbeirats der Vereinten Nationen. Die Insarag ist eine Zertifizierungs- und Koordinierungsstelle für weltweite Einsätze.“ Alle Informationen laufen in einer gemeinsamen Schnittstelle zusammen. „@fire ist auf persönliche Einladung des libanesischen Botschafters in Berlin in den Einsatz gegangen“, erklärt der Koordinator: „Über unsere Einsätze stehen wir mit anderen Hilfsorganisationen, dem Bundesamt für Bevölkerungshilfe und Katastrophenschutz und dem Auswärtigen Amt im Austausch.“

Informationen und Zeit seien wichtige Faktoren in der Katastrophenhilfe, erklärt Langen: „Am Folgetag der Explosion um 16 Uhr kam die Mitteilung, dass wir in den Einsatz gehen. Wir haben unsere Software auf „mobilisieren“ gestellt, sodass alle Hilfsteams auf der Welt wussten, das wir unterwegs sind.“ Während die @fire-Helfer ihre Familien und Arbeitgeber über den Hilfseinsatz informierten, packten die Mitarbeiter von Jola-Rent in Rösrath das Einsatzequipment zusammen. „Alles in allem waren es 2,5 Tonnen Material, das nach Frankfurt zum Flughafen und dort durch den Zoll musste. Währendessen haben wir mit den Fluggesellschaften verhandelt, damit wir möglichst günstige Tickets bekommen. Wir werden allein durch Spenden finanziert. Zum Glück haben die Fluggesellschaften uns kein Übergepäck für die 2,5 Tonnen in Rechnung gestellt.“

Noch am selben Abend gegen 22 Uhr saßen die ersten sieben Helfer mitsamt Rettungshund im Flugzeug. Sechs weitere Helfer und ein weiterer Suchhund flogen am nächsten Vormittag hinterher. Einquartiert wurden die deutschen Helfer in einer deutschen Schule in einem Vorort von Beirut. Unterstützung gab es von Militär und Sicherheitskräften, die das @fire-Team, darunter eine Ärztin und ein Bauingenieur zum Einsatzort eskortierten – zum Schutz vor Plünderern waren Stadtbezirke und die Zufahrt in die massiv zerstörte 500-Meter-Zone des Zoll-Freihafens abgeriegelt worden. Mit Rettungshunden und technischem Ortungsgerät suchten die Helfer nach Überlebenden in den Trümmern. Anschließend unterstützten die Spezialisten zwei Tage lang die lokalen Behörden bei der Bewertung der Standsicherheit und Nutzbarkeit von beschädigten Gebäuden im Umfeld des Hafens.

In 2970 Kilometern Entfernung koordinierte Jochen Langen in Rösrath den Einsatz am Computer: „Über unsere Software und sogenannte GPS-Tracker konnte ich unsere Teams beobachten. Das Mobilfunknetz hat hervorragend funktioniert, sodass unsere Satellitentelefone nicht zum Einsatz kamen.“ In Rösrath wurden Informationen gesammelt und bewertet, etwa zur Sicherheitslage vor Ort und zum Austausch mit anderen Hilfsorganisationen. Seit Montag sind die 13 @fire-Helfer zurück in Deutschland.

Noch am Flughafen gab es eine erste Besprechung zur psychosozialen Nachsorge, um das Erlebte und Gesehene zu verarbeiten. Weitere Nachbesprechungen werden folgen. Am heutigen Samstag wollen die Helfer ihr Equipment sortieren, packen, wiegen und in Zolllisten eingetragen – damit alles ganz schnell geht, wenn irgendwo auf der Welt ein Unglück geschieht und die @fire-Helfer binnen Stunden vor Ort sein müssen.