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Corona-Abfälle im Rhein-Sieg-Kreis: Spritzen, Stäbchen und Co. führen zu hohen Müllbergen

Corona-Abfälle im Rhein-Sieg-Kreis : Spritzen, Stäbchen und Co. führen zu hohen Müllbergen

Was passiert eigentlich mit den ganzen kontaminierten Abfällen aus den Schnelltest- und Impfzentren? Diese müssen gesondert entsorgt werden. Das stellt einige Testzentren jedoch vor Herausforderungen. Der GA ist den Müllbergen auf die Spur gegangen.

Schon in Mai und Juni vergangenen Jahres schlugen deutsche Bauhöfe Alarm. Die angelieferte Menge Elektroschrott hatte sich durch Neuanschaffungen für das Homeoffice verdoppelt. Ebenso sah es beim Altglas aus, dessen Menge nach Angaben von Remondis aufgrund geschlossener Gastronomie um rund 20 Prozent gestiegen war. Hinzu kam 5,3 Prozent mehr an Verpackungsmüll aus Online-Bestellungen im vergangenen Jahr. Weitere zusätzliche Müllmengen wurden durch Renovierungen und Aufräumtätigkeiten aufgrund größerer Zeitkapazitäten der Kurzarbeiter verzeichnet. Und dass, obwohl Deutschland bereits 2018 mit 615 Kilogramm Abfall pro Kopf auf Platz vier in Europa rangierte.

Fachmännische Entsorgung im Krankenhaus

Jetzt kommen weitere Müllmengen durch die Corona-Testungen und Impfungen hinzu. Leere Spritzen, Ampullen, gebrauchte Stäbchen und weitere medizinische Utensilien müssen entsorgt werden. Das stellt die Kommunen und ihre beauftragten Testzentrenbetreiber vor Probleme. Das gilt besonders für kontaminierte Abfälle wie positive Corona-Tests und die Impf-Abfälle. Denn die müssten laut dem Bundesumweltamt als Sondermüll (Nummer 180104) entsorgt werden. Das bedeutet, in einem reißfesten, feuchtigkeitsbeständigen und dichten Behältnis. Die Gemeinde Eitorf, die in Zusammenarbeit mit der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft, dem DRK, der Apotheke am Bahnhof und CanAktiv ein Testzentrum im Bürgerzentrum betreibt, etwa lässt diese Abfälle in extra angeschafften „Kanülen-Eimern“ ins Eitorfer Krankenhaus „zur fachmännischen Entsorgung“ bringen, wie die zuständige Mitarbeiterin mitteilt.

 Spritzen, leere Ampullen und Stäbchen aus Test- und Impfzentren verursachen inzwischen viel Müll. (Symbolbild)
Spritzen, leere Ampullen und Stäbchen aus Test- und Impfzentren verursachen inzwischen viel Müll. (Symbolbild) Foto: dpa/Federico Gambarini

„Es ist so organisiert, dass der gesamte Müll, also Kittel, Masken, Handschuhe, negative Tests und so weiter, von den Betreibern gesammelt und in Müllsäcke verpackt wird“, so Michaela Lehmacher vom Bauamt Altorf. Die verschlossenen Müllsäcke werden in einem der nicht genutzten Räume des Bürgerzentrums gelagert. Ein Mitarbeiter des Bauhofs nimmt den Müll dann zweimal wöchentlich mit zum Bauhof, wo ein zusätzlicher 1100-Liter-Restmüllcontainer dafür vorgesehen ist. „Die Kosten für diesen Container mit einem zwei-wöchentlichen Abfuhrrhythmus belaufen sich auf 87,11 Euro pro Monat“, so Lehmacher. Vor Ostern sei der Container schnell voll gewesen, so dass die Gemeinde zwei zusätzliche Ladungen Müll zur Entsorgungsstelle der RSAG hatte bringen müssen.

Stadt Sankt Augustin setzt auf nachhaltige Taschentücher

Die Stadt Sankt Augustin stellt ebenfalls Räume im Rathaus, im Haus der Nachbarschaft in Hangelar und im Haus Buisdorf für Testungen zur Verfügung. Laut Aussage von Pressesprecherin Carolin Trost erfolgt die Entsorgung des Mülls über die Restmülltonne. „Im Haus der Nachbarschaft in Hangelar wurden seitens der Stadt die Kapazitäten von einer 240-Liter-Tonne auf einen 1100-Liter-Container aufgestockt“, so die Pressesprecherin. In Siegburg testet die Altenheim Siegburg Dienstleistungsgesellschaft laut Jan Gerull, Pressesprecher der Stadt Siegburg, im Rhein-Sieg-Forum (Rhein-Sieg-Halle).

Bei der Entsorgung seien „gewisse Vorschriften einzuhalten: Der kontaminierte Müll kommt in Extra-Behälter“, so Gerull. Zur weiteren Sicherheit werde anfallender Verpackungsmüll in doppelwandigen oder doppelten Müllsäcken entsorgt. Nachhaltig wirtschaftet die Stadt bei den Taschentüchern für die Getesteten. „Unter anderem werden den Getesteten Taschentücher mit Nachhaltigkeitszertifikat gereicht, wenn ihnen, was häufig geschieht, beim Testen die Tränen kommen“, erklärt der Pressesprecher.

Elke Lammerich von der Stadt Lohmar verweist auf einen Erlass des Umweltministeriums NRW zur Entsorgung von COVID-19-Abfällen als „gefährliche Abfälle“ in gesonderten Behältnissen. In den Städten Hennef, Troisdorf und Bad Honnef sind die jeweiligen Betreiber der Testzentren für die Entsorgung der Abfälle über die RSAG selbst verantwortlich.