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Naturprojekt: Sieg bei Eitorf und Windeck wird renaturiert

Naturprojekt : Sieg bei Eitorf und Windeck wird renaturiert

Der Flusslauf der Sieg wurde verändert, über Jahre wurde Material angespült wie Kies, Sand und Lehmschichten. Jetzt gibt die Bezirksregierung Köln dem Fluss in Eitorf und Windeck Platz zur Entfaltung.

Idyllisch über Steine und Stufen dahinplätscherndes Wasser in einem mäandernden Flussbett, das kleine Inseln und Sandbänke umspielt und in Seitenarmen die Landschaft zurückerobert. So könnte die Sieg aussehen, wäre sie nicht von steinernen Ufereinfassungen kanalisiert. Der Sieg ein Stück Natur und Raum zurückzugeben, das ist das Ziel der europäischen Wasserrahmenrichtlinie. Wie das in der Praxis gelingen kann, ohne dass Freizeit- oder landwirtschaftliche Flächen unter Protest der Nutzer verlorengehen, zeigt diese Woche die Bezirksregierung Köln in Eitorf und Windeck.

Auen- und Ufermodellierung, so lasse sich die Maßnahme der Renaturierung in den beiden Sieg-Kommunen am besten beschreiben, erklärt Alexandra Beuel, Bauingenieurin und Expertin für die Gewässerentwicklung an der Sieg bei der Bezirksregierung Köln, bei einem Ortstermin in Windeck nahe der Ortschaft Rosbach. Auf einer Fläche von rund 9000 Quadratmetern gibt der Mensch dem Fluss hier zurück, was er ihm über Jahrzehnte genommen hat: Platz zur Entfaltung.

Neben dem bisherigen Flussbett zeigte bislang nur eine Rinne in der Landschaft, dass die Sieg hier früher fließen durfte, sagt Beuel: „Der Flusslauf wurde verändert, und über Jahre wurde Material angespült wie Kies, Sand und Lehmschichten. Bei Mittelwasser und kleineren Hochwassern wird dieser Bereich daher nicht mehr überspült. Das wollen wir nun ändern.“ Zwischen 1000 und 2000 Kubikmeter Oberboden und Kies, so schätzt es ein Arbeiter, werden bis zum Ende der Woche bewegt, um der Sieg eine neue Rinne parallel zum Flussbett und einer künstlichen Insel anzubieten.

Neuer Lebensraum für Fauna und Flora

„Bereits bei normalen Wasserständen soll hier Wasser vorbei an zwei aufgeschütteten Leitbauwerken aus Kies in die neue Rinne fließen. Fischen, Pflanzen und Insekten wird damit ein neuer Lebensraum geboten“, erklärt die Bauingenieurin: „Wir geben der Sieg mit der Maßnahme hier einen kleinen Anstoß, danach darf sie sich entfalten.“ Zumindest bis zum angrenzenden Hang, der mit dem abgetragenen Boden und Kies angeschüttet wird. Denn sowohl der Hang mit dem darüberliegenden Friedhof als auch die am gegenüberliegenden Ufer gelegene Bundesstraße 256 zwischen Rosbach und Au werden und bleiben geschützt, betont Alexandra Beuel: „Durch den Verlauf der Sieg liegt der Prallhang ohnehin auf Seite, die der Maßnahme gegenüberliegt, und deren Einfassung natürlich nicht verändert wird.“

Nachbar Wilfried Krämer, der als Ur-Windecker an einer benachbarten, ehemaligen Schmiede wohnt, verfolgt die Arbeiten gespannt. „Früher, als die Straße noch nicht war, war hier eine Furt“, erinnert er sich an die 1940er und 1950er Jahre: „Da sind die Leute von den Weiden, Feldern und Gärten auf dieser Siegseite mit den Fuhrwerken auf die andere Seite durch die Sieg gefahren, wo ein schmaler Pfad den Hang hoch führte.“ Dass die Sieg sich an einigen Stellen wieder entfalten kann, findet er gut: „Wenn es keine Probleme bereitet, ist das eine gute Sache.“

Weitere Projekte sollen folgen

So sehen es auch die Betreiber eines Campingplatzes in Eitorf-Happach, wie die Gewässerexpertin der Bezirksregierung berichtet. Dort, an der zweiten Renaturierungsmaßnahme an der Sieg, wird derzeit ein alter, etwa 40 Meter langer Altarm wieder mit der Sieg verbunden. „Der Altarm, der vermutlich einmal künstlich angelegt wurde, war komplett zugewachsen und in ihm stand regelrecht eine Brühe“, so Beuel: „Die kleine Verbindung bietet der Sieg etwas mehr Platz zum Ausbreiten und versorgt den Altarm mit frischem Wasser.“

Weitere Projekte sollen folgen, kündigt die Bezirksregierung an: „Anhand des Gesamtplans für die Sieg überlegen wir Jahr für Jahr aufs Neue, wo und wie wir in Abstimmung mit allen Beteiligten und den Naturschutzbehörden der Sieg etwas Raum zurückgeben können. Es gibt noch einige Stellen, an denen das möglich sein dürfte.“