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Kommunaler Wettbewerb: Teile und fahre: Carsharing-Projekt in Lohmar

Kommunaler Wettbewerb : Teile und fahre: Carsharing-Projekt in Lohmar

Die Stadt Lohmar wurde bei einem kommunalen Wettbewerb ausgewählt, um ein Carsharing-System aufzubauen. Ob es dieses Jahr schon losgeht, ist noch offen.

Michael Schramek hat kein Auto. Er lebt in Jesberg in Nordhessen, etwa auf halber Strecke zwischen Marburg und Kassel. Ein Dorf mit knapp 2500 Einwohnern. Am Telefon schnattern Schrameks Gänse im Hintergrund. Aber Jesberg hat seit fünf Jahren ein Carsharing-Angebot, das er mitinitiiert hat. „Das nutze ich für meine wenigen Autofahrten.“

Schramek ist auch Geschäftsführender Gesellschafter der Mobilitätsberatung Ecolibro, die in Troisdorf sitzt. Die Firma berät im Auftrag des Zukunftsnetzes Mobilität NRW seit Kurzem acht Städte und Gemeinden aus dem ländlichen Raum, die ein Carsharing-System aufbauen wollen. Die Kommunen haben sich bei einem kommunalen Wettbewerb beworben und erhalten mit professioneller Unterstützung ein Carsharing-System in ihrer Region. Die Förderung dauert ein Jahr und umfasst Beratungen im Bereich Analyse, Kommunikation und Evaluation. Eine der erfolgreichen Bewerbungen kommt aus Lohmar.

Eine Vision entwickeln

Der erste Schritt in der Beratung von Schramek ist, wichtige Fragen zu klären: Welche Carsharing-Modelle gibt es und eignen sich wo? Wie funktioniert es, welche Zielgruppen gibt es, wie können genügend Fahrzeuge mobilisiert werden? „Die Kommunen haben verstanden, dass Carsharing gerade auf dem Land etwas bringt, aber sie sind noch keine Fachleute“, sagt Schramek.

In manchen der teilnehmenden Kommunen wie Lohmar gibt es noch kein entsprechendes Angebot, andere haben schon ein oder zwei Autos. Alle Beratungen sind deshalb unterschiedlich und jeweils eigene Projekte. „Wir wollen gemeinsam eine Vision entwickeln und gehen individuelle Wege“, sagt Schramek.

Idee: Autos der Stadtverwaltung integrieren

„In Lohmar soll Carsharing als einer der ersten Bausteine der Smart-City-Strategie umgesetzt werden“, erklärt der Mobilitätsmanager der Stadt, Philipp Kukula. Autos zu teilen, statt zu besitzen, könne „ein wichtiger Bestandteil der Mobilitätswende sein“.

Für Berater Michael Schramek „gab es noch nie eine so gute Gelegenheit wie heute, damit anzufangen“: Immer mehr Menschen nehmen den Klimawandel ernst, außerdem werden nach der Corona-Pandemie viele Arbeitnehmer nicht mehr jeden Tag ins Büro zurückkehren. „Das ist ein Kulturwandel.“ Schramek erklärt, wie so ein Carsharing-Angebot im ländlichen Raum aussehen könnte: So verfüge die Stadtverwaltung über Autos, „die ab 16 Uhr rumstehen. Die könnte man integrieren“.

„Wenig Leidensdruck auf dem Land, Auto nicht zu nutzen“

Gleiches gelte zum Beispiel für die Stadtwerke oder Pflegedienste. „Wir müssen gleichzeitig ein Angebot und eine Nachfrage schaffen.“ Das gelte vor allem für den Weg zur Arbeit, sonst würden Arbeitnehmer aufs eigene Auto angewiesen bleiben und könnten den Zweitwagen nicht abschaffen. Die Konzepte von Gemeinschaftsautos im ländlichen Raum unterscheiden sich also von den bereits etablierten Angeboten in Großstädten.

„Auf dem Land gibt es zu wenig Leidensdruck, das Auto nicht zu nutzen“, sagt Schramek. Umso besser müssten Car­sharing-Konzepte sein. Im nächsten Schritt würde dann versucht, dass Nutzer nicht alleine fahren, sondern gemeinsam. Ein solches Projekt betreut er in Thüringen. Ein wichtiger Teil sei auch die richtige Kommunikation in der Bevölkerung. In diesem Bereich berät die Trierer Firma Raumkom des Verkehrswissenschaftlers Heiner Monheim die Kommunen.

Ein langfristiges Projekt, das sich selbst trägt

Das Ziel des Projektes ist nicht, dass der Schnellste und Beste gewinnt, erklärt Sharon Beatty vom Zukunftsnetz Mobilität NRW, das beim Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) in Köln angesiedelt ist. „Wir wollen keinen Druck erzeugen, sondern einen Anreiz schaffen.“ Wie viele Kommunen aus dem Rhein-Sieg-Kreis sich um die Förderung beworben haben, verrät Beatty nicht. Nur so viel: „Die Motivation in der Region war groß.“ Lohmar habe „ein ernsthaftes Interesse am Thema Carsharing“ gezeigt und sei deshalb mitausgewählt worden.

Ob die Lohmarer bereits in diesem Jahr damit beginnen können, sich Autos zu teilen, „kann aktuell nicht seriös prognostiziert werden“, erklärt Mobilitätsmanager Philipp Kukula. „Es soll aber kein Pilotprojekt werden, sondern ein langfristiges System etabliert werden, das sich perspektivisch wirtschaftlich selbst trägt.“