Polizei veröffentlicht Foto Leiche aus Ruppichteroth nach 27 Jahren identifiziert

Update | Ruppichteroth · Vor mehr als 27 Jahren fanden Schüler in einem Waldstück in Ruppichteroth-Beiert mehrere Knochen. Nach 27 Jahren konnte nun die Leiche identifiziert werden. Mit einem Foto des Verstorbenen sucht die Polizei nun nach Hinweisen.

 1994 finden zwei Schüler in Ruppichteroth-Beiert in einem Waldstück mit dem Namen „In der Mordkaule“ menschliche Knochen.

1994 finden zwei Schüler in Ruppichteroth-Beiert in einem Waldstück mit dem Namen „In der Mordkaule“ menschliche Knochen.

Foto: Nicolas Ottersbach

Ein Teil des seit mehr als 27 Jahren ungelösten Rätsels um eine unbekannte Leiche, die im Wald bei Ruppichteroth entdeckt worden war, ist gelöst. Der Polizei zufolge konnten die gefundenen Überreste einem Siegburger zugeordnet werden. Es ist die Leiche von Ernst K. aus Siegburg, der seit dem 19. Februar 1990 als vermisst galt.

Damit bleibt der „Cold Case“ (übersetzt: kalter Fall) weiterhin spannend. Gefunden wurde die Leiche erst im Mai 1994 von Schülern im Waldstück des Weilers Beiert. Die Knochen wurden zunächst fälschlich für tierischen Ursprungs gehalten, von den Jugendlichen selbst, aber auch von den Eltern und weiteren Verwandten. Erst die Lehrerin der Kinder identifizierte sie als menschliche Knochen.

Sie wandte sich an die Polizei, Ermittler gruben in dem Waldstück schließlich weitere Knochen, vergammelte Kleidung und Gegenstände aus. Etwa ein Jahr könne die Leiche zu dem Zeitpunkt bereits im Wald gelegen haben, so die Schätzung der Ermittler damals. Als das Skelett in der Bonner Rechtsmedizin untersucht wurde, machte das Einschussloch in der Schädelplatte deutlich, dass das ein Fall für die Mordkommission ist. Die Ermittlungen blieben aber zunächst erfolglos.

Die DNA-Analyse führte damals nicht zum Erfolg

Der Einsatz der DNA-Analyse zur Identifizierung war damals noch eine junge Technik und führte zunächst zu der Suche nach einer vermissten Frau. Wichtigster Anhaltspunkt für die Identifizierung der Leich war in den 1990er Jahren für die Kripo das Zahnschema, das anhand des vorgefundenen Gebisses festgelegt werden konnte. Damals schrieb die Mordkommission neben einer bundesweiten sowie internationalen Recherche nach infrage kommenden Vermisstenfällen insgesamt mehr als 1000 Zahnärzte im Bonner und Siegburger Raum und im angrenzenden Rheinland-Pfalz an.

Erst vor Kurzem wurde der Leichenfund aus Beiert als Cold-Case-Fall an die Bonner Mordkommission übergeben. Anfang 2021 wurde der Kieferknochen des Opfers erneut untersucht. Dabei zeigte sich: Die vermeintlich tote Frau aus Beiert ist ein erschossener Mann. Die Polizei Bonn ermittelte wieder.

Mitte September ging sie mit dem alten Fall zu „Aktenzeichen XY... ungelöst“ ins ZDF und stellte die bisherigen Erkenntnisse in dem Fall vor. 65 Hinweise gingen nach der Sendung bei der Polizei ein, insgesamt 90 waren es schon einige Tage später, zehn davon führten zu weiteren Ermittlungen. Einen Tag nach der Sendung war auch klar, dass es sich bei der Leiche anders als lange angenommen, nicht um eine Frau, sondern um einen Mann handelte.

 So hat Ernst K. im Jahr 1990 ausgesehen. Seine Knochen wurden 1994 entdeckt.

So hat Ernst K. im Jahr 1990 ausgesehen. Seine Knochen wurden 1994 entdeckt.

Foto: Polizei Bonn

Jetzt führten die weiteren Ermittlungen zur nächsten Erkenntnis, der Identität der Leiche. Ein Verwandter des seit 1990 vermissten Ernst K. meldete sich bei der Polizei. Mit Hilfe seiner DNA wies die Polizei nach, dass es sich bei der Leiche aus Beiert um Ernst K. handelte.

Ernst K. soll sich im Drogenmilieu bewegt haben

Er war 25 Jahre alt, als er im Februar 1990 verschwand. Er lebte alleine in Siegburg, war unverheiratet und soll sich nach bisherigen Kenntnissen der Ermittler auch im Drogenmilieu bewegt haben. Auf richterlichen Beschluss veröffentlicht die Polizei nun ein Foto von dem Toten. Mit diesem Foto wurde bereits 1990 aufgrund der Vermisstenanzeige nach ihm gesucht. Die Ermittler erhoffen sich auch damit wieder Hinweise: zu Ernst K. und seinem Verschwinden im Jahr 1990. Außerdem sucht die Polizei nach Zeugen, die ihn im Zeitraum zwischen Februar 1990 und dem Auffinden der Knochen im Jahr 1994 gesehen haben. Es gibt bereits Hinweise darauf, dass Ernst K. im Oktober 1992 noch gelebt haben muss.

Ziel der Ermittlungen ist es auch nach 30 Jahren, den oder die Mörder von Ernst K. zu finden. Die Polizei ging damals und geht heute davon aus, dass die Täter sich vor Ort auskannten. Die Anwohner von Beiert befragte die Polizei damals aber unerklärlicherweise nicht flächendeckend. Die Ermittler sprachen lediglich mit einem Landwirt aus dem Ort ausführlich. Auch damals allerdings hoffte die Polizei schon darauf, über die Medien Hinweise zu dem Fall zu bekommen. Auf einen Bericht aus dem Juni 1994 habe sich aus der Dorfgemeinschaft in Beiert aber niemand gemeldet, hieß es bei der Polizei noch unmittelbar nach der XY-Sendung.

Erst über die TV-Sendung im vergangenen Jahr erfuhren auch viele der Anwohner in Ruppichteroth und Beiert von dem Leichenfund im Jahr 1994. Zu ihnen gehörten der damalige Ruppichterother Bürgermeister Ludwig Neuber ebenso wie sein Nachfolger Dieter Theuer, der Neuber im Herbst 1994 ablöste. „Ich habe die Sache mit dem Skelett immer für ein Gerücht gehalten“, sagte Dieter Theuer nach der Sendung.

Wir wollen wissen, was Sie denken: Der General-Anzeiger arbeitet dazu mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Wie die repräsentativen Umfragen funktionieren und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Fast alles wie bisher
Kommentar zu den Corona-Beschlüssen von Bund und Ländern Fast alles wie bisher
Aus dem Ressort