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2,5 Millionen Bienen in Gerressen: Siegtal-Imkerei produziert jährlich eine Tonne Honig

2,5 Millionen Bienen in Gerressen : Siegtal-Imkerei produziert jährlich eine Tonne Honig

Zehn Völker mit 2,5 Millionen Bienen gehören zu Siegtal-Imkerei in Windeck. Das Örtchen Gerressen, wo die Imkerei ansässig ist, hat dagegen nur 300 Einwohner. In Zukunft soll die Idee einer „Gläsernen Imkerei“ umgesetzt werden.

Beschaulich ist es in dem Windecker Dörfchen Gerressen, das gerade mal 300 Einwohner zählt. Wer die schmale Gerressener Straße hinauf fährt, landet irgendwann an einem wunderschönen Haus, dass neben den Besitzern Michael Haupts und Anja Becker-Haupts auch einige Untermieter hat – die allerdings summen und im Garten des Ehepaares leben. Die Rede ist von von Honigbienen, denn Anja Becker-Haupts entdeckte vor zehn Jahren – als die Kinder aus dem Haus waren – ihre Liebe zu dem Insekt und machte aus dem Hobby einen Beruf. Sie ist Imkerin und betreibt gemeinsam mit Ehemann Michael die Siegtal-Imkerei. Insgesamt 2,5 Millionen fleißige Bienen, deren zehn Völker auf fünf Standorte in Gerressen, Stromberg. Eitorf-Halft, Neuenhof sowie auf Gut Fussberg in Ruppichteroth verteilt sind, sorgen laut dem Ehepaar jährlich für rund eine Tonne Honig.

Die Westliche Honigbiene („Apis mellifera“) ist aufgrund ihrer Blütenbestäubung eines der wichtigsten Nutztiere für die Landwirtschaft. Die Körperlänge des staatenbildenden Fluginsekts beträgt in Europa bei der Königin 15 bis 18 Millimeter, bei den Drohnen 13 bis 16 Millimeter und bei den Arbeiterinnen 11 bis 13 Millimeter. Arbeiterinnen erreichen ein Durchschnittsgewicht von 82 Milligramm, die großen Königinnen dagegen 250 bis 300 Milligramm. Die Grundfarbe der Westlichen Honigbiene ist zumeist braun und nur die Weibchen verfügen über einen Giftstachel, der zur Verteidigung dient.

Imker wie das Ehepaar Haupts halten ihre Bienenvölker in künstlichen Nisthöhlen, den so genannten Bienenstöcken, in denen Brutnest und Honigvorräte vor Witterungseinflüssen und den Räubereien anderer Tiere geschützt sind. Honigbienen sind die wichtigsten Bestäuber von Blütenpflanzen. Neben der ökologischen Bedeutung der Honigbienen als Bestäuber von Wild- und Kulturpflanzen hat die Imkerei einen großen ökonomischen Nutzen für die Landwirtschaft, wo sie den Ertrag und die Qualität von Obst und Gemüse erhöht. Der Imker, der auch Naturschützer ist, produziert mit dem Honig ein Lebensmittel und ist damit in den deutschsprachigen Ländern der strengen Lebensmittelgesetzgebung und hygienischen Vorschriften unterstellt. Zudem erzeugen Imker wie Anja Becker-Haupts Bienenwachs für Kerzen, die von ihr und ihrem Ehemann von Hand gedreht werden.

Seit acht Jahren auf dem Siegburger Markt

„Auch wenn es manche Menschen nicht glauben, aber die Imkerei ist harte körperliche Arbeit“, sagte Michael Haupts. Geerntet wird zumeist im Mai. Mittels eines so genannten Smokers, dessen Rauch die Stechbereitschaft der Bienen senkt, kann Becker-Haupts, die auch Bienenköniginnen züchtet und Vorstandsmitglied des Imkerei-Vereins Windeck ist, die Waben kontrollieren. „Schutzkleidung sollte dabei immer getragen werden. Unsere Bienen sind zwar sehr sanftmütig, aber gestochen werden kann man trotzdem ab und an“, sagte Becker-Haupts. Der wesentliche Arbeitsgang des Imkers bei der Honiggewinnung ist das Schleudern. Mit einer so genannten Honigschleuder wird durch die Zentrifugalkraft Honig aus den vorher entdeckelten Bienenwaben gewonnen.

Diese Wabengebilde mit ihren sechseckigen Zellen werden von den Bienen aus Bienenwachs hergestellt und dienen zur Aufzucht der Larven und zur Lagerung von Honig und Pollen. „Das alles ist schon viel Arbeit“, sagt Michael Haupts, der vor seinem Ruhestand Tauchausbilder war. Verkauft werden die verschiedenen Honig­sorten wie „Frühtracht“ oder „Sommerhonig“ sowie Bienenwachskerzen im hauseigenen kleinen Laden, vor allem aber jeden Samstag auf dem Siegburger Markt. „Wir bauen dort seit acht Jahren unseren Stand auf und haben natürlich unsere Stammkunden.“

Buchweizen versorgt die Bienen bis in den Herbst

Ein großes Problem der Imker ist die Varroamilbe. Der Parasit kann im Zusammenspiel mit Insektiziden, die in der Landwirtschaft verwendet werden, ganze Bienenvölker zerstören und ist in Deutschland in den vergangenen Jahren Hauptursache für das seuchenartige Bienensterben besonders im Herbst und Winter. Ameisen- und Milchsäure sind laut Becker-Haupts gute Bekämpfungsmethoden gegen den Schädling.

Begeistert ist die Imkerin vom Bio-Bauern Lukas Tölkes, der auf Gut Fussberg, einem der fünf Standorte ihrer Bienenvölker, Buchweizenfelder angelegt hat. „Der Buchweizen blüht lange und versorgt bis zum Herbst Bienen, aber auch andere Insekten mit Nahrung“. Mit ihrem Ehemann möchte sie die Idee einer „Gläsernen Imkerei“ umsetzen. „Wir wollen hier Besuchern die verschiedenen Arbeitsschritte dieser Tätigkeit präsentieren.“